25.10.2020
Bundesliga

Schmerzen vergehen

Auch die Eintracht kann diesmal den Wahrscheinlichkeiten nicht trotzen, möchte sich aber von der ersten Niederlage nicht weiter aus dem Tritt bringen lassen.

2015 erlangte Sebastian Prödl bundesweite Aufmerksamkeit. „München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich wehtun. Kann aber auch glimpflich ausgehen“, formulierte der damalige Verteidiger des SV Werder Bremen und damit den Fußballspruch des Jahres. Seitdem hat sich in dieser Hinsicht für die wenigsten Vereine etwas geändert, wie auch die Eintracht am Samstagnachmittag erfahren musste. Das 0:5 in der Allianz Arena war nicht nur die erste Niederlage nach saisonübergreifend acht ungeschlagenen Spielen in Serie, sondern auch die 13. Pleite im Münchner Norden in Folge.

Unveränderte Gesetzmäßigkeiten

Sicher hatte Adi Hütter im Vorfeld etwas anderes im Sinn, als er am Freitag ankündigte, dass „wir leiden müssen“, um einem Erfolgserlebnis näher zu kommen. Tatsächlich setzten die Adlerträger die Vorgaben des Cheftrainers zunächst in die Tat um: „In der ersten Halbzeit war es ein sehr ordentliches Spiel, wir waren gut in den Zweikämpfen drin und haben keine großartigen Torchancen zugelassen.“ In Zahlen ausgedrückt: 60 Prozent aller Duelle entschieden die Gäste bis zur Pause für sich, was sich erst im Laufe der 90 Minuten ausgleichen sollte. Auch die Laufleistung war mit 114,5 Kilometern über alle Zweifel erhaben, weshalb Bas Dost im Anschluss umso mehr deutlich machte: „Für uns hat es keinen Spaß gemacht, die Bayern haben das souverän zu Ende gespielt.“ Nichtdestotrotz seit es „wichtig, dass die ganze Mannschaft ohne Ende gearbeitet hat.“

Chancen vergessen

Am Ende gab über den verdienten Spielausgang – über die Höhe lässt sich sicherlich diskutieren – gleichwohl keine zwei Meinungen. „Ohne jede Chance“ hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Eintracht gesehen, der Wiesbadener Kurier sah die Adler ebenso „völlig chancenlos in München“. Die hessenschau verwies immerhin darauf „bei Lewandowski-Show ohne jede Chance“ gewesen zu sein. Unterm Strich liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte.

Denn chancenlos im wörtlichen Sinne hätten die Frankfurter Fußballer beileibe nicht bleiben müssen. „Die erste Halbzeit war ganz gut, hätten wir unsere Situationen besser ausgespielt, wären wir zu mehr Chancen gekommen“, deutete Kevin Trapp an, was Chefcoach Hütter konkretisierte: „Mich hat gestört, dass wir die Umschaltmomente, als die Bayern uns Angebote gemacht haben, nicht genutzt haben. Wir müssen uns vorwerfen, dass wir in solchen Momenten nicht gut genug waren.“

Trotz aller Prävention

Weshalb bei Schlusspfiff einzig zwei Schüsse auf das FCB-Gehäuse zu Buche standen, während der Rekordmeister aus wenig viel machte. Oder um zu Prödls Analogie zurückzukehren. Die Eintracht war wie von Hütter angekündigt „auf alles gefasst“. Der Defensivverbund kappte gekonnt diverse Verbindungen. So blieb Deutschlands bester Vorlagengeber Thomas Müller ohne Torbeteiligung, Zuspiele zum kongenialen Sturmpartner Lewandowski gelangen ganze zwei. Weshalb die Bayern zu Umwegen gezwungen waren – und diese auch fanden. Trotz aller Prävention fand der unnachgiebige Doktor genügend Lücken, um dem Kontrahenten auf den Zahn zu fühlen. „Dass Robert Lewandowski eine extrem hohe Qualität besitzt, wissen wir alle“, erkannte Trapp die Qualität des Dreierpackers neidlos an, der von fünf Versuchen vier auf den Kasten und drei in die Maschen setzte. Und mit seinen Saisontoren acht bis zehn nach fünf Spieltagen nebenbei einen neuen Bundesligarekord aufstellte. Zum Vergleich: Frankfurts schussfreudigster Akteur Almamy Toure probierte es vier Mal. Ohnehin war der Franzose einer der auffälligsten Adlerträger, eroberte die meisten Bälle (acht) und schlug die meisten Flanken (vier).

Für Aufsehen sorgte derweil auch das Startelfdebüt von Lucas Silva Melo, der den angeschlagenen David Abraham vertrat. „Tuta hat es ordentlich gemacht und sicher gegen den weltbesten Stürmer gespielt. Für mich war es klar, dass er für Abraham nachrücken würde. Er hat vieles gut gemacht und das Bestmögliche gezeigt. Manchmal lernt man aus solchen Spielen auch am meisten“, stärkte Hütter den jungen Brasilianer im Nachgang, für den der Begriff Feuertaufe noch untertrieben wäre. Auch Bruno Hübner sah darin einen Mehrwert für die weitere Entwicklung: „Tuta und Younes nach seiner Einwechslung haben es gut gemacht. Deswegen müssen wir das Positive aus dem Spiel ziehen und gegen Bremen umsetzen.“

Schnell abhaken

Wie der Sportdirektor blickt Sebastian Rode nach vorne: „Wir sind geknickt, aber das darf uns nicht lange beschäftigen.“ Beim Duell mit seinem Ex-Verein spulte der Mittelfeldakteur mit 11,8 Kilometern so viele ab wie auf der anderen Seite nur Joshua Kimmich. Rodes Nebenmann auf der Doppelsechs Stefan Ilsanker wies sogar den höchsten Topspeed nach: 33,3 Stundenkilometer. Schnell soll auch der Fokus auf den sechsten Spieltag schwenken. Ab Dienstag steht für die Adler je eine Trainingseinheit an. Am Samstag, 15.30 Uhr, gastiert der SV Werder Bremen im Deutsche Bank Park.

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