11.08.2021
Eintracht

„Teilhabe so hoch wie nie“

Vorstandssprecher Axel Hellmann und Sportvorstand Markus Krösche blicken auf die Herausforderungen der neuen Saison – hinsichtlich Profifußball, Strategie, Fans und vielem mehr.

Axel Hellmann über…

…die Rückkehr der Fans ins Stadion: Uns steht eine Saison von Unwägbarkeiten bevor. Das betrifft ein Stück weit das Sportliche, aber vor allem auch Dinge, die darüber hinaus gehen. Es gibt viele wirtschaftliche und emotionale Komponenten, mit denen wir umgehen müssen. Wir arbeiten in Frankfurt mit dem Gesundheitsamt und der Stadtpolitik auf einer sehr sachlichen Ebene zusammen, die getragen ist von Sachargumenten und auf einer richtigen juristischen Einschätzung. Ich möchte betonen, dass wir versuchen möchten, alle teilhaben zu lassen. Also auch die Ungeimpften, sofern sie getestet sind. Deshalb war es in unserem Antrag der Anspruch, ein klares und wenn möglich größtmögliches Kontingent für Getestete zu erzielen. Einen reinen Zugang für nur Geimpfte und Genesene können wir uns aktuell nicht vorstellen und ich weiß auch nicht, ob das gesellschaftspolitisch das richtige Signal wäre.

Die Saisoneröffnungspressekonferenz in voller Länge zum Nachhören gibt‘s hier:

…Erleichterungen für geimpfte Personen: Wir sind Realisten und wissen, dass es Erleichterungen für Geimpfte geben wird, die automatisch auch unsere Spiele betreffen werden. Das wird auch unsere Situation erfassen, sodass es erleichterte Zugangsbestimmungen für Geimpfte und Genesene geben wird. Darauf richten wir unsere Planung aus und ich bin sehr froh, dass mittlerweile eine fünfstellige Zahl an Menschen davon Gebrauch gemacht hat, sich hier bei uns als Geimpfte oder Genesene zu registrieren. Das wird uns allen nämlich am ersten Spieltag den Zugang zum Stadion enorm erleichtern. Deshalb an dieser Stelle noch einmal der Appell: Bei uns am Stadion gibt es weiterhin die Möglichkeit, sich seinen Status eintragen zu lassen, um am ersten Spieltag von den erleichterten Zugangsberechtigungen Gebrauch machen zu können.

…den aktuellen wirtschaftlichen Planungsstand: Unser Planungsstand, wie er auch von der DFL verlangt worden ist, hat natürlich erst einmal eine 100-prozentige Auslastung unseres Stadions zum Gegenstand gehabt. Aber mittlerweile gehen wir natürlich in realistischere Betrachtungen und nicht mehr von einem Zuschauerschnitt von 50.000 aus. Wenn man von den 25.000 ausgeht, haben wir eine Grundlage, bei der wir die Hoffnung haben, dass sie sich von dort aus in die richtige Richtung entwickeln wird.

…die finanziellen Folgen der Pandemie: In der vergangenen Saison haben wir einen operativen Verlust von 45 Millionen Euro und einen Umsatzeinbruch von 70 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das schultert man ein Jahr. Ein zweites Jahr können wir das nicht schultern, ohne an das Tafelsilber zu gehen. Tafelsilber bedeutet, entweder gehen wir an die sportliche Substanz, was wir nicht wollen, oder man wird andere Wege finden müssen, um sich ausreichend zu kapitalisieren. Hier werden wir auch mit dem Aufsichtsrat sprechen müssen, welche Möglichkeiten es gibt, gewisse Lasten über mehrere Jahre zu verteilen.

…Herausforderungen abseits der Coronapandemie: Ich möchte nicht verhehlen, dass neben der finanziellen Belastung – pro 10.000 fehlenden Zuschauern sind circa zehn bis zwölf Millionen Euro Verlust einzukalkulieren – auch ligaseitig Herausforderungen auf uns zukommen. Das beginnt bei dem Niveau der Zentralerlöse in der Liga. Wir haben jetzt einen Fernsehvertrag, der signifikant weniger Geld ausschüttet als in der Vergangenheit. Wir haben international zurückgehende Erlöse. Wir werden uns im Fußball auch in der kommenden Saison mit dem Thema der wirtschaftlichen Stabilität viel stärker befassen müssen als mit der Expansion. Überspitzt formuliert: Weniger Asien und wieder mehr Wetterau. Dahingehend spielen auch die Fußballschule und Traditionsmannschaft eine wichtige Rolle.

Die Rückkehr der Zuschauer ist das eine, der Weg der Eintracht zu den Menschen wird die andere große Herausforderung sein, die wir bewältigen müssen.

Axel Hellmann, Vorstandssprecher Eintracht Frankfurt

…die Nähe der Eintracht zu ihren Fans: Wir haben anhand der medialen Reichweite gemerkt, dass die Teilhabe an Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison hinsichtlich digitaler Reichweite oder auch Beliebtheitswerten so hoch wie nie war. Das sind alles Fingerzeige dafür, dass die Attraktivität der Eintracht auch in der kommenden Saison hoch sein wird. Wir müssen aber auch die Greifbarkeit der Eintracht nach anderthalb Jahren Abwesenheit in den Mittelpunkt rücken. Die Rückkehr der Zuschauer ist das eine, der Weg der Eintracht zu den Menschen wird die andere große Herausforderung sein, die wir bewältigen müssen. Wir werden uns auch um die aktive Fanszene wieder intensiver bemühen müssen. Es gibt eine Haltung unserer Gruppierungen, dass sie erst zurückkommen, wenn auch alle wieder ins Stadion dürfen. Ich verstehe diese Grundhaltung. Es ist aber auch wichtig zu verstehen, dass wir sehr stark von der Emotion und den Menschen leben, um unsere Eintracht am Leben zu erhalten. Deshalb wird es hier viele Gespräche geben, um deutlich zu machen, dass es uns wichtig ist, dass wir auch wieder den Support erhalten, den wir vor der Pandemie hatten.

…Vorfreude auf die Bundesligasaison: Die Begeisterung, dass es endlich wieder losgeht, ist zu spüren, zu lesen und die bekomme ich auch von überall gemeldet. Es gibt Indikatoren wie Umfragen, Reichweiten und Merchandising-Umsätze, wodurch man ein gutes Gespür dafür bekommt, dass der Hunger und Appetit auf die neue Saison groß ist. Das gibt mir neben all den Unwägbarkeiten die Hoffnung, dass wir eine gute und spannende Saison erleben.

Markus Krösche über...

...den Bundesligastart: Wir freuen uns auf die neue Saison mit einem super Auftakt direkt in Dortmund. Ich glaube, dass die Jungs sehr gut vorbereitet sind. Wir sind im Großen und Ganzen zufrieden, auch wenn das Pokalaus natürlich ein Rückschlag war.

...die Reaktion auf das Pokalaus: Nach dem Wochenende haben wir die Dinge aufgearbeitet, die wir besser machen können und müssen. Der Blick geht auf Dortmund, die Jungs geben Gas, um vorbereitet zu sein. Uns erwartet ein anspruchsvoller Gegner.

Zum einen möchten wir sportlich für Furore sorgen, zum anderen helfen uns die Einnahmen.

Markus Krösche, Sportvorstand Eintracht Frankfurt

...die UEFA Europa League: Grundsätzlich ist es so, dass wir in der Europa League die Gruppenphase überstehen möchten. Das ist ein großes Ziel. Zum einen möchten wir sportlich für Furore sorgen, zum anderen helfen uns die Einnahmen. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich das Thema Auslosung verfolge, aber es nicht so relevant ist, weil wir nicht beeinflussen können, wem wir zugelost werden. Es kommt darauf an, die Gegner anzunehmen.

...die Transferstrategie von Eintracht Frankfurt: Wir möchten künftig Spieler verpflichten, die Potential haben, die wir weiterentwickeln, mit denen wir unsere Ziele erreichen und mit denen wir Transfererlöse erzielen können. Entscheidend ist, den Kader darauf auszurichten, regelmäßig Transfererlöse zu erzielen, um schwierige Situationen wie die aktuelle meistern zu können. Der Sport hat die Verantwortung, nachhaltig einen entsprechenden Kader zusammenzustellen. Erlöse gehören zur Budgetplanung eines Klubs dazu, was nicht außergewöhnlich und auch bei Eintracht Frankfurt der Fall ist.

Wir sind mit unserem Kader zufrieden und vertrauen jedem einzelnen Spieler.

Markus Krösche, Sportvorstand Eintracht Frankfurt

...das Thema Nachwuchsförderung: Wir möchten Spieler über den eigenen Nachwuchs entwickeln, was aber nicht so einfach ist, weil der sportliche Anspruch bei Eintracht Frankfurt sehr hoch ist. Wenn uns das gelingt, ist es auch finanziell ein Vorteil, weil wir kein Geld für diese Spieler ausgeben müssen und die Spieler darüber hinaus für eine hohe Identifikationskraft sorgen.

...Sommerneuzugang Fabio Blanco Gómez: Fabio Blanco hat sich super entwickelt. Wir müssen jungen Spielern aber Zeit geben und können nicht erwarten, dass sie sofort für die Startelf infrage kommen. Er ist auf einem sehr guten Weg, wir führen ihn nach und nach heran. Er ist frech, als Herausforderer muss man sich etwas zutrauen – das tut er. Das gefällt mir!

...die Kaderstärke: Wir sind mit unserem Kader zufrieden und vertrauen jedem einzelnen Spieler. Gewisse Dinge brauchen Zeit, nicht nur die Integration der Neuen, sondern auch unser neues Trainerteam und deren Inhalte betreffend. Das ist normal. Wir haben unserem Kader Geschwindigkeit hinzugefügt. André Silvas 28 Tore sind eine Hausnummer und nicht leicht zu ersetzen. Das müssen wir im Kollektiv auffangen.