13.10.2021
Bundesliga

Bestätigung gefragt

Frankfurt ist mit einem Sahnestück in den Monat gestartet. Nach der eigentlichen Kür möchte die Eintracht pflichtbewusst den Oktober vergolden. Angefangen am Samstag gegen Hertha BSC.

So schnell kann sich der Wind drehen. Noch zu Beginn der Woche vor dieser Länderspielpause hatte Eintracht Frankfurt auf einen Start mit zwei Niederlagen und sechs Unentschieden – also acht sieglosen Spielen – geblickt. Nach dem Last-Minute-1:0 in Antwerpen und dem 2:1-Coup beim FC Bayern hat sich die Wahrnehmung plötzlich in acht ungeschlagene Begegnungen umgekehrt. Doch Oliver Glasner machte bereits unmittelbar nach seinem ersten Bundesligasieg als Eintracht-Cheftrainer deutlich: „Fußball ist manchmal verrückt. Innerhalb einer Woche kann es von ganz unten nach ganz oben gehen. Aber ich bin zum Glück nicht erst seit gestern dabei und kann das ganz gut einordnen. Wichtig ist, dass wir nicht 14 Tage die Hände oben haben und dann gegen Hertha BSC das böse Erwachen kommt.“ Am Samstagnachmittag möchten die Adler dieses Ansinnen in die Tat umsetzen, wenn die Hauptstädter im Deutsche Bank Park gastieren.

Eintracht-Cheftrainer Oliver Glasner strebt mit seinen Spielern den ersten Heimsieg an.

Dabei kann der Österreicher zweifelsfrei auf die Einstellung seiner Spieler vertrauen. „Wir dürfen feiern, aber in zwei Wochen nach der Länderspielpause ist das nächste Spiel. Wenn wir dann nicht die Dinge auf den Platz bringen, die uns stark machen, ist dieser Sieg nicht mehr so viel wert“, betonte etwa Matchwinner Kevin Trapp. Oder Almamy Toure, der aufzeigte: „Die Freude nach dem Sieg war natürlich groß, immerhin haben wir beim FC Bayern gewonnen. Insofern haben wir das in der Kabine gebührend zelebriert. Trotzdem war es aber nur ein Spiel, wofür es auch nicht mehr als drei Punkte gibt.“

Wieder fit und zuletzt fester Bestandteil der Defensive: Almamy Toure.

Toure gilt als einer der vergangenen Lichtblicke, wenn es um die Personalsituation geht. Länger außer Gefecht und behutsam aufgebaut, stand der Verteidiger bei den besagten Siegen zweimal in Folge in der Startelf. In der vergangenen Woche kehrte zudem Sebastian Rode ins Mannschaftstraining zurück. Auch Erik Durm, Makoto Hasebe und Evan Ndicka sind wieder mittendrin im Geschehen.

Insofern kam nicht nur Glasner die Länderspielpause in Teilaspekten gelegen, wie er am vorvergangenen Sonntag erklärte: „Die Jungs sind am Anschlag. In dieser Abwehr haben wir zuvor kein einziges Training absolviert. Makoto ist kurzfristig ausgefallen, Tuta hat es super gemacht, hatte am Ende aber Krämpfe. Und Stefan Ilsanker hat wochenlang kaum gespielt. Zudem spielt Martin Hinteregger seit Wochen mit zwei gerissenen Bändern in der Schulter. Auf der anderen Seite werden die 13 Nationalspieler wenig Pause haben und nicht ganz frisch zurückkommen.“

Der Prinz kehrt zurück

Zurück kehrt derweil Kevin-Prince Boateng erstmals an seine alte Wirkungsstätte. Nach dem DFB-Pokalsieg 2018 war der mittlerweile 34-Jährige weitergezogen zum US Sassuolo, hatte zwischendurch beim FC Barcelona die spanische Meisterschaft gefeiert und war zur laufenden Saison Fredi Bobic an die Spree gefolgt, der nach fünf erfolgreichen Jahren als Sportvorstand der Eintracht in seiner Wahlheimat angeheuert hat. „Ja, ich freue mich drauf", sagte Boateng bereits am Dienstagnachmittag nach dem Training im Rahmen einer Medienrunde und schloss an: „Ich hoffe, ich werde gut empfangen.“ Für die Hertha komme es darauf an, mit breiter Brust an den Main zu fahren, so der Allrounder. „Man muss sich darauf einstellen, dass es Kontakt geben wird, dass es weh tun wird. Das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen“, machte Boateng deutlich.

Seit dieser Saison zurück in seiner Heimatstadt: Kevin-Prince Boateng.

Gleiches gelte auch für die Eintracht, erklärt sein Ex-Kollege Chandler: „Die Hertha hat ein Team mit viel Qualität. Ähnlich wie es bei uns war, wollen sie endlich einen Sieg erzwingen. Das wollen wir verhindern und endlich einen Heimsieg landen.“ In einer Sache sind sich die beiden Routiniers einig: Für 90 Minuten muss die Freundschaft wohl oder übel ruhen. „Das ist doch klar, danach kann man sich unterhalten und sich ein Käffchen einschenken. Aber in den 90 Minuten geht es zur Sache, da wollen wir das Spiel gewinnen“, so Chandler. „Wir können uns vor dem Spiel und nach dem Spiel umarmen“, dazwischen, ergänzt Boateng, „wird es keine Freunde geben.“

Es ist immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und eigentlich ist Hertha eine gute Truppe, sie haben momentan nur keinen guten Lauf.

Timothy Chandler

Die Hertha liegt mit sechs Punkten aktuell auf Rang 14 und damit unmittelbar hinter den Hessen. Auch wenn Berlin nach dem 1:2 zu Hause gegen den SC Freiburg zum fünften Mal in dieser Saison als Verlierer vom Platz ging und in der Tabelle aktuell hinter der Frankfurter Eintracht steht, ist der Respekt vor den Gästen groß, wie Chandler bestätigt: „Wir sehen es ja jedes Wochenende, jeder kann jeden schlagen. Es ist immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und eigentlich ist Hertha eine gute Truppe, sie haben momentan nur keinen guten Lauf.“ Und mit 20 Gegentoren die derzeit meisten der Liga, Frankfurt hat gerade halb so viele zugelassen.

Stabilität und Heimstärke

Die bewiesene Stabilität soll nicht das einzige Faustpfand auf dem Weg zum ersten Heimsieg dieser Spielzeit sein. Hinzu kommt die Aussicht auf bis zu 40.000 Zuschauer, möglicherweise so viele wie nie seit Pandemiebeginn. Es wäre der passende Rahmen, die andauernde Heimstärke zu untermauern. 22 Bundesligabegegnungen ohne Pleite vor heimischer Kulisse sind unter allen aktuellen Klubs im Oberhaus Bestwert – dafür haben die Adlerträger selbst gesorgt, als sie den Bayern die erste entsprechende Niederlage seit 30 Partien zufügten. Es war so etwas wie die vorgezogene Kür. Die Pflichtaufgaben warten erst.

Zum Spiel

Anstoß: Samstag, 16. Oktober, 15.30 Uhr, achter Spieltag, Bundesliga, 2021/22.
Stadion: Deutsche Bank Park, Frankfurt.
Hörtipp: EintrachtFM sendet ab 15.20 Uhr live. Die Sehbehindertenreportage gibt es hier.
TV-Hinweis: Sky Sport Bundesliga 4 HD überträgt ab 15.25 Uhr live.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel – präsentiert von Krombacher

Die letzten Informationen vor dem Bundesligaspiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz am Donnerstag, 13.30 Uhr, mit Cheftrainer Oliver Glasner. Live zu sehen auf EintrachtTVmainaqila und Facebook – präsentiert von Krombacher.

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