02.05.2021
Historie

„Wenn wir gewinnen, kann Holz weg“

Trainer Lothar Buchmann, Ronny Borchers und Norbert Nachtweih über das Trainingslager, Bernd Hölzenbein, den Spielort und weitere Gründe für den DFB-Pokalsieg 1981.

2. Mai 1981, Stuttgart, Neckarstadion. Die Eintracht holt zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Trainer Lothar Buchmann reißt beim Schlusspfiff die Arme in die Höhe und rennt auf das Spielfeld, es der erste große Titel für den damals 44-Jährigen nach Aufstiegen mit Bürstadt und Darmstadt. Ronny Borchers und Norbert Nachtweih, beide damals 23, hatten ein Jahr zuvor mit der Eintracht auch den UEFA-Pokal gewonnen. Zwei Titel in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten – das sollte der Eintracht bis heute nicht mehr gelingen. Der Trainer und zwei seiner Schützlinge sprechen auf eintracht.de über die entscheidenden Momente in der DFB-Pokalsaison 1980/81.

Bernd Hölzenbein hatte wenige Wochen vor dem DFB-Pokalfinale den Wunsch geäußert, noch vor Saisonende in die USA zu wechseln. Nach dem Endspiel waren noch fünf Ligaspiele angesetzt.

Lothar Buchmann: Ich sagte zu Holz, dass ich es nicht entscheiden, sondern nur befürworten kann. Ich habe dann mit dem Präsidenten Achaz von Thümen gesprochen. Er sagte: Wenn wir gewinnen, kann er weg. Ich sicherte Holz zu, dass er im Pokalfinale als Spitze spielen darf. Da wollte er sowieso lieber spielen, ich stellte aber meistens nur Cha vorne rein.

Durch eine Länderspielpause direkt vor dem Pokalfinale hatte die Eintracht am Wochenende zuvor spielfrei. Buchmann entschied, ein Trainingslager im Taunus in der Erbismühle zu beziehen.

Ronny Borchers: Lothar hat richtig Gas gegeben. So hat er es geschafft, uns auf den Punkt fit zu kriegen. Wir haben aber erstmal alle gesagt: Der hat doch einen Knall! Weil wir das in der Form einfach nicht kannten. Wir haben Gas geben müssen und haben alle gemeckert.

Buchmann: Ich wollte, dass wir hoch- und wieder runterfahren. Wir haben überzogen. Die Spieler waren sauer. Aber ich hatte den Kapitän auf meiner Seite, wegen des Deals um seinen Abgang. Holz musste seine Teamkollegen beruhigen.

Der DFB-Pokalsieg 1981 verbindet Norbert Nachtweih und Lothar Buchmann (v. l.) auch 40 Jahre später.

Norbert Nachtweih: Wir haben Berganläufe gemacht, ich erinnere mich noch gut daran. Dadurch sind wir in Form gekommen. Im Nachhinein betrachtet war das gut für uns. Wir haben sehr gut trainiert, waren unter uns und konnten etwas Ruhe reinbringen.

Vielleicht war das Trainingslager der Schlüssel zum Sieg. Der FCK war jedenfalls aufgrund der besseren Tabellenposition der Favorit, in der Liga hatten die Pfälzer das Heimspiel gegen die Eintracht wenige Wochen zuvor 2:0 gewonnen.

Nachtweih: Auf dem Betze kannst du verlieren. Wir waren einfach nicht konstant genug in dieser Saison, um ganz oben anzugreifen. Wir haben gegen starke Teams in der einen Woche gewonnen und dann gegen ein Kellerkind im nächsten Spiel verloren. Wir waren nicht ohne Grund die Diva vom Main. Dennoch hatten wir eine top Mannschaft.

Zehn Spieler standen in der Startelf, die auch beim UEFA-Pokalsieg gegen Gladbach im Rückspiel ein Jahr zuvor von Beginn an aufgelaufen waren. 

Buchmann: Ich hatte viele Führungsspieler in der Mannschaft. Norbert links ist gerannt, Ronny ist gerannt, die waren jünger. Die Älteren haben kommandiert. Bruno Pezzey und Karl-Heinz Körbel hinten konnten das Spiel lesen, Bruno war dazu noch torgefährlich und hat uns erst ins Halbfinale gebracht durch sein Siegtor gegen Stuttgart. Willi Neuberger wusste, was zu spielen ist. Werner Lorant hat es auf seine Art gemacht, beinhart.

Nachtweih: Die Mischung aus Jung und Alt hat gestimmt. Michael Sziedat war noch dabei, Spitzname „die Wade“. Da haben kaum Strümpfe drüber gepasst. Mein Kumpel Jürgen Pahl stand im Tor.

Für Lothar Buchmann gab es übrigens einen ganz speziellen Grund, weswegen er sich gar keine Gedanken darüber gemacht hatte, wer als Sieger das Stuttgarter Neckarstadion verlassen würde.

Lothar Buchmann im Gespräch mit EintrachtTV im Eintracht Frankfurt Museum.

Buchmann: Ein paar Wochen vorher kam Manager Udo Klug zu mir und sagte, dass der DFB angerufen habe. Sie wollten wissen, ob wir in Stuttgart oder Köln spielen möchten. Wir könnten entscheiden, dem FCK sei es egal. Da sagte ich: Der liebe Gott will mich doch nicht bestrafen. Erst lässt er mich ins Finale kommen. Und dann darf ich noch in Stuttgart spielen, wo ich bis vor einem Jahr Trainer gewesen bin. Da wusste ich, dass wir nicht verlieren können, wenn wir Stuttgart wählen.

Gespielt werden musste natürlich trotzdem. 71.000 Zuschauer waren ins Neckarstadion gekommen.

Borchers: Wir waren richtig fit nach dem Trainingslager, das war der Wahnsinn. Wir waren von der ersten Minute an da. Ich habe gegen Friedhelm Funkel gespielt, er hatte keinen Spaß gegen mich.

Nachtweih: Ich war am Tag vorher ziemlich nervös, war richtig angespannt. Aber spätestens nach dem 1:0 für uns hat sich das gelegt.

Buchmann: Wir sind gelaufen wie die Hirsche. Die Sache mit dem Trainingslager war natürlich ein Risiko, aber es hat sich ausgezahlt. Kaiserslautern hatte eine Bombenbesetzung. Es war ein Kraftakt, aber dem FCK ist die Luft ausgegangen. Wir haben Raumdeckung gespielt, die sind uns nur hinterhergelaufen.

Ronny Borchers (3. v. l.) bejubelt seinen Treffer in der 40. Minute zum 2:0-Pausenstand.

Borchers: Als das Spiel entschieden war, haben wir alle versucht, Hölzenbein öfter anzuspielen, damit er auch noch ein Tor schießen kann in seinem letzten Spiel für die Eintracht. Das hat zwar nicht geklappt, war aber im Nachhinein auch nicht ganz so wichtig.

Nachtweih: Wir haben Kaiserslautern beherrscht. Und das gegen eine physisch starke Mannschaft, die über viele große Spieler verfügt. Das Lauterer Tor zum 3:1 war ein Geschenk, damit sie sich nicht zu sehr zerfleischen. Sie waren richtig sauer.

Über die Feierlichkeiten danach gehen die Erinnerungen etwas auseinander. Aufgrund der noch folgenden Ligaspiele sei es nicht so heftig sei es gewesen, meinen die einen. Natürlich sei gefeiert worden, meinen andere. Fakt ist, dass die Eintracht danach in der Liga kein Spiel mehr gewann, drei Führungen verspielte und in München bei den Bayern in einer Halbzeit sieben Gegentore kassierte. Platz fünf wurde es am Saisonende dennoch. Dieser Rang hätte auch für die UEFA-Cup-Qualifikation gereicht – aber die Adlerträger waren durch den Pokalsieg schon für den Europapokal der Pokalsieger gesetzt.

Buchmann: Nach dem Pokalsieg war ich erleichtert. Wir hatten schwere Spiele, haben auch den Meisterschaftsdritten Stuttgart vorher geschlagen. Mit etwas mehr Glück hätte ich mit Stuttgart auch einen großen Titel gewinnen können. So ist das für mich der größte Erfolg als Trainer.

Nachtweih: Solch ein Titel ist für einen Fußballer immer ein Highlight. Für einen Verein, der nicht FC Bayern München heißt, sind zwei Titel innerhalb eines Jahres Riesenerfolge. Klar habe ich mit Bayern später Titel geholt, aber diese Triumphe mit der Eintracht waren außergewöhnlich.

Borchers: Das war definitiv einer der schönsten Momente meiner Karriere!

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