03.06.2026
Eintracht

„Themen schonungslos angepackt“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Beck und Vorstandssprecher Axel Hellmann berichten von der Aufsichtsratssitzung am 3. Juni.

Das schönste Thema hat sich Mathias Beck für den Schluss aufgehoben. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats spricht Beck direkt nach der Aufsichtsratssitzung am 3. Juni 2026 mit der Presse. Erst über die sportliche Situation, dann über Fanbelange – und um 14.08 Uhr über die besiegelte Vertragsverlängerung mit Vorstandssprecher Axel Hellmann, der logischerweise auch hinter dem Medienpult Platz genommen hat.

Mathias Beck über …

… den Sport: Markus Krösche hat uns sehr detailliert und tiefgründig geschildert, was die Probleme in der vergangenen Saison waren. Wir wissen alle, dass die Saison nicht gut war. Ich habe ihm nochmal den Rücken gestärkt. Wir stehen absolut hinter Markus. Unsererseits ist die Saison hiermit abgehakt. Wir gucken nach vorne. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Adi Hütter einen neuen Cheftrainer haben, was wir als wichtigen Bestandteil für die Zukunft von Eintracht Frankfurt ansehen. Es ist in aller Interesse, dass wir wieder anderen Fußball im Stadion sehen. Wir wollen Leidenschaft zurück und Zweikampfstärke sehen. Wir werden in der neuen Saison eine tolle Mannschaft auf dem Platz sehen.

… die Fanthematik: Die Ereignisse vor dem Heimspiel gegen Stuttgart haben uns allen nicht gefallen. Besonders schwierig daran war, dass wir Verletzte zu beklagen hatten. Das hat Dimension nochmal deutlich schlimmer gemacht. So etwas darf es bei uns nicht geben. Ich möchte den Verletzten in diesem Moment nochmals gute Besserung und eine Genesung wünschen, die hoffentlich eintritt. Philipp Reschke arbeitet das Thema auf und hat uns tiefgründig erklärt, was derzeit passiert. Er ist mit Behören, Fangruppierungen und Fanclubs in Abstimmung. Hier gibt es viele Themen, die gerade besprochen werden, und Maßnahmen, die man in Betracht zieht. Wir haben einige Themen intern gesprochen und Philipp dahingehend unser Vertrauen ausgesprochen, dass wir davon überzeugt sind, dass er mit dem kompletten Engagement und den Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, in die richtige Richtung geht. Wir werden zeitnah von Philipp hierzu immer informiert. Es gibt den klaren Auftrag: Sollte es die ersten Themen geben, wird das klar gegenüber der Öffentlichkeit geäußert. Die aktive Fanszene hat die Vorfälle bedauert, klar ist aber auch: So kann es nicht weitergehen.

… die Vertragsverlängerung mit Axel Hellmann: Wir haben einstimmig den Vertrag mit Axel Hellmann um weitere fünf Jahre verlängert. Diese Verlängerung tritt zum 1. Juli 2026 in Kraft und hat eine Laufzeit bis zum 30: Juni 2031. Wir im Aufsichtsrat sind sehr froh und stolz, dass wir Axel weitere fünf Jahre an die Eintracht binden konnten. Axel ist für uns ein ganz wichtiger Pol. Er hat die Architektur in den vergangenen zehn Jahren sehr verändert und nach vorne getrieben. Er ist sozusagen im Maschinenraum unterwegs. Der Hauptausschuss hat mit Axel drei Runden gedreht, was die Verhandlungstage betrifft, und das eine oder andere Telefonat geführt. Hier und da lagen wir auseinander, aber am Ende doch nicht – weil es geht um die Eintracht. Was das angeht, sind wir schnell auf einen Nenner gekommen. Es ging in erster Linie um Inhalte: Wachstum nach vorne bringen, Wachstumsmodelle nach vorne bringen, in der Infrastruktur stark sein. Wir haben Infrastrukturprojekte vor der Brust, die sowohl für den Verein als auch für die AG wichtig sind. Außerdem möchten wir noch enger zusammenarbeiten als wir es ohnehin schon tun. Was meine Person betrifft, werde ich noch häufiger im Stadtwald sein.

Danach hat Vorstandssprecher Axel Hellmann das Wort, äußert sich zum vergangenen Spieljahr, den kommenden fünf Jahren sowie zu zahlreichen Fragen der Journalistinnen und Journalisten.

Axel Hellmann über …

… die Vertragsverlängerung bis 2031: Der Aufsichtsrat hat ganz klar gesagt: Wir wollen auf dem Gas bleiben, Tempo machen, wettbewerbsfähig bleiben und in Wachstumschancen denken. Das ist ein starkes Commitment für die Zukunft. Danke an Mathias, den Hauptausschuss und den Aufsichtsrat für die Bereitschaft, mit mir in die kommenden Jahre zu gehen.

Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann (2. v. r.) mit dem Hauptausschuss des Aufsichtsrats der Eintracht Frankfurt Fußball AG (v. l.): Felix Wirmer, Mathias Beck, Sven Janssen.

… Erkenntnisse aus der Aufsichtsratssitzung: Wir haben in der Diskussion Themen schonungslos angepackt, die einer schonungslosen Aufarbeitung verlangen. Die vergangene Saison ist nicht an einer Person festzumachen, es geht um Gesamtverantwortung. Es geht darum, wieder Klarheit, eine gewisse Schärfe, Intensität und Disziplin ins System zu bekommen. Ein Schlüsselthema ist für mich: Griffigkeit. Eine solche hatten wir in der vergangenen Saison und vielleicht auch zum Ende der Saison zuvor nicht mehr in dem Maße, wie wir sie hätten haben müssen.

Die komplette Pressekonferenz zum Nachhören

… die Wahrnehmung: Wir haben eine Schwelle erreicht, an der viele Vereine, die uns in den vergangenen Jahren verfolgt haben, uns bis zuletzt mit großem Unverständnis begegnet sind nach unserer vorbildlichen Gesamtpräsentation in den Vorjahren. Das wird die kommenden Jahre prägen. Ich selbst habe eine Lernkurve gehabt, von der ich nicht gedacht hätte, sie zu erleben. Unser Erfolg ist zulasten von Schärfe und Disziplin gegangen.

… seine Einordnung: Es handelte sich um eine sportliche Krise, aber keine Unternehmenskrise. Eintracht Frankfurt hat schon andere Zeiten erlebt, als Dinge implodierten und Schwierigkeiten aufgetreten sind. Ich sehe im Vorstand das Vertrauen in die handelnden Personen, Fehler korrigieren und Wege verändern zu können. Ich bin 100 Prozent sicher, dass Markus Krösche den Weg korrigieren wird wird und der Aufsichtsrat die Maßnahmen, die wir diskutiert haben, zu 100 Prozent mitträgt.

… das berufliche Umfeld: Ich hätte nicht für fünf weitere Jahre zugesagt, wenn ich nicht total davon überzeugt wäre von den Leuten, mit denen ich tagtäglich arbeite – großartige Menschen und super Mitarbeitende.

… drei wesentliche Wettbewerbskomponenten: Erstens, die Infrastruktur optimal ausnutzen, etwa durch eine neue Multifunktionshalle in der Nähe, deren möglicher Betrieb; auch durch eine Stadionerweiterung beziehungsweise perspektivisch ein Neubau. Generell neue Sportquartiere, Standorte, ein neuer Stadtteil. Das lässt sich nur als Verein und AG gemeinsam schultern. Zweitens, digitale Innovationsführerschaft weiter ausbauen. Deshalb haben wir ein Unternehmen gegründet, das sich am Markt bewegt: stackwork, eine Plattform, die wir anderen Partner im Sportgeschäft anbieten können. Drittens, aus eigener Kraft wettbewerbsfähig bleiben. Das geht für uns nur über Transfers, optimale Stadionausleistung, aber auch über neue Modelle mit neuen Partnern, um die Kraft und den Nährboden in der Region weiter zu stärken. Wir haben nationale und internationale Märkte, aber unser Brot- und Buttergeschäft ist die Region – gerade, wenn wir mal nicht international spielen.