Beide haben große Verantwortung, wenn es um die bedeutendsten Errungenschaften des Vereins geht. Der eine sorgt seit fast 38 Jahren in verschiedenen Positionen dafür, dass Pokale, Gastgeschenke, Eintrittskarten und Bilder in den Bestand des Museums wandern, hütet selbst kleinste Dinge wie seinen Augapfel und setzt alle Hebel in Bewegung, um den Fastnachtsorden, den Makoto Hasebe anstelle des Spielwimpels in Köln kürzlich erhalten hat, unter seine Fittiche zu bekommen. Der andere baut eben diese Gegenstände, meist Silberware aus der Vitrine, ebenso sorgsam auseinander, analysiert und reinigt das Material, versiegelt poröse Stellen und sorgt dafür, dass die Gegenstände nicht besonders schön oder wie neu, sondern wieder angemessen aussehen.
Dass das Gespräch mit dem heutigen Vorstandberater Rainer Falkenhain und dem Denkmal-Restaurateur Roman Borkowski am Vorabend des Eintracht-Geburtstages im Museum unter der Moderation von Axel „Beve“ Hoffmann stattfand, liegt somit auf der Hand. Hoffmann konnte den Bogen spannen von der „Vielzahl an gewonnenen Pokalen in der Vereinshistorie“ bis hin zu dem Mann, der eben jene schon öfter ins Museum gebracht hat und ganz nebenbei „die Eintracht kennt wie kaum ein Zweiter“.
Falkenhains Erinnerungen an 50 Jahre Eintracht
So entwickelte sich im zweiten Teil des Abends zwischen Hoffmann und Falkenhain ein lockerer Plausch über die vergangenen Jahrzehnte, die Falkenhain mit der ein oder anderen Anekdote bereichern konnte. Er erzählte vom sprachlosen Barca-Präsident beim ersten Blick ins Camp Nou etwas über eine Stunde vor Spielbeginn der Europa-League-Partie vergangenen April beim FC Barcelona. Von eher unterkühlten Gesprächen beim UEFA-Dinner mit einem gegnerischen Verein am Abend vor dem internationalen Duell. Von „wehmütigen Erinnerungen“ beim aktuellen Blick nach Charkiw, wo die Eintracht im Rahmen der Europa League im Februar 2019 gegen Shakhtar Donetsk gastierte. Und vom stolzen Fenerbahce-Präsidenten, der ins eigene Museum am Bosporus einlud. „Das hat mich total beeindruckt“, schwärmt er.
Freilich ging Falkenhains Blick auch weiter zurück, und das machte er schon bei seinem ersten Statement deutlich. „Mein Anspruch beim Besuch im Museum ist es immer, etwas mitzubringen“, sagte er, schaute in Richtung des Museumsleiters Matthias Thoma und erinnerte mit zwei gerahmten Bildern an einen der größten Eintrachtler aller Zeiten, Alfred Pfaff. Das eine zeigt den Leistungsträger der Meistermannschaft von 1959 mit Sepp Herberger und Fritz Walter, das andere die Urkunde zur Ernennung zum Ehrenspielführer der Eintracht zu Zeiten von Präsident Rudolf Gramlich.
„Es macht mich stolz, dass ich ‚Don Alfredo‘ erlebt habe“, sagte Falkenhain, der schon in jungen Jahren Trainingskiebitz am Riederwald war, freundschaftliche Verhältnisse zu Spielern aufbaute und 1985 von Peter Röder ins Geschäftsstellenteam geholt wurde. Dort führte er verschiedenste Aufgaben aus, ehe er rund drei Jahrzehnte im Lizenzspielerbereich tätig war – anfangs an der Seite von Zeugwart Anton Hübler, später bis 2018 als dessen Leiter.
Nach dem ersten Abstieg ist eine andere Fankultur entstanden.
Rainer Falkenhain
Da er als Fan den ersten Bezug zur Eintracht hatte, weiß er, warum genau diese für einen Traditionsverein so wichtig sind. „Die Unterstützung ist unser großer Faustpfand. Wir müssen uns bewahren, dass die Bilder, die in Barcelona und andernorts entstanden sind, uns nicht verloren gehen“, meinte er. „Nach dem ersten Abstieg ist eine andere Fankultur entstanden, die Zuschauerentwicklung ist atemberaubend“, berichtete der 62-Jährige.
Neben Fastnachtsorden aus Köln und Bildern aus der Kneipe von Alfred Pfaff hat Falkenhain schon einige Pokale in das Museum gebracht. Überhaupt besitzt die Eintracht viel Silberware, und die möchte gepflegt werden. Beulen, fehlende Teile, Verfärbungen, Korrosion, poröse Stellen – das sind nur einige unschöne Alterserscheinungen. Um alte Pokale restaurieren zu lassen, hatte das Museum im vergangenen Jahr unter dem Motto „Ein Herz für Pokale“ eine Spendenaktion ins Leben gerufen und konnte so von Roman Borkowski und seiner Frau Carolina 15 Trophäen behandeln lassen.
Meine Frau ist die erste Prüferin.
Roman Borkowski
Das Ehepaar Borkowski erklärte im ersten Teil des Abends anhand von einigen Beispielen und beim Blick in die Vitrine mit eben jenen Exemplaren, wie ihre Arbeitsweise aussieht. Axel Hoffmann stellte fest: „Es sind viel technisches Wissen und handwerkliche Fähigkeiten notwendig.“ Zumal die Borkowskis sehr perfektionistisch arbeiten. „Meine Frau ist die erste Prüferin und dabei sehr genau“, lachte Roman Borkowski.
Geht es nach den Borkowskis und sicherlich allen Fans von Eintracht Frankfurt, darf sich der Bestand an Silberware in den nächsten 124 Jahren gerne erweitern. Die Restauration nimmt dann sicherlich nicht ausschließlich das Ehepaar aus Wiesbaden vor. Es bedeutet jedoch, dass die Eintracht sportlich erfolgreich war. Da hat sicherlich niemand etwas dagegen. In diesem Sinne: Auf die nächsten 124 Jahre Eintracht Frankfurt!