12.06.2026
Team

„Träumen muss erlaubt sein“

Aurèle Amenda spricht über seine erste WM-Teilnahme, die Ziele mit der Schweiz, den Aufenthalt in San Diego und Fitnessfachmann Eduardo Parra Garcia.

Aurèle, während Nationalspieler wie Du die WM-Vorbereitung absolvierten, hat die Eintracht den neuen Cheftrainer präsentiert. Adi Hütter war von 2015 bis 2018 Cheftrainer in Bern, Du in der Jugend der Young Boys. Gab es zufällig damals Berührungspunkte?
Stimmt, die zeitliche Überschneidung trifft zu, ich hatte dennoch noch keinen direkten Kontakt mit Adi Hütter. Ich habe mitbekommen, wie er drei Jahre erfolgreich in Bern gearbeitet und die Youngs Boys zur Meisterschaft geführt hat. Aber ich war in jener Zeit noch sehr jung und im YB-Nachwuchs. Daher gab es bisher leider noch keine Berührungspunkte.

Zur Nationalmannschaft: Kick-off für die Schweiz ist am Samstag um 12 Uhr in Santa Clara. Wie gewappnet fühlt ihr euch kurz vor dem Auftakt an ungewohnter Stelle und zu unüblicher Fußballzeit?
Klar, um 12 Uhr zu spielen, ist für jeden speziell. Das letzte Mal, als das der Fall war, war ich noch sehr, sehr jung. Es könnte sein, dass die Plätze etwas anders sind als in den meisten europäischen Stadien und die Sonne da überhaupt am höchsten steht. Mein Gefühl in der Mannschaft: Das ist alles egal, weil sich jeder Einzelne einfach auf dieses Turnier freut und stolz ist, dabei zu sein. Wir sind extrem gut vorbereitet und haben ein gutes Trainingslager absolviert. Ich sehe uns bereit für den Auftakt und denke, dass wir eine gute WM spielen können.

Neun Stunden Zeitunterschied, dafür ein vergleichsweise milderes Klima als an anderen WM-Standorten – wie empfindest Du die Bedingungen an der Westküste?
Es geht einfach um Anpassung. Und dafür hatten und haben wir genug Zeit über mehrere Wochen. Wenn wir aufstehen und Training haben, ist in Europa Abend, wenn hier Abend ist, ist in Europa Morgen. Was die Leistungsfähigkeit angeht, möchte ich das Thema gar nicht so hoch hängen, zumal ich das aus zwei Trainingslagern mit der Eintracht kenne. Schwieriger ist eher, mit der Familie in Kontakt zu treten – oder ein Zeitfenster für unser Interview zu finden (lacht). Doch wie gesagt: Klima hin, Zeitverschiebung her – es gibt keine Ausreden, es liegt an uns, zu lernen, damit umzugehen. Das gilt für jede Nation.

Was genau liegt in euren Händen?
Die Infrastruktur ist herausragend. Hotel, Trainingsgelände … und die Plätze sind top gepflegt. Hier machen sowohl der Schweizer Fußballverband als auch die FIFA einen sehr guten Job, damit jeder die bestmöglichen Rahmenbedingungen erfährt. So gesehen haben wir als Spieler die Grundlagen vor Ort, um leistungsfähig und gesund zu bleiben.

Seit 2023 habt ihr mit Eduardo Parra Garcia einen ausgewiesenen Performance-Spezialist an Bord. Von welchen speziellen leistungsfördernden Maßnahmen kannst Du berichten?
Ein sehr guter Punkt, Edu ist ein richtig guter Typ und wichtiger Erfolgsfaktor für uns. Er geht sehr gut auf die Mannschaft ein oder besser gesagt: auf jeden individuell. Edu redet sehr, sehr viel mit jedem einzelnen Spieler, um herauszufinden, was der eine mehr oder der andere weniger braucht, um schließlich die richtige Balance zwischen Fitness und Frische herzustellen. Dafür greift er auf viele technische Hilfsmittel zurück. Seien es Speicheltests an jedem Morgen oder das Tracking während des Schlafs und Trainings. Sehr professionell, wir sind in guten Händen!

Die Generalprobe fand gegen Australien – wahrscheinlich nicht grundlos um 12 Uhr – statt. Welche Schlüsse habt ihr aus dem 1:1 gezogen?
Das war ein guter Test. Es lag eine anstrengende Woche hinter uns. Daher ist das Ergebnis in Ordnung. Wir haben gute Dinge gesehen und wissen nun, was uns in Sachen Witterung erwartet. Wir kennen das Klima und wissen aus sportlicher Sicht, was gegen Australien noch nicht gut lief und woran wir bis Samstag arbeiten müssen. Ich bin überzeugt, das wird man im ersten Spiel sehen.

Die Vorrundengegner der Schweiz heißen Katar, Bosnien und Herzegowina und Kanada. Was rechnet ihr euch in der Gruppenphase aus?
Unser Ziel ist ganz klar Platz eins. Das soll nicht arrogant klingen, aber wir möchten so auftreten, damit wir jedes Spiel gewinnen. Ich denke einfach, eine WM ist möglicherweise ein einmaliges Erlebnis, weshalb gilt: Träumen muss erlaubt sein! Dazu gehört maximaler Ehrgeiz und nicht zuletzt eine super Mannschaft, die wir haben. Ich bin guter Dinge, dass wir in der Lage sind, eine unvergessliche WM zu spielen.