Reimann war von 2002 bis 2004 Cheftrainer, hat die Mannschaft in 71 Pflichtspielen betreut. In Frankfurt wird er in erster Linie als „Container-Willi“ erinnert. Das ist verständlich, denn die Bilder eines Fußballlehrers, der die Spiele seiner Mannschaft aus einem Baucontainer heraus verfolgt, sind um die Fußballwelt gegangen. Doch Will Reimann war in Frankfurt viel mehr. Er hat mit einer neu zusammengewürfelten Mannschaft 2003 den Aufstieg geschafft und konnte ein Jahr darauf das spielerisch eher minderbemittelte Team nicht vor dem Abstieg retten.
Brötchen und Bier
Die Eintracht war in jenen Jahren für jeden Trainer eine Herausforderung. Reimann hat sie 2002 angenommen. Der ehemalige Stürmerstar des Hamburger SV hatte seinen Vertrag schon unterschrieben, obwohl er nicht wusste, ob er sein Amt jemals antreten würde. Denn die Eintracht erhielt nach schier endlosen juristischen Auseinandersetzungen die Lizenz für die zweite Liga erst am 17. Juli. Weniger als einen Monat später stand das erste Punktspiel auf dem Programm, zuhause gegen den FC St. Pauli, ausgerechnet jenem Klub, bei dem Reimann zuletzt gearbeitet hatte. „Man wird sich daran gewöhnen müssen, kleinere Brötchen zu backen“, hatte Reimann gesagt und eines jener Brötchen, das den Journalisten zu jener Zeit kredenzt wurde, hochgehalten, „so wie das hier.“Doch am Ende der Saison stand der Aufstieg. Und Willi Reimann stand im Bier. Alexander Schur hatte es ihm nach dem letzten Spieltag der Saison am 25. Mai 2003 vor lauter Freude über den Kopf geschüttet. Es war die Aufstiegsdusche. Die Eintracht hatte es mit einem 6:3 am letzten Spieltag gegen den SSV Reutlingen geschafft, in die Erstklassigkeit zurückzukehren. Sozusagen auferstanden aus Ruinen. Mainz war am Ende ein einziges Tor schlechter. Es war auch ein persönlicher Triumph des Trainers, denn die Mannschaft war auf dem Papier eigentlich nicht gut genug, um aufzusteigen. Jean Clotaire Tsoumou-Madza, Henning Bürger, Markus Beierle, Dino Toppmöller, Pawel Kryszalowicz, Bakary Diakite, dazu Frankfurter „Helden“ wie Oka Nikolov, Uwe Bindewald und Alexander Schur. Mit dieser Truppe den Aufstieg zu schaffen, war eine Sensation. Es war auch und zuvorderst Reimanns Verdienst.Einzug in den Container, Rückzug auf Sylt
Ein Jahr darauf war alles anders, als Reimann zum „Container-Willi“ wurde. Beim 0:2 am 20. März 2004 in Dortmund hatte sich der Eintracht-Coach über eine gelb-rote Karte für Henning Bürger so aufgeregt, dass er im Sprint Richtung Linienrichter unterwegs war und der vierte Offizielle Thorsten Schriever sich ihm in den Weg stellte, was ihm auf der nachfolgenden Pressekonferenz Reimanns Bezeichung als „Rambo“ einbrachte. Willi Reimann schubste und stieß Schriever, er konnte sich gar nicht beruhigen. Schiedsrichter Albrecht eilte an den Rand und schickte den noch immer tobenden Reimann auf die Tribüne. Der DFB urteilte hart: Fünf Spiele Sperre. Beim nächsten Heimspiel gegen 1860 München setzte sich Reimann, da er ja nicht auf die Bank durfte, in einen Container, der einsam auf der Baustelle im Stadion stand. Der Name „Container-Willi“ war geboren.Willi Reimanns Zeit in Frankfurt ging am 22. Mai 2004 in Hamburg zu Ende. Die Eintracht verlor am letzten Spieltag mit 1:2 beim HSV. Der Abstieg war besiegelt. Willi Reimann zog sich auf seine Lieblingsinsel Sylt zurück. Ein paar Tage später wurde er entlassen. Er hat später noch einmal bei al-Shaab in den Vereinigten Arabischen Emiraten trainiert und nach einem Abstecher zu Eintracht Braunschweig ist seine Trainerkarriere 2007 zu Ende gegangen.