05.11.2021
Europapokal

Ziel erreicht, Pflicht in Sicht

Der Einzug in die K.-o.-Phase ist das eine, die Art und Weise das andere. Erkenntnisse, Kuriositäten, Jubiläen und Hoffnungen rund um den Sieg in Piräus.

Einordnung des Spiels: Gegen alle Widerstände

Gesungen hat nach dem Schlusspfiff nur die eine Kurve. Während auf drei von vier Tribünen dem rot-weißen Fahnenmeer Plastiksitze oder Steinstufen wichen, skandierten die 1200 mitgereisten Eintracht-Anhänger immer wieder lautstark von „Im Herzen von Europa“ über „Eintracht Frankfurt International“ bis hin zu „Europas beste Mannschaft“. Alles war dabei. Dass sich die Lizenzspieler von letzterem Titel sicher nicht blenden lassen, bekräftigten sie hinterher alle, als sich in die Analysen Lob und Selbstkritik wohltuend die Waage hielten. In jedem Fall gab es an Oliver Glasners und weiteren getätigten Feststellung nichts zu rütteln: Eintracht Frankfurt steht in der K.-o.-Phase der UEFA Europa League.

Und das mit fünf Umstellungen, von denen drei Ausfällen geschuldet war. Doch wie Timothy Chandler, der kurzfristig den erkrankten Erik Durm vertrat, aufzeigte: „Auch wenn Kostic gefehlt hat, ist Fußball immer noch ein Mannschaftssport. Zusammenhalten ist das Wichtigste. Das ist alles, was auf dem Platz zählt. Das sieht man auch daran, dass zwei Spieler, die von der Bank kommen, am entscheidenden Tor beteiligt sind.“ Angesprochen auf die sich mittlerweile häufenden Entscheidungen in den Schlussminuten antwortete der Außenverteidiger schmunzelnd: „Wir machen es gerne spannend“, um dann ernst zu betonen: „Das zeigt den Spirit, dass wir bis zur letzten Minute daran glauben, gewinnen zu können. Es hat sich wieder gezeigt, dass es im Team stimmt.“

Die Frage des Spiels

In gelockerter Atmosphäre durfte eine Frage schließlich nicht unbeantwortet bleiben – ob Glasner für seinen emotionalen Volleyschuss ins Publikum und die Gelbe Karte in die Mannschaftskasse einzahlen müsse. „Das werden wir noch besprechen...“, antworte Chandler spitzbübisch. Der kurz darauf selbst auf die Szene angesprochene Coach nahm seinem Führungsspieler die Entscheidung umgehend ab: „Ich weiß nicht, ob ich etwas in die Kasse zahlen muss, werde es aber auf jeden Fall tun.“ Im gleichen Atemzug erklärte der Österreicher: „Ich habe mitgefiebert, auch wenn die Aktion natürlich überzogen war – und optimal getroffen habe ich den Ball auch nicht.“

Opfer des Spiels: Ball gewonnen, Schuh verloren

Ohnehin wisse er nicht, ob es möglicherweise Einfluss auf sein Team gehabt habe. Nicht von der Hand zu weisen war wiederum, wie Glasner insbesondere in der Schlussphase jede Szene mitging, scheinbar am liebsten selbst mitgekickt hätte, und gefühlt, jeden Pass und jede Positionierung im Sekundentakt dirigierte.

Evan Ndicka hat seinen Schuh nach Spielende wieder gefunden.

Das war für den Fußballlehrer im Nachgang zwar kein Thema. Wohl aber, dass es ihm gefallen habe, wie die Absicherungsmechanismen bei hohem Pressing immer griffiger funktionierten. Als beste Beispiele betrachtete er „die Entstehung unserer Tore: Hohe Ballgewinne und konsequentes Nachrückverhalten“. Wie von Evan Ndicka, der bei der entscheidenden Eroberung gar seinen Schuh verlor, dennoch mitmarschierte und weniger Augenblicke später den Siegtreffer bejubeln durfte.

Zahl des Spiels: Kamada macht die 100 voll

Aymen Barkok herzt Daichi Kamada nach dessen Treffer zum 1:1.

Entsprechend beschloss Glasner seine erste Bestandsaufnahme: „Gewinnen können wir nur als Kollektiv, als Mannschaft.“ Zu dieser zählt mit Daichi Kamada nicht nur der Schütze des wichtigen Ausgleichs, sondern ein seit Donnerstag nun wettbewerbsübergreifend 100-maliger Adlerträger.

So geht’s weiter

Mit Greuther Fürth hat es der Japaner derweil noch nie zu tun bekommen. Am Sonntagabend könnte es soweit sein, wenn die Hessen um 19.30 Uhr am Ronhof gastieren. Allzu intensiv können und werden sich die Adler nicht vorbereiten können. Im Sinne der besten Regeneration hat der Tross den Nachmittag in Griechenland verpasst. Lockeren Übungen folgte ein kurzer Trip an die Küste, um nach dem hitzigen Duell in Piräus buchstäblich wieder einen klaren Kopf zu erhalten. Mit diesem sind Glasner und Co. spätestens seit Freitag wieder bei der kommenden Bundesligaaufgabe. „Ich bin schon wieder im Tunnel“, bekundete er auf der Pressekonferenz im Mannschaftshotel am Morgen. Das erste Saisonziel mag erreicht sein, doch die nationalen Pflichten werden nicht unwichtiger.