10.04.2021
Bundesliga

„Wir mussten an unsere Grenzen gehen“

Erschöpft, doch überglücklich zeigen sich die Adlerträger nach dem laut Hütter „Husarenritt“ gegen Wolfsburg. Die Stimmen zum Spiel.

Sportvorstand Fredi Bobic: Wir waren sicherlich etwas effizienter als der VfL Wolfsburg, insgesamt war es ein Spiel mit einer unfassbaren Intensität über 90 Minuten. Schon nach 25 Minuten habe ich gedacht, dass beide Mannschaften bei diesem Tempo irgendwann umfallen müssen. Hier möchte ich explizit beide Teams hervorheben. Was die Spieler auf dem Platz geleistet haben, war sensationell. Das Spiel hätte auch 5:5, 5:6 oder 6:3 ausgehen können. Bei dieser Fülle der Torchancen wären viele Ergebnisse möglich gewesen. Die Mannschaften haben einen begeisternden Fußball gezeigt und ich mag mir nicht ausmalen, was hier los gewesen wäre, wenn das Stadion voll gewesen wäre. Das war Werbung für den Fußball. Dass wir am Ende als Sieger dastehen, macht uns natürlich glücklich. Man darf nicht vergessen, dass Wolfsburg in der gesamten Rückrunde erst drei Gegentreffer hat hinnehmen müssen. Das zeigt auch unsere offensive Qualität. Wir haben immer gesagt, dass Luka Jovic uns hinten raus richtig helfen wird. Er hat die Herausforderung komplett angenommen, extrem hart an sich gearbeitet. Nun kommt mit der nötigen Fitness auch die Lockerheit in sein Spiel. Gegen Dortmund war das schon sehr gut und heute hat er sich mit einem typischen Luka-Jovic-Tor und einer top Leistung belohnt. Aber auch jeder einzelne Mitspieler hat einen überragenden Job gemacht, es war wieder eine tolle Leistung der gesamten Mannschaft.

Cheftrainer Adi Hütter: Es war ein absolutes Topspiel, Spektakel pur! Die Leistungen beider Teams waren hervorragend. Beide stehen nicht umsonst dort, wo sie stehen. Insgesamt sieben Tore wären für mich nicht vorstellbar gewesen, weil Wolfsburg zuvor in elf Spielen drei Gegentreffer zugelassen hat. Doch diesmal hätte es auch 5:5, 5:3 oder 5:6 ausgehen können. Es ist schön, am Ende des Tages als Sieger im eigenen Stadion vom Platz zu gehen. Das Spiel hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt. Ich glaube, die Jungs sind platt, weil sie viel investiert haben. Wir mussten an unsere Grenzen gehen und das Spiel in dieser Form annehmen. Es freut mich, dass wir diesen Husarenritt für uns entscheiden konnten, zumal wir zuvor gegen Wolfsburg viermal verloren hatten. Es war ein kampfbetontes Spiel, in dem es um viel ging, beide Mannschaften sind physisch in guter Verfassung. Doch auch spielerisch war es gut. Daichi Kamada war für mich der beste Mann auf dem Platz, nicht nur wegen seines Tores. Er hat das 3:2 mit seiner Balleroberung eingeleitet. Ich bin mit seiner Leistung, mit und ohne Ball, sowie seiner Laufbereitschaft 100-prozentig zufrieden. Ebenso freut es mich für Luka Jovic, dass er nach seiner Durststrecke getroffen hat – wie man ihn kennt: ansatzlos. Wenn er die Bälle bekommt, macht er sie rein. Erik Durms Treffer zum 4:2 war sehr wichtig und ein Schlüssel zum Sieg. Er hat über die rechte Seite sehr viel Dampf gemacht, die Leistung hat mir gefallen. Die Fans vor dem Stadion waren nicht zu überhören. Ich habe gehört, alle waren mit Maske unterwegs, das ist das Wichtigste. Die Unterstützung hat mich wahnsinnig gefreut und hat den Jungs einen zusätzlichen Schub gegeben.

Man sieht, dass jeder in der Mannschaft heiß ist, diese Leistung kommt nicht von ungefähr.

Sebastian Rode

Sebastian Rode: Es spricht für uns, dass wir gegen eine solche Mannschaft so viele Chancen und Tore herausgespielt haben. Nach dem 0:1 sind wir schnell zurückgekommen, was unglaublich wichtig war. Wir sind froh, in einem absoluten Spitzenspiel wieder drei Punkte geholt zu haben. Wir sind in einem Flow und konzentrieren uns nur auf das, was wir auch selbst beeinflussen könne: Im Training und im Spiel Gas zu geben. Man sieht, dass jeder in der Mannschaft heiß ist, diese Leistung kommt nicht von ungefähr. Dass wir Nackenschläge wie das 2:2 kurz nach der Pause wegstecken, zeichnet uns schon die gesamte Saison aus. Den Ausgleich schenken wir quasi her, wir haben aber schnell zu unserer Linie zurückgefunden und Großchancen kreiert, die die Jungs vorne genutzt haben. Daher kann man insgesamt von einem verdienten Sieg sprechen.

Erik Durm: Ausschlaggebend für den Sieg war, dass wir das Spiel und den Kampf von der ersten Sekunde an angenommen haben. Wir wussten, dass Wolfsburg eine der physisch stärksten Mannschaften in der Liga ist mit extrem harten Zweikämpfen, gutem taktischen Spiel und der besten Defensive der Liga. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem es so oft auf und ab ging. Wir haben mit vier Toren eindrucksvoll bewiesen, dass wir sehr gut drauf sind und hätten vielleicht sogar noch ein oder zwei Tore mehr machen können. Für den neutralen Zuschauer war es sicherlich ein extrem interessantes Spiel. Wir möchten den Schwung mit in die nächsten Partien nehmen. Wir zeigen immer wieder, dass der Fokus nach vorne ausgerichtet ist und wir nie den Kopf in den Sand stecken. Schon gegen Union Berlin sind wir nach einem 1:2 zurückgekommen, das zeigt die Mentalität eines jeden Einzelnen in unserem Team. Über meinen eigenen Treffer habe ich mich natürlich gefreut, alles andere wäre gelogen. Viel wichtiger ist aber der Sieg, für den hätte ich auch auf mein Tor verzichtet.

Es war ein tolles Spiel für die Fans und wäre ein noch größeres Highlight gewesen, wenn das Stadion voll gewesen wäre.

Oliver Glasner, Trainer VfL Wolfsburg

Oliver Glasner (Trainer VfL Wolfsburg): Unmittelbar nach dem Spiel bin ich über die Niederlage enttäuscht, weil sie nicht hätte sein müssen. Wir haben nach vorne vieles richtig gemacht. Wenn man drei Tore schießt, geht man normalerweise als Sieger vom Platz. Aber wir haben zu viele Fehler gemacht, es ist alles zusammengekommen. Frankfurt war sehr effizient und hat jede Chance verwertet. Das zeigt auch das Torschussverhältnis von 8:20 und spricht für ihre Qualität in der Offensive. Fußball ist nicht berechenbar, deswegen lieben wir ihn. Doch die Leistung stimmt mich zuversichtlich, dass uns das nicht umwerfen wird. Wir werden uns schütteln und ab nächster Woche auf die restlichen Spiele vorbereiten. Es war ein tolles Spiel für die Fans und wäre ein noch größeres Highlight gewesen, wenn das Stadion voll gewesen wäre. Auch wenn ich mich nach der Niederlage nicht wirklich für ihn freuen kann, macht Adi Hütter einen großartigen Job. Man erkennt seine Handschrift daran, wie schnell seine Mannschaft nach vorne spielt. Wenn ich es mir wünschen dürfte, dann, dass wir beiden österreichischen Trainer in die Champions League einziehen. Wer nach 34 Spieltagen auf diesen Plätzen steht, hat am Ende verdient, den deutschen Fußball in der Champions League zu vertreten. Das bekommst du nicht geschenkt, wie man heute gesehen hat. Die Teams, die oben stehen, haben sich das hart erarbeitet. Frankfurt und wir hätten es sich verdient.

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