Vierter Spieltag in der Ligaphase der UEFA Europa League, zum zweiten Mal traf die Eintracht in der laufenden Saison auf einen Klub aus Tschechien: Nach dem Auftakt gegen die Viktoria aus Pilsen gab diesmal der SK Slavia Praha seine Visitenkarte im Frankfurter Stadion ab.
Götze, Larsson, Uzun und Theate starten
Im Vergleich zum Bundesligakantersieg gegen den VfL Bochum vom vergangenen Wochenende veränderte sich die Startaufstellung der Hessen auf vier Positionen: Arthur Theate – zurück in der ersten Elf nach Gelb-Rot-Sperre in der Liga –, Mario Götze, Hugo Larsson und Can Uzun spielten gegen die Tschechen von Beginn an. Nathaniel Brown ist für die UEL-Ligaphase nicht gemeldet. Jean-Mattéo Bahoya, Ellyes Skhiri und Hugo Ekitiké saßen zunächst auf der Bank.
Der Abend begann mit einer Schweigeminute für die Todesopfer der Flutkatastrophe in Valencia, anschließend pfiff der britische Unparteiische Christopher „Chris“ Kavanagh die Partie an.
Gegen eng am Mann verteidigende Prager versuchte es die Eintracht nicht selten mit flinkem Kurzpassspiel. Nach sieben Minuten der erste gefährliche Vorstoß: Omar Marmoush nahm Tempo auf, wurde im Dribbling nicht angegriffen und zog von der Strafraumgrenze ab, jedoch zu zentral – Slavia-Torsteher Antonin Kinsky wehrte ab zur Ecke. Aus ähnlicher Position versuchte sich wenig später Mo Dahoud, der erst gegen Bochum sein Tordebüt mit dem Adler auf der Brust gefeiert hatte. Can Uzun fing einen Fehlpass von Igoh Ogbu ab und legte rüber zu Dahoud, dessen Abschluss aber knapp über den Querbalken striff (12.).
Die Gäste aus Prag, die in der bisherigen Ligaphase die Ergebnismöglichkeiten mit Sieg (Rasgrad), Remis (Ajax) und Niederlage (Bilbao) bereits einmal durchgespielt hatten, versuchten erwartungsgemäß über die Flügel für Gefahr zu sorgen. Slavia schlug an den ersten drei Spieltagen die zweitmeisten Flanken des 36ers-Klassements – und in den ersten 45 Minuten lag das Flankenverhältnis bei 15:5 pro Slavia. Zweite Bälle nach Hereingaben und Ecken ließen die Fans ab und an leicht aus der Sitzschale gehen, blieben meist aber in der Abwehrkette hängen.
Chancen für Knauff und Marmoush
An der Führung schnupperte vor allem Frankfurt, auch, weil es den Hausherren immer wieder gelang, ihr Tempo auf den Rasen zu bringen. Nach einem schnellen Vorstoß von Nnamdi Collins schoss Marmoush am langen Pfosten vorbei (26.). Nach gut einer halben Stunde nahm Ansgar Knauff nach Einwurf von Theate Speed auf, scheiterte aber aus halblinker Position am stark reagierenden Kinsky – Marmoushs Nachschuss ging drüber (33.).
In den wesentlichen Statistiken wie Schüsse, Expected Goals oder Ballbesitz gestaltete sich Durchgang eins durchaus ausgeglichen, doch strahlten die Adlerträger – auch aufgrund der Qualität ihrer Chancen – etwas mehr Gefahr aus. Beleg: Nicht ein Schuss der Tschechen kam auf das Tor von Kapitän Kevin Trapp. Torlos ging es in die Kabinen.
Marmoush mit feinem Füßchen
Prag, Spitzenreiter in der heimischen Chance Liga, erwies sich als das dicke Brett, das es zu bohren galt – „ein starker Gegner“, wie Sportdirektor Timmo Hardung in der Halbzeitpause im Interview sagte. Durchbrochen wurde der Defensivriegel des Sportovní klub Slavia Praha dann wenige Minuten nach der Pause von einem ganz feinen rechten Fuß aus Ägypten: Marmoush legte sich den Ball zum Freistoß zurecht und zirkelte die Kugel aus 19 Metern unwiderstehlich über die Mauer ins Toreck – unwiderstehlich (52.). Nebenbei: Es war Marmoushs 22. direkte Torbeteiligung in der laufenden Runde (13 Treffer, 9 Vorlagen).
Ein echtes Kunstwerk erwies sich als der passende Bohrer. Slavia Praha blieb seiner robusteren, bissigen Linie treu und ging auch fortan gezielt auf zweite Bälle nach hohen Bällen in Frankfurts Strafraum – die Lufthoheit beanspruchte aber die Defensivkette um Robin Koch und Tuta für sich.
So klang das 1:0 im Klubradio EintrachtFM
Hochgeschwindigkeit indes auf der Gegenseite: Marmoush wurde auf die Reise geschickt, doch kurz vor seinem Abschluss zum möglichen 2:0 ging Obgu in letzter Sekunde dazwischen. Wenig später hatte Frankfurts Nummer sieben Feierabend, für ihn kam positionsgetreu Ekitiké. Auch Igor Matanovic für Uzun sowie Junior Dina Ebimbe für Knauff kamen vor 57.350 Zuschauern ins Spiel. Frische Beine für die Schlussphase, der nächste Doppelwechsel folgte etwa zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit: Ellyes Skhiri ersetzte Dahoud, Aurèle Amenda verteidigte fortan anstelle von Theate.
Zu verteidigen galt es kurz darauf, als einer der angesprochenen zweiten Bälle vor den Füßen von Ondrej Lingr landete, dieser allerdings direkt auf Trapp zielte – Frankfurts Nummer eins hielt den wuchtigen Abschluss fest (82.). Und die Gäste ließen nicht locker: 10:1 Torschüsse in Hälfte zwei, 3:1 davon auf das Tor – beide Werte zugunsten der Gäste. Der Unterschied lag jedoch bisweilen in der Präzision – oder aber bei Kevin Trapp, der nach Prags bestem Angriff kurz vor Schluss bärenstark gegen Matej Jurasek parierte (89.) und damit den Sieg festhielt. Dina Ebimbe und Ekitiké hatten in der Nachspielzeit noch das 2:0 auf dem Fuß, verpassten aber einen weiteren Treffer.