25.02.2021
Eintracht

„Keine Sorgen, aber Stellschrauben“

Im zweiten Teil des Podcast-Interviews nimmt Oliver Frankenbach Bezug auf die Perspektiven der Eintracht, spricht über seine überwundene Coronaerkrankung und den Reiz des englischen Fußballs.

„Über Geld spricht man nicht“, behauptet der Volksmund. In der neuen Podcast-Folge „Eintracht vom Main“ geht es aber genau darum: Zu Gast ist Eintracht Frankfurts Finanzvorstand Oliver Frankenbach. Der Diplom-Kaufmann hat den Traditionsverein über mehrere Jahre finanziell flottgemacht, ehe die pandemiebedingte wirtschaftliche Vollbremsung kam. Zugleich zeigt Frankenbach gegenüber dem Moderator und Leiter Medien und Kommunikation Jan Martin Strasheim die in den vergangenen Monaten ergriffenen Maßnahmen sowie künftige Lösungswege auf, die ihn zu dem Schluss kommen lassen: „Deshalb hatte ich auch nie Bedenken, dass wir diese Saison finanziell überstehen.“ In der 15. Podcast-Episode zeigt der Finanzvorstand die Perspektiven des Vereins auf, erinnert sich an seine Anfänge bei der Eintracht und spricht über drei ganz emotionale Eintracht-Momente.

Oli, neben den wirtschaftlichen Aspekten hat Corona vor allem anderen auch einen gesundheitlich gravierenden Aspekt, wie du selbst erleben musstest. Wie waren deine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Virus?
Ich hatte mich Anfang Dezember infiziert, das Ganze hat mich etwa vier Wochen außer Gefecht gesetzt. Meine Erkenntnis ist einfach: Auch sportliche Aktivität – ich fahre ja leidenschaftlich gerne Rennrad – schützt nicht vor Ansteckung. Aber vielleicht hilft es dabei, die Infektion einigermaßen passabel zu überstehen. Ich war vier Wochen lang einfach nur platt, habe den ganzen Tag geschlafen und hatte keinerlei Antriebsgefühl. Natürlich hatte ich auch Fieber und andere Symptome, Gott sei Dank keinen Geschmacksverlust. Ich war unter ständiger Betreuung durch die Ärzte, an meiner Lunge waren kleinere Schädigungen erkennbar. Das kann ja bei einer Coronaerkrankung vorkommen, wie man jetzt weiß. Die waren aber nach Aussage der Ärzte durch Inhalieren und Ruhe wieder reparabel, aber natürlich habe ich mich dann erstmal komplett geschont und beispielsweise auch keinerlei Sport gemacht. Das war für mich persönlich wirklich schwierig.

Wie gehst du mit derlei Erfahrungen um?
Wenn man selbst betroffen war, betrachtet man die Thematik im Nachhinein ganz anders. Da macht man sich schon auch seine Gedanken, ob man so wieder komplett heil aus der ganzen Sache rauskommt, weil natürlich die Nachrichten rund um das Thema kreisen. Da ich mich besonders gut betreut gefühlt habe, habe ich mich für eine Langzeitstudie angemeldet. Die Ärzte kontrollieren etwa alle drei Monate mein Blut auf Antikörper und die Auswirkungen der Genesung auf den Körper, etwa Herz und Lunge. Diese Erkenntnisse fließen in eine Studie ein. Natürlich hat man ein persönliches Interesse zu erfahren, wie sich der eigene Körper nach so einer Krankheit entwickelt. Wenn man dadurch noch dem Allgemeinwohl verstehen helfen kann, wie dieses Virus funktioniert, mache ich das natürlich gerne.

Die Eintracht arbeitet mit der Uniklinik Frankfurt zusammen. Kannst du skizzieren, wie die Behandlung ablief?
Ich habe mich dort durchgehend sehr gut betreut gefühlt. Es wurde sehr offen mit der Thematik umgegangen, mein behandelnder Arzt war beispielsweise selbst an Corona erkrankt und wusste dadurch aus persönlicher Erfahrung über gewisse Dinge aus eigener Erfahrung Bescheid. Dieses Wissen hat im Umkehrschluss mir und den anderen an Corona erkrankten Patienten geholfen, weil wir das Gefühl hatten, dass er persönlich weiß, wie es uns in dem Moment geht.

Wie läuft dein Comeback-Plan nach überstandener Erkrankung?
Ich habe fünf Wochen gar keinen Sport getrieben und habe mich erstmal von einem Kardiologen untersuchen lassen, bevor ich langsam wieder losgelegt habe. Mein Rat an alle, die Corona hatten oder haben: Erstmal komplett ausruhen und sich anschließend nochmal durchchecken lassen, ob alles wieder ordnungsgemäß funktioniert. Ansonsten bin ich in kleinen Schritten auf dem Weg zurück, auf dem ich vor der Erkrankung war.

Die Eintracht hat bereits zu Beginn der Pandemie mit Spielern wie Mitarbeitern über einen Gehaltsverzicht gesprochen. War das im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung, um bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie zu kommen?
Ja, das war von Anfang an die richtige Entscheidung. Wer mich ein bisschen persönlich kennt, weiß, dass ich keiner bin, der versucht, um den heißen Brei herumzureden. Deshalb waren auch die Themen Kurzarbeit und Gehaltsverzicht ein Bestandteil unserer Coronavorsorge. Das war für mich alternativlos. Man sieht bei dem einen oder anderen Klub, welche Diskussionen es deshalb gab. Deshalb bin ich der Mannschaft und Fredi Bobic sehr dankbar für ihre Bereitschaft, von Anfang an zu helfen, sodass wir das Thema Gehaltsverzicht immer wieder neu diskutieren und verhandeln konnten.

Du hast auch mit der Mannschaft gesprochen, weil sie sehr interessiert war. Wie haben sie diese Thematik aufgenommen?
Die Mannschaft war immer offen und hat von Anfang an die Bereitschaft signalisiert, in irgendeiner Form mithelfen zu wollen. Es war immer klar, dass es ein Gehaltsverzicht ist, es also nichts zurückgibt.

Die renommierte Deloitte-Studie zur Liquidität von Fußballklubs wertet uns europaweit auf Rang 20. Was bedeutet das für einen Verein wie Eintracht Frankfurt?
Um es für Außenstehende deutlich zu machen, sollte man nochmal erwähnen, dass die Umsatzerlöse, die dort genannt werden, ohne Transferentgelder berechnet werden. Wir haben in der abgelaufenen Saison relativ hohe Transfererlöse generiert und sind trotzdem in den Top 20 gelandet. Das hat auf der einen Seite damit zu tun, dass die Bundesliga als eine der wenigen Ligen ihren Spielbetrieb regulär beenden konnte und dadurch TV-Einnahmen generiert werden konnten und nicht erst später. Auf der anderen Seite trägt der sportliche Höhenflug der vergangenen fünf Jahre dazu bei. Auch rund um den Verein hat sich vieles verändert, etwa die Themen Vermarktung oder Kommunikation. Alles hat sich verändert und wir werden in der Öffentlichkeit völlig anders wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Das spiegelt sich letzten Endes in gesteigerten Umsätzen wider.

Der Neubau des ProfiCamps, in dem bald die neue Geschäftsstelle entstehen und Spieler wie Mitarbeiter zentral zusammenarbeiten sollen, ist dahingehend der nächste Entwicklungsschritt. Was bedeutet dieser für die Eintracht?
Das neue ProfiCamp ist ein Meilenstein in der Geschichte von Eintracht Frankfurt. Zuvor waren wir sehr verzweigt, über viele Stellen und Abteilungen verteilt, von der jede an einem anderen Ort war. Durch das neue ProfiCamp erhoffe ich mir einen enormen Schub innerhalb der internen Kommunikation. Auch der Mannschaft wird es guttun. Sie kann in Trainingsräumlichkeiten arbeiten, die sie in dieser Form vorher so nicht kannte. Das wird nochmal einen Schub geben.

Wie vergleichst du die neue Situation mit früher, als du etwa am Riederwald oder im Grüneburgweg gearbeitet hast?
Ich war als Fan tatsächlich nie am Riederwald. Als ich 1998 angefangen habe, für die Eintracht zu arbeiten, habe ich mir anfangs gedacht: Puh, hier wird Profifußball gespielt? Bei den Kabinen dachte ich, dass sich jeder A-Ligist in besseren Räumlichkeiten umzieht. Es ist Wahnsinn, was die Eintracht im Laufe der Zeit geleistet hat, ohne eigentlich ein professionelles Umfeld zu haben, was die Räumlichkeiten betrifft. Mir war es nie wichtig, in welchem Büro oder an welchem Schreibtisch ich sitze.

Wie würdest du die Strategie der Zukunft beschreiben?
Am Ende des Tages geht es immer darum, sich sportlich weiterzuentwickeln. Ich bin gespannt, wie sich der Transfermarkt im Sommer entwickelt, nachdem Corona dazwischengeschlagen hat. Erste Veränderungen haben sich schon bemerkbar gemacht. Man wird weiterhin auf die Säule Transfererlöse setzen müssen, aber es werden sicherlich nicht mehr die gleichen Summen erzielt werden können.

Sind Einnahmen aus dem internationalen Geschäft, die wir ab nächster Saison haben könnten, überlebenswichtig?
Nein, sonst hätten wir etwas falsch gemacht. Wir stehen aktuell gut da und haben schon etwas Vorsprung auf Platz acht. Im nächsten Jahr gibt es einen neuen Wettbewerb, die UEFA Conference League. Was die finanziell bringt, ist noch nicht veröffentlicht worden. Unabhängig davon planen wir nur mit der Bundesliga. Damit werden wir die Lizenz erhalten. Alles andere wäre eine positive Veränderung.

Sorgen haben wir also insgesamt keine?
Ich würde es nicht als Sorgen bezeichnen. Wir werden in dieser Saison einen Verlust in Richtung der 40 Millionen Euro machen. Das macht sich hinsichtlich Eigenkapital und Verschuldung bemerkbar, inklusive Neubau. Diese Schulden müssen in den nächsten Jahren zurückgetragen werden. Das geht nur, wenn über den Bundesligaspielbetrieb hinaus zusätzliche Erlöse erzielt werden. Das können der internationale Wettbewerb, Transfers oder Verbesserungen der Sponsoren- und Zuschauerstruktur sein, auch im Hinblick auf bauliche Veränderungen im Stadion in Richtung Europameisterschaft 2024. Wenn man ein Darlehen aufnimmt, muss man es auch zurückzahlen. Das sind keine Sorgen, aber Stellschrauben.

Philip Holzer versteht mittlerweile auch das Fußballgeschäft von A bis Z.

Finanzvorstand Oliver Frankenbach

Wie siehst du die Perspektive der Eintracht während und nach Corona?
Wir waren immer ein Klub, für den auch die realistische Gefahr bestand, in die Zweite Liga abzusteigen. Wenn ich die vergangenen Jahre betrachte, komme ich insgesamt nur auf drei Jahre, in denen wir keine Lizenz für die Zweite Liga beantragt haben. Alles andere wäre ein riesiger Aufwand, den wir dieses Jahr nicht mehr betreiben werden. Insofern hat sich natürlich etwas verändert. Gleichzeitig haben wir auch wegen Corona unseren Umsatz von etwa 300 Millionen auf etwa 150 Millionen rund halbiert. Da geht es uns wie vielen anderen Klubs. Ein internationaler Wettbewerb könnte deshalb natürlich helfen, uns weiter finanziell zu stabilisieren. Grundsätzlich bin ich aber immer froh, wenn wir frühzeitig den Klassenerhalt sichern.

Im Aufsichtsrat sitzen mit dem Vorsitzenden Philip Holzer sowie dessen Vorgänger und Ehrenvorsitzenden Wolfgang Steubing zwei Personen, die sich ausgesprochen gut mit Finanzen auskennen. Hilft diese Expertise in der aktuellen Phase besonders?
Auf jeden Fall! Mit Philip Holzer haben wir jemanden an der Spitze des Aufsichtsrates, der eine extrem hohe Expertise im Thema Finanzen mitbringt. Auch bevor er Aufsichtsratsvorsitzender wurde, haben wir in verschiedenen Ausschüssen und in über zehn Jahren im Aufsichtsrat schon sehr gut und konstruktiv zusammengearbeitet. Man muss ihn daher nicht nur auf das Thema Finanzen reduzieren, denn er versteht mittlerweile auch das Fußballgeschäft von A bis Z. Diese beiden Dinge vereint er sehr gut und kann dadurch den Verein nach innen und außen bestmöglich vertreten, so wie es der Klub verdient. Etwas Besseres kann sich der Klub für die Führung des Aufsichtsrates gar nicht wünschen. Gleiches gilt für seinen Vorgänger Wolfgang Steubing.

Abschließend noch einige persönliche Fragen. Deine Affinität zum englischen Fußball ist bekannt. Fährst du ab und an mal auf die Insel, um dir Spiele anzusehen?
Ich war unter anderem mit meinem guten Freund und Kollegen Philipp Reschke [Justiziar und Prokurist bei Eintracht Frankfurt; Anm. d. Red.] 2016 in Leicester, als sie aus dem Nichts Englischer Meister wurden. Wir haben damals eine Sponsorenreise zum Arsenal FC gemacht, das hat uns allen super gefallen. Daraufhin habe ich initiiert, dass wir mit den Kollegen jedes Jahr auf die Insel fahren und ein Spiel besuchen. Wir waren beispielsweise auch mal in Irland und haben uns ein Spiel in Dublin angesehen. Dort gibt es sogar einen Eintracht Frankfurt Fanclub, den wir besucht haben – ein tolles Erlebnis. In Spanien waren wir auch schon, das hat uns aber eher weniger gefallen. Das Gefühl beim englischen Fußball, vor dem Anpfiff im Pub zu sitzen und ein Guinness oder ein Pint zu trinken, hat was (lacht)

Was war dein schönster Eintracht-Moment?
Ganz klar der DFB-Pokalsieg im Mai 2018 gegen den FC Bayern in Berlin. Das war ein außergewöhnlicher Moment, gerade wenn man über 20 Jahre in einem Klub arbeitet und das sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Auf einmal stehst du selbst im Konfettiregen und siehst, wie deine Mannschaft den Pokal in die Höhe reißt. Das war außergewöhnlich schön.

Und dein schlimmster Eintracht-Moment?
Das würde ich an nichts Sportlichem festmachen. Der Tod unseres langjährigen Mitarbeiters Michael Feick jährt sich bald zum zehnten Mal. Das hat mich schon mitgenommen, gerade weil wir damals noch eine recht kleine Truppe waren, mit etwa 30 bis 40 Mitarbeitern und wir jeden auch ein Stück weit als Freund bezeichnen konnten. Entsprechend hat uns das alle ziemlich mitgenommen.

Was war deine schönste Kindheitserinnerung an die Eintracht?
Als ich 1975 mit meinem Vater in Hannover war, als die Eintracht bei strömendem Regen gegen Duisburg Pokalsieger wurde. Für mich war das Stadionerlebnis immer etwas ganz Besonderes: Die Emotionen, die Leidenschaft von 30.000, 40.000 Menschen, der Weg durch die Isenburger Schneise in Richtung Waldstadion, den Bratwurst- und Biergeruch. All das sind Eindrücke, die man als kleiner Junge mitnimmt und ein Leben lang in Erinnerung behält.

Dieses Interview basiert auf Oliver Frankenbachs Aussagen in der neuen Episode der „Eintracht vom Main“. Im zweiten Teil spricht der Finanzvorstand über seine Anfänge bei der Eintracht, die Perspektiven des Vereins, seine überwundene Coronaerkrankung und drei ganz emotionale Eintracht-Momente. Im ersten Teil erklärt der Finanzvorstand unter anderem, wie sich die Eintracht in Zeiten der Coronapandemie aufstellt. An dieser Stelle sei euch auch das komplette Podcast-Paket ans Herz gelegt.

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