04.05.2021
Bundesliga

Crunchtime auf Hessisch

Die letzte Bundesligapause 2020/21 ist vorüber. Am Sonntag brechen die finalen 270 Saisonminuten an. Angefangen mit dem Rhein-Main-Schlager gegen den 1. FSV Mainz 05.

Obwohl Eintracht Frankfurt am vergangenen ligaspielfreien Wochenende nicht gefordert war, durften sich die Adler über die nächste Belohnung für ihr Abschneiden und Auftreten in den vergangenen Monaten freuen: Weil Dortmund und Leipzig im DFB-Pokalfinale stehen, ist die direkte Qualifikation für die UEFA Europa League bereits drei Spieltage vor Schluss in trockenen Tüchern. Angesichts der Tatsache aber, dass die Hessen seit dem 19. Spieltag ununterbrochen mindestens auf Platz vier stehen, soll sich daran bis zum 22. Mai möglichst nichts mehr ändern. Am Main macht niemand ein Geheimnis daraus, dass aus dem Traum UEFA Champions League ein Ziel geworden ist. Gleichwohl ein mehr als Kür denn als Pflicht zu verstehendes.

„Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir unter den ersten Sechs landen würden, hätte das jeder sofort unterschrieben. Wir sind international dabei und versuchen, etwas ganz, ganz Großes zu erreichen, das Frankfurt noch nie erreicht hat. Dazu benötigen wir auch eine gewisse Lockerheit, das ist meine Aufgabe“, hatte Cheftrainer Adi Hütter noch Ende April resümiert. Die 1:3-Niederlage in Leverkusen zum Abschluss der Englischen Woche hin oder her.

Evan Ndicka ist am Sonntag zum Zuschauen verdammt.

Die ungebrochene Zuversicht rührt auch daher, dass die Adlerträger im vergangenen Monat gleich gegen vier Teams aus der oberen Tabellenhälfte gespielt haben. Den Niederlagen in Mönchengladbach und Leverkusen stehen die Erfolgserlebnisse in Dortmund und gegen den VfL Wolfsburg, beide derzeit je einen Punkt hinter oder vor Frankfurt, sowie der Sieg gegen den FC Augsburg gegenüber. „Jetzt kommen Gegner, die wir schlagen können. Dafür benötigen wir aber eine bessere Leistung“, zählt Hütter unverändert auf das, zuhauf zelebrierte, Leistungsvermögen seiner Truppe. Auch wenn es Evan Ndicka zu ersetzen gilt, der am Sonntagnachmittag wegen seiner zehnten Gelben Karte passen muss. Dafür steht Sebastian Rode nach verbüßter Sperre wieder zur Verfügung, um dem 1. FSV Mainz 05 beizukommen.

Gegen Mainz wieder am Start: Sebastian Rode.

Insofern könnte die kurze Unterbrechung möglicherweise genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, um vor den letzten 270 Saisonminuten nochmal den Energiespeicher zu füllen. Zu diesem Zweck erhielten die Fußballer seit Samstagnachmittag bis einschließlich Dienstag trainingsfrei. Selbstbewusstsein haben alle Beteiligten derweil zur Genüge getankt. „Wir haben bisher Fantastisches geleistet und glauben an uns“, bekräftigt Bruno Hübner. Und weiter: „Wir dürfen nicht denken, dass wir viel zu verlieren haben – sondern, dass wir Großes erreichen können.“

Kraft getankt, Selbstvertrauen konserviert

Ähnlich sieht es Fredi Bobic, der „die Spiele nun mit Vorfreude so angehen“ möchte, „als wäre jede Partie ein Finale.“ Schon das erste dieser ausgerufenen Endspiele hat es in sich, wenn auch eher auf den zweiten Blick. Immerhin empfängt Frankfurt als Dritter der imaginären Rückrundentabelle (29 Punkte) mit dem revitalisierten Regionalnachbarn den Fünften der zweiten Halbserie (28). Auch am Montagabend waren die Mannen von Bo Svensson einem Sieg näher als einer Niederlage. Im Nachholspiel gegen Hertha BSC stand neun Tage nach dem 2:1-Triumph über den FC Bayern ein 1:1, das achte ungeschlagene Match hintereinander.

Seit dem umkämpften Hinspiel hat sich Mainz 05 zu einer der am schwersten zu schlagenden Mannschaften der Bundesliga gemausert.

Überhaupt ist der Rhein-Main-Rivale kaum mehr mit dem aus der Hinrunde zu vergleichen, als die Adler Anfang Januar mit 2:0 die Oberhand behielten. „Mainz hat wirklich viel erreicht. Gerade, wenn man auf den Anfang dieser Saison zurückblickt. Vor dieser Leistung und Entwicklung kann ich nur den Hut ziehen. Wir müssen natürlich aufpassen, gerade weil wir uns immer schwer gegen Mainz tun und das ein wichtiges Spiel ist“, ist Hübner die Blitz-Renaissance in der Domstadt nicht entgangen.

Standortvorteil Deutsche Bank Park

Zu unterschätzen waren die Nullfünfer ohnehin noch nie. Von 25 Bundesligaduellen konnten die Adler sieben für sich entscheiden. Dem gegenüber stehen jeweils neun Niederlagen und Remis. Der Sieg in der Hinrunde war überhaupt der erste seit Dezember 2018 gegen Mainz, zuvor hatte die SGE dreimal in Folge gegen den FSV verloren. Unabhängig der fast traditionellen Fallstricke, die der kommende Kontrahent mit sich bringt, hebt Hübner bewusst die eigenen Qualitäten sowie die aussichtsreiche Gesamtsituation hervor: „Wir werden ebenfalls selbstbewusst auftreten, weil wir wissen, auf welcher Position wir stehen. Wir werden auch am Sonntag alles dafür geben, drei Punkte zu holen.“

Hierfür können die Hausherren unter anderem auf ihren, so gesehen, Standortvorteil setzen: In dieser Spielzeit ist neben der SGE einzig der FC Bayern zu Hause ohne Niederlage. Konkret gelangen in 15 Heimspielen neun Siege und sechs Unentschieden.  Eine vergleichbare Erfolgsserie im eigenen Stadion gab es in der Vereinshistorie nach 25 Spieltagen letztmals vor 40 Jahren in der Pokalsiegersaison 1980/81. Da trifft es sich gut, dass zwei der ausstehenden Aufgaben im Deutsche Bank Park stattfinden. Dass es andersherum ebenfalls klappen kann, zeigt das Restprogramm aus der Hinserie, als die Hessen gegen Mainz, Schalke und Freiburg sieben Zähler erbeuteten. Mittlerweile steht gar eine eine historisch bemerkenswerte Zwischenbilanz zu Buche. Nur in der Saison 1991/92, in der die SGE beinahe Meister geworden wäre, hatten die Rot-Schwarz-Weißen zu diesem Zeitpunkt umgerechnet ebenfalls 56 Punkte auf dem Konto.

Geliehene Soforthilfe

Darüber hinaus weist Frankfurt mit 62 Toren die drittbeste Offensive der Bundesliga auf. Angeführt von André Silva. Der Portugiese steht bei 25 Saisontreffern und würde mit der nächsten Bude den bisherigen Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein aus 1976/77 einstellen. Bezogen auf die ganz junge Vergangenheit kehren mit Danny da Costa und Dominik Kohr zwei derzeit von der Eintracht an den FSV verliehene Akteure zurück. „Beide Spieler funktionieren in Mainz sehr gut und sind ein großer Bestandteil des Erfolgs von Mainz 05 in der Rückrunde“, bilanzierte Sportdirektor Hübner vergangene Woche.

Timothy Chandler sieht überhaupt keinen Anlass für Pessimismus.

Dass die Nullfünfer einen beinahe undenkbaren Leistungsaufschwung erleben, nachdem da Costa und Kohr am Bruchweg aufgeschlagen sind, nimmt auch Timothy Chandler wahr: „Die Mainzer haben einen richtig guten Lauf und bringen eine hohe Qualität auf den Platz. Das wird uns dennoch nicht davon abhalten, alles dafür zu tun, drei Punkte zu holen.“ Dass diese und weitere nötig sein werden, um die eigene Stellung zu manifestieren, erschließt sich von selbst. „Aber selbst das ist positiver Druck“, nimmt das Urgestein die Rolle des Gejagten gewohnt gelassen zur Kenntnis. „Wir stehen auf Platz vier und müssen deshalb nicht auf die anderen schauen.“ Worauf es ankomme, „sind unsere Taten“ und „dass wir weiterhin selbst entscheiden, wo es langgeht.“ Klingt aus dem Mund des 29-maligen US-Nationalspielers aus Altenstadt durchaus nach Crunchtime. Auf Hessisch, versteht sich.

Zum Spiel

Anstoß: Sonntag, 9. Mai, 15.30 Uhr, 32. Spieltag, Bundesliga, 2020/21.
Stadion: Deutsche Bank Park, Frankfurt.
Hörtipp: EintrachtFM sendet ab 15.20 Uhr live. Als Experte zu Gast ist Dragoslav Stepanovic.
TV-Hinweis: Sky Sport Bundesliga 1 HD überträgt ab 14.30 Uhr live.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel – präsentiert von Krombacher

Die letzten Informationen vor dem Bundesligaspiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz am Freitag, 13 Uhr, mit Cheftrainer Adi Hütter. Live zu sehen auf EintrachtTVFacebook und mainaqila – präsentiert von Krombacher.

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