20.03.2023
Bundesliga

Ursache und Wirkung

Die Eintracht geht trotz Torschussrekord leer aus, Kolo Muani besticht durch Solo- und Zweikampfwerte und Union setzt seine 1:0-Serie fort. Die Niederlage in Berlin in der Nachbetrachtung.

„Wenn man vorne keinen macht und vorne welche bekommt, dann verlierst du!“ Wenn es im ersten Moment, kurz nach Schlusspfiff, noch schwerfällt, die passenden Worte zu finden, um das Gesehene prägnant zusammenzufassen, so helfen gelegentlich für den ersten Moment auch pragmatische Erklärungen.

Insgesamt zwölf Torschüsse setzte die Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Union Berlin alleine in den ersten 45 Minuten ab. In Retrospektive auf den bisherigen Saison- sowie Rückrundenverlauf in der Bundesliga eigentlich ein Rekord in zweierlei Hinsicht. Erstmals nahmen die Adlerträger so häufig in einer ersten Halbzeit in dieser Runde in der Liga Maß, darüber hinaus waren es nach 45 Minuten schon die meisten Frankfurter Torschüsse in einem gesamten Spiel in der Bundesligarückrunde. Unterm Strich standen 19 Torschüsse zu Buche, 14 aus dem Strafraum. Nur was fehlte, war Zählbares.

„In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht und hätten ein Tor machen müssen“, bilanzierte Sportvorstand Markus Krösche, und Cheftrainer Oliver Glasner sagte, dass „bis auf den Abschluss bei uns in der ersten Halbzeit eigentlich alles aufgegangen ist“. Aber: „Vor ein paar Wochen hätten wir in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore gemacht. Aktuell sind die Coolness und die Lockerheit weg. Das musst du dir erarbeiten“, so Djibril Sow. Und so stand auf der Anzeigetafel im Stadion An der Alten Försterei die Null hinter der Gästemannschaft. Immerhin: Die Expected-Goal-Quote lag mit 1,52 zu 2,69 aufseiten der Hessen. „Heute hätten wir wahrscheinlich deutlich länger spielen können und kein Tor gemacht“, so Krösche.

Geschichte des Spiels: Wenn sie erstmal führen…

Behielt am Sonntag eine Weiße Weste: Frederik Rönnow, hier im Duell mit Rafael Santos Borré.

Dass dies so kam, lag auch an einem, der einst selbst den Adler auf der Brust trug. „Wir hatten einen hervorragenden Torwart“, verteilte Berlins Trainer Urs Fischer ein Sonderlob an Frederik Rönnow, der in seinem 50. Bundesligaspiel die Weiße Weste wahrte. Etwas, was den Adlerträgern in der laufenden Saison auf fremdem Rasen verwehrt blieb: Frankfurt ist der einzige Bundesligist, bei dem in dieser Bundesligarunde auswärts hinten noch keine Null stand. 

Unions dänischer Keeper, der seine ersten elf Einsätze in Deutschlands Beletage für die Eintracht bestritt, dürfte indes ab der 53. Minute, sprich nach dem Führungstreffer seiner Elf, ein ihm bekanntes Muster ausgemacht haben: Seit dem 4. Dezember 2020, also seit nunmehr 40 Bundesligaspielen, sind die Eisernen unbesiegt, wenn sie mit 1:0 in Führung gegangen sind.

Zahl des Spiels: 13

Eine Führung, die liebend gerne auch auf der Gegenseite hätte fallen können, gerade in der ersten Halbzeit lag ein Frankfurter Treffer in der Berliner Frühlingsluft. Auch, weil Randal Kolo Muani nur selten vom Ball zu trennen war. Mit all seinen 13 versuchten Dribblings war der junge Franzose erfolgreich, zudem ging er im ersten Durchgang aus 14 Zweikämpfen 14 Mal als Sieger hervor. Gleich doppelt bemerkenswert: Seit Beginn detaillierter Datenerfassung in der Spielzeit 2004/05 ging kein Spieler in einer Bundesligapartie in so viele Dribblings und wahrte dabei auch noch eine Erfolgsquote von 100 Prozent.

Das schreiben die Medien

  • Frankfurter Rundschau: „Ausgerechnet in dem Spiel, in dem die Frankfurter eigentlich recht gut drin waren und sich mal wieder eine Reihe von Torchancen erspielten, gingen sie leer aus.“

  • Sportschau: „In einem alles andere als müden Beginn erspielte sie sich ein Übergewicht, aus dem im Laufe der ersten 45 Minuten immer mehr Chancen resultierten. Alleine: Das Führungstor wollte nicht fallen.“

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Vieles von dem, was die Eintracht in der ersten Halbzeit zeigte, passte. Nur eben nicht das Verwerten der Torchancen.“

Das sagt das Netz

  • „Auch wenn es heute ärgerlich ist, will ich eine Sache sagen: Wer mit dem einem 6. Platz in der Bundesliga, DFB Pokal Viertelfinale und mit einem Champions League Achtelfinale nicht zufrieden ist, ist ein Erfolgsfan“ (@mo0ritz_)
  • „Oje. Die big points gehen an Union. Leider fehlt das Selbstvertrauen und gerade wird die gute Ausgangslage verspielt.“ (@Saftpresse99)
  • „Irgendwie ist gerade gefühlt jeder Konter ein Tor. Dazu kommt noch das unsere Stürmer und offensiven Spieler kein Glück im Abschluss haben. Ja, das ist richtig Sch… aber wir müssen sie einfach weiter Unterstützen und ihnen von außen helfen. Dann wird das wieder. Nächstes Heimspiel 3 Punkte. Nur die SGE.“ (@stephan_karaiskos)

Ausblick: Raus in die Welt

Deutschland, Frankreich, Schweiz, Japan, Kroatien, Kolumbien, USA und Albanien: Insgesamt elf Adlerträger reisen nach dem 25. Spieltag zu ihren Nationalmannschaften, für acht verschiedene Nationen sind sie in den kommenden Tagen rund um den Globus in A- sowie U21-Teams im Einsatz.

Für die Spieler, die in Frankfurt bleiben, stehen bis zur Wochenmitte noch Trainingseinheiten auf dem Programm.

Am Freitag, 31. März, rollt wieder der Bundesligaball im Deutsche Bank Park, wenn um 20.30 Uhr der VfL Bochum im Stadtwald gastiert.