Am Ende eines sportlichen Wettkampfs steht ein Ergebnis. Ein Ergebnis, das in der Regel maßgeblich über die Gefühlslage der Protagonisten entscheidet. Die Klaviatur, die dahingehend bespielt werden kann, ist breit – alles ist möglich. Auf der schmalen, rundläufigen Anzeigetafel im Spotify Camp Nou stand am Ende ein 2:1. Bedeutet, dass sich die Eintracht am sechsten Spieltag der Ligaphase der UEFA Champions League dem FC Barcelona mit 1:2 geschlagen geben musste. Doch vor dem Hintergrund der herben Niederlage 72 Stunden zuvor in Leipzig und der gänzlich konträren Darbietung, die Frankfurt gegen den amtierenden spanischen Double-Sieger und aktuellen Tabellenführer in La Liga auf den Rasen gebracht hatte, waren es am Ende „gemischte Gefühle“, so Arthur Theate.
Gemischte Gefühle bei der Eintracht
Die Eintracht zwischen den Stühlen. „Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein, aber mit dem, was wir hier heute gezeigt haben. Dieses Spiel gibt uns einen Schub“, sagte der Belgier. Ein Schub trotz leeren Händen, mit denen die Hessen dastanden. Auch wenn es bitter sei, dass „wir nun ohne Punkte nach Hause fliegen, weil wir aufgrund des Spielverlaufs mehr verdient hatten“, wie Robin Koch sagte, so überwog in den Reihen der Adlerträger der Stolz auf das Geleistete.
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„Diesmal sind unsere Köpfe nach den Gegentoren nicht nach unten gegangen. Wir haben zwar verloren, können aber erhobenen Hauptes nach Hause fahren“, unterstrich Theate. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen hatte er nach dem 0:6 gegen Leipzig die Reise nach Katalonien nicht gerade unbeschwert angetreten. Doch, so Cheftrainer Dino Toppmöller: „Was gibt es Schöneres, als Fußball zu spielen und dann aufzutrumpfen, wenn kaum einer an dich glaubt?“
Kompakt zusammengefasst
- 1:0 durch Ansgar Knauff mit seinem zweiten Tor gegen den FC Barcelona nach dem Europa-League-Viertelfinalhinspiel im Frühjahr 2022; sein zweites Champions-League-Tor im 18. Spiel.
- Eine sehenswerte Vorarbeit – sein zweiter Assist in der Königsklasse 2025/26 – des auch defensiv überzeugenden Nathaniel Brown; unter anderem verteidigte er gegen Lamine Yamal, mit tatkräftiger Unterstützung von Theate und Farès Chaibi
- Chancen zum zweiten Treffer.
- Zwei Gegentore innerhalb von 181 Sekunden durch Jules Koundé zu Beginn der zweiten Halbzeit (50./53.), die die Eintracht jedoch nicht umwerfen.
- Über die gesamte Spielzeit ein aufopferungsvoller Kampf auf Hessisch mit viel Willen, mentaler Stärke, großem Herz und der Bereitschaft, zu leiden und gewisse Momente auszuhalten.
90 Minuten, in denen Barcelona 13 Torschüsse mehr als der Gegner absetzte und unterm Strich Zahlen produzierte, die eigentlich eine deutliche Sprache sprechen. Eigentlich. 76 Prozent Ballbesitz und 830 zu 262 gespielte Pässe, davon über 600 in der gegnerischen Hälfte – möglicherweise mit der Führung im Rücken auch eine Art Risikoverwaltung im Barça-Stil. Im Gegensatz dazu spulten die Hessen drei Kilometer mehr ab als die Katalanen.
Nach einem Spiel in Barcelona – eine „der größten Herausforderungen, die es im europäischen Fußball gibt“, wie es Toppmöller vorab beschrieben hatte –, sich darüber zu grämen, dass mehr drin war, ist an sich eine kleine Auszeichnung.
Meine Überzeugung und mein Glaube an diese Mannschaft sind ungebrochen.
Cheftrainer Dino Toppmöller
Zwar bleibt es im Klassement nach sechs Partien bei vier Punkten auf der Habenseite, aber: „Klar, wir spielen immer, um ein Ergebnis zu erzielen. Aber viel wichtiger als das Ergebnis war, den Glauben an sich selbst wieder zu stärken. Nach einem Spiel wie am Samstag bröckelt das Selbstverständnis ein wenig, es kommen Selbstzweifel auf. Wir haben aber gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft sind. Meine Überzeugung und mein Glaube an diese Mannschaft sind ungebrochen. Das Team hat Charakter und Herz gezeigt“, so Toppmöller: „Wir wollten zeigen, dass das [gegen Leipzig; Anm. d. Red.] nicht unser wahres Gesicht war. Und die Jungs haben es gut gemacht.“ Als Kollektiv, zusammen und füreinander – den Plan über 90 Minuten umgesetzt; den Defensivplan „überragend umgesetzt“, lobte Toppmöller. Die richtige, die selbst eingeforderte Reaktion.
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„Die Jungs haben gesehen, dass wenn wir als Mannschaft agieren und jeder sich an den Plan hält, wir gegen jeden Gegner mithalten können“, hob Sportvorstand Markus Krösche hervor: „Wir können zufrieden sein mit unserer Leistung. Das muss der Standard sein. Schade, dass wir nicht einen Punkt mitgenommen haben.“
Ausblick: Jahresendspurt
Sechs Punkte sind in diesem Kalenderjahr noch in der Bundesliga zu vergeben, die Gegner der Eintracht heißen dabei FC Augsburg und Hamburger SV. Beginnen wird der Jahresendspurt am Samstag, 13. Dezember, 15.30 Uhr, im Deutsche Bank Park gegen die Fuggerstädter um Coach Manuel Baum, der vor einer Woche auf Sandro Wagner folgte. „Der wichtigste Wettbewerb ist die Bundesliga, und dort haben wir wieder einen Gegner mit neuem Trainer vor der Brust. Das wird ein ganz anderes Spiel als heute, es geht dann nicht nur um Verteidigen und Umschalten. Wir müssen das Spiel machen und Dinge kreieren“, blickt Toppmöller voraus, nach den Erkenntnissen aus dem Spiel gegen Barcelona mit der Gewissheit: „Ich weiß, dass wir gut sind und eine gute Saison spielen werden.“

