Fünfter in der spanischen Liga, am zurückliegenden Donnerstag ins Finale der Copa del Rey eingezogen und noch dazu die historische Chance, zum ersten Mal überhaupt in das Viertelfinale der UEFA Europa League einzuziehen. Die Europapokalpremiere gegen Real Betis Balompié wird für Eintracht Frankfurt zweifelsohne eine richtig harte Nuss. Der 1907 gegründete Traditionsverein aus Andalusien erlebt aktuell eine der erfolgreichsten Zeiten seiner Vereinsgeschichte, daran ändert auch die 1:3-Niederlage gegen Atlético Madrid am Sonntagabend nichts.
Dass das Duell gegen die Verdiblancos kein einfaches wird, hat Markus Krösche nach der Auslosung klargemacht: „Betis ist ein starker Gegner. Wir werden alles dafür tun, in die kommende Runde zu kommen.“ Aufgrund der Terminüberschneidung mit dem Stadtrivalen Sevilla FC, der im selben Wettbewerb am Donnerstag auf den West Ham United FC trifft, werden die Spanier die Eintracht nicht wie üblich am Donnerstag, sondern am Abend zuvor um 18.45 Uhr in Empfang nehmen. Für den Gastgeber ist es das elfte Spiel innerhalb von 34 Tagen.
Namhafter Kader
Die Mannschaft von Manuel Pellegrini, ehemals unter anderem beim Manchester City FC und Real Madrid CF an der Seitenlinie, ist gespickt mit zahlreichen spannenden Kickern, von denen einige einen ähnlichen Karriereverlauf hinter sich haben: über Umwege zum Erfolg. Sergio Canales etwa zog es mit 18 Jahren zu Real Madrid. Bei den Königlichen hofften sie damals auf den großen Durchbruch des Spaniers, der allerdings beiden Seiten verwehrt blieb. Über Valencia CF und Real Sociedad de Fútbol fand der heute 31-Jährige 2018 den Weg nach Andalusien. Dort steuerte er in dieser Saison in 35 Spielen 16 Torbeteiligungen bei und gilt als absoluter Leistungsträger. Weitere Beispiele sind Marc Bartra und Cristian Tello, beide ehemals FC Barcelona, Arsenal-Leihgabe Héctor Bellerín oder Mittelfeldmotor William Carvalo, der 2016 mit Portugal Europameister wurde. Ganz zu schweigen von Spielmacher Nabil Fekir, der sich 2018 mit Frankreich zum Weltmeister kürte. Auch der 28-Jährige kommt in dieser Spielzeit bereits auf 16 Torbeteiligungen.
Passsicher und variabel
Im Vergleich zur Eintracht war der Weg für die Grün-Weißen ins Achtelfinale der UEFA Europa League etwas steiniger. In Gruppe G ging es für Betis als Gruppenzweiter hinter Bayer 04 Leverkusen in die Play-offs. Dort schalteten sie den FC Zenit mit 3:2 und 0:0 aus. Im laufenden Wettbewerb stehen vier Siege, zwei Remis und zwei Niederlagen zu Buche. Auffällig in den Begegnungen: Sowohl vor dem gegnerischen Gehäuse als auch im eigenen Sechzehner herrschte fast immer Hochbetrieb. 1,88 Tore pro Spiel erzielte Sevilla im Schnitt. Im eigenen Netz zappelte das Leder durchschnittlich 1,75 Mal pro Partie. Zum Vergleich: Die Hessen erzielten in der laufenden Europapokalsaison 1,65 Tore pro Match und kassierten im Schnitt genau einen Treffer. Bei einer Passquote von fast 85 Prozent werden es die Adlerträger mit einem der ballsichersten Teams des Wettbewerbs zu tun bekommen. Dessen ist sich auch Cheftrainer Oliver Glasner bewusst: „Betis ist eine sehr, sehr gute Mannschaft mit sehr guten Fußballern.“ Noch dazu sind die Hausherren vorne unberechenbar. So trafen im laufenden Wettbewerb bisher neun verschiedene Akteure. Das ist Bestwert zusammen mit dem Celtic FC.
Mehr denn je möchte die Eintracht deshalb am Defensivverhalten von Samstag anknüpfe, wie Kevin Trapp nach dem 4:1 in Berlin aufzeigte: „Gegen die Hertha sind wir hinten sehr stabil gestanden, auch bei den zweiten Bällen und haben vorne vier Tore gemacht. An diesen Dingen gilt es weiter zu arbeiten. Wir müssen versuchen, so wenig wie möglich zuzulassen, um dann als Sieger vom Platz zu gehen“, forderte der Torwart. Auch Ansgar Knauff, der in der Hauptstadt sein Tordebüt im Adlerdress erzielte, möchte den Schwung mitnehmen. „Wir müssen das in Selbstvertrauen umwandeln und mit einem gewissen Selbstverständnis nach Sevilla fahren“, erklärte er im Nachgang gegenüber EintrachtTV.
3000 Eintracht-Fans in Sevilla erwartet
Erste Impressionen des Gegners bekamen die Profis von Glasner am Montag zu sehen. „Sie sind Dritter in der Liga und stehen im Pokalfinale. Wir werden uns top vorbereiten, aber wir müssen eine Schippe drauflegen, um von dort mit einem guten Ergebnis zurückzufahren“, so der Coach. 60.000 Zuschauer könnten beim Spiel im Estadio Benito Villamarín dabei sein, darunter rund 3000 Eintracht-Fans. Ähnlich viele waren es übrigens auch am 5. August 2017, als die Eintracht Betis zum Testspiel in Wiesbaden empfing. Frankfurt behielt mit 3:0 die Oberhand, neben Marius Wolf trafen Aymen Barkok und Daichi Kamada, die genau wie die damals eingesetzten Danny da Costa, Makoto Hasebe und Daichi Kamada immer noch in Diensten der SGE stehen.
Bald fünf Jahre später wird die Kulisse gleichwohl eine andere sein. „Als ich gesehen habe, dass in Sevilla die Stadien voll sind, kam riesige Vorfreude auf“, ist das Prickeln schon spürbar bei Glasner, der anfügt: „Der Europapokal hat eine enorme Bedeutung für die Stadt und den Verein.“ Die Ansetzung auf Mittwoch könnte aus Eintracht-Sicht übrigens ein gutes Omen sein. Klublegende und Rekordtorschütze Bernd Hölzenbein feiert am Hinspieltag seinen 76. Geburtstag. Ein SGE-Sieg und die damit ins Auge gefasste gute Ausgangslage fürs Rückspiel wären wohl das schönste Geschenk.
Zum Spiel
Anstoß: Mittwoch, 9. März, 18.45 Uhr, Achtelfinale, UEFA Europa League, 2021/22.
Stadion: Estadio Benito Villamarín, Sevilla.
Hörtipp: EintrachtFM sendet ab 18.35 Uhr live.
TV-Hinweis: RTL+ überträgt live ab 18.20 Uhr.
Die Pressekonferenz vor dem Spiel
Die letzten Informationen vor dem Spiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz am Dienstag, 18.15 Uhr, mit Cheftrainer Oliver Glasner und Rafael Santos Borré. Live zu sehen auf EintrachtTV, mainaqila, YouTube und Facebook.
Abschlusstraining live
Die ersten 15 Minuten des Abschlusstrainings im Deutsche Bank Park laufen am Dienstag ab 11 Uhr live auf Instagram.