12.04.2021
Team

„Wirklich zum Dank verpflichtet“

Im zweiten Teil des Podcast-Interviews befasst sich Sebastian Rode mit dem Einfluss verschiedener Trainer auf seine Karriere, Heimatverbundenheit und der Arbeit mit Jugendlichen.

Seppl, wir haben bereits über Pep Guardiola gesprochen. Was haben er und andere Trainer dir konkret mitgegeben?
Ganz unterschiedlich. Ich war noch sehr jung, als ich unter Michael Skibbe bei der Eintracht debütiert habe. Dann kam mit Christoph Daum ein alter Hase. Wir standen kurz vor dem Abstieg und sind leider auch abgestiegen. Aber auch unter ihm habe ich enorm viel mitgenommen, was die Motivation rund um ein Spiel angeht. Auch wenn ihn viele kritisch gesehen haben, hat er nochmal für ein bisschen Leben in der Mannschaft gesorgt. Unter Armin Veh habe ich sehr großes Vertrauen gespürt, sodass ich mich unter ihm sehr weiterentwickeln konnte. Ich hatte sehr viel Spielzeit, was in jungen Jahren enorm wichtig ist. In München hat Pep das ganze Fußballbewusstsein nochmal auf eine andere Ebene gehoben. Wenn ich vorher dachte, ich hätte Ahnung von dem Sport, hatte ich die erst nach meiner Begegnung mit Pep. In Dortmund auch, Thomas Tuchel ist nicht umsonst in Paris und bei Chelsea gelandet, sondern weil er hervorragende Arbeit leistet. Jetzt sieht man hier, unter Adi Hütter, dass wir mit der Eintracht enormen Erfolg haben. Das zeichnet dann einfach auch den Trainer aus.

Gibt es auch Trainer, die einem zu sehr in den Kopf gehen? Gerade Guardiola oder Tuchel wirken sehr anspruchsvoll und herausfordernd.
Das sind sie auch, sie verlangen einem schon sehr viel ab. Aber ich denke, das kann man auch erwarten. Die Besessenheit, die die beiden in den Sport investieren, verlangen sie auch von den Spielern. Bei beiden geht alles über den Erfolg. Als Spieler sollte man den Willen und Ehrgeiz haben, mitzuziehen und den absoluten Erfolg zu erzielen.

Welche Rolle spielt der Faktor Empathie?
Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Trainer haben mal mehr und mal weniger davon. Gerade Adi Hütter hat ein sehr gutes Gespür für die Spieler. Er weiß aus eigener Erfahrung selbst, wie sich ein Spieler fühlt. Das ist eines der Merkmale, weshalb wir so erfolgreich sind. Weil er das Gespür dafür hat, wann er die Jungs härter anpacken muss und wann eine längere Leine gefordert ist.

Gibt es einen Trainer, der besonders wichtig für deine Entwicklung gewesen ist?
Der Hessenauswahltrainer Günter Wegmann, der dann auch zu Kickers Offenbach gewechselt ist und mich dorthin geholt hat. Zu ihm habe ich heute noch eine Verbindung, da er für meine sportliche Karriere sehr wichtig war. Als ich in der Jugend ein paar Verletzungen hatte, konnte ich immer auf ihn bauen. Er hat mich vor allem in der Hessenauswahl sehr gefördert und mit Sicherheit auch ein gutes Wort beim DFB-Trainer für mich eingelegt. Es gibt also schon den einen oder anderen Trainer, dem ich wirklich zum Dank verpflichtet bin.

Zwischen je zwei Meisterschaften und Pokalsiegen auf der einen sowie einem Abstieg auf der anderen Seite hast du alles erlebt. Ist dieses Auf und Ab typisch für dein Fußballleben?
Ja, das hat schon in der Jugend angefangen. Es waren ein paar Meisterschaften dabei, andererseits sind wir leider je ein Mal aus der B- und A-Junioren-Bundesliga abgestiegen. Das formt einen fürs Leben, gerade auch der Abstieg mit der Eintracht. Im ersten Moment hatte das natürlich viele negative Folgen, aber für mich und meine Karriere auch positive Konsequenzen. Das Jahr in der zweiten Liga hat mir sicher auch gutgetan und schließlich zu schönen Erlebnissen wie dem Aufstieg in die Bundesliga oder die direkte Qualifikation für die Europa League geführt. Als Erfolge werte ich nicht nur die Meisterschaften und Pokalsiege. Mit der Eintracht habe ich zwar bisher keine Titel gewonnen, aber das Erreichte ist für mich fast noch höher zu bewerten. Beispielsweise die Europa-League-Reise zählt zu den einmaligen Erlebnissen, die ich niemals vergessen werde und die einem die Fans geschenkt haben.

Und jetzt setzen wir nochmal einen drauf?
Das wäre sehr schön! Es ist noch ein weiter Weg, in sechs Spielen kann noch sehr viel passieren. Wir haben momentan einen sehr guten Lauf, aber es stehen auch sehr schwere Spiele an. Hoffen wir mal, dass wir genügend Punkte holen, damit es am Ende für das internationale Geschäft reicht.

Lass uns über die erste deiner Zwischenstationen sprechen, Bayern München. Mit welchem Gedanken nimmt man solch ein Angebot an?
Man kommt natürlich ins Überlegen, wenn so ein Angebot kommt. Man wird nervös, wenn der Berater plötzlich sagt: „Matthias Sammer ruft dich jetzt an wegen Bayern München“. Dann gilt es natürlich abzuwägen, was wie Sinn macht. Aber wenn Bayern anfragt, dann ist es natürlich schwer, „Nein“ zu sagen. Man möchte sich als Fußballer mit den Besten messen, das ist eben in Deutschland Bayern München. Das Trainingsniveau ist fast höher als bei den Spielen am Wochenende, weil die Qualität so hoch ist. Die zwei Jahre dort waren enorm lehrreich für mich. Ich habe viele Spiele machen können. Von daher: Es war eine absolut geile Zeit.

Wenn wir nochmal auf den Heimatgedanken zurückkommen: Was bedeutet es dir, als gebürtiger Hesse eine wichtige Figur bei Eintracht Frankfurt zu sein?
Für mich könnte es eigentlich nicht besser sein. Ich bin ein waschechter Hesse und fühle mich der Heimat ungemein verbunden. Beim größten Verein in Hessen über einen so langen Zeitraum spielen zu können, ist einfach phänomenal. Gerade auch, wenn man den Support sieht, den Eintracht Frankfurt in der Umgebung erfährt. Wo man hinkommt, wird man auf die Eintracht angesprochen. Das war mir in der Jugend und gerade in den 90ern nicht so bewusst, hat sich aber in den 2000ern und 2010ern geändert.

Fühlst du durch die Bedeutung des Vereins für die Stadt eine gewisse Verantwortung?
Es ist die Verantwortung für eine gesamte Region, wenn man weiß, dass viele Menschen hinter einem stehen stehen. Sie verlangen natürlich auch, dass man Leistung bringt. Gleichzeitig pusht es einen. Man spielt für sich selbst, aber vor vollem Haus spielen zu können – was einem momentan abgeht – elektrisiert einen. Insbesondere diese Stimmung, wenn man auf dem Platz steht, und den direkten Kontakt mit den Fans hat.

Momentan glaube ich, die Leute würden uns die Bude einrennen, so wie wir spielen.

Sebastian Rode

Hast du Angst, dass sich die Fans durch die Spiele ohne Zuschauer entfremden könnten?
Die Befürchtung hätte ich, wenn wir richtig schlecht spielen würden. Momentan glaube ich, die Leute würden uns die Bude einrennen, so wie wir spielen. Wenn wir das beibehalten, habe ich keine Bedenken, dass die Fans schnellstmöglich auch wieder für ein volles Stadion sorgen werden.

Du bist Botschafter des Landespräventionsrates Hessen. Warum ist dir das wichtig und was ist der Inhalt deiner Tätigkeit?
Die Inhalte sind sehr vielfältig. Der Hauptaspekt ist, gegen Gewalt und Diskriminierung in jeglicher Form vorzugehen. Ich mache das seit 2012, als Dr. Helmut Fünfsinn auf mich zugekommen ist. Ioannis Amanatidis hat vorher das Amt bekleidet. Mittlerweile mache ich das seit acht, neun Jahren und es macht mir ungemein Spaß. Der Austausch mit den Jugendlichen, der während der Pandemie zu kurz kommt, ist sehr vielfältig: Von Trainingseinheiten mit den Jugendlichen bis hin zu Straßengangs, die man teilweise mitbekommt. Das ist eine super Sache außerhalb des Fußballs.

Wie läuft der Umgang der Kinder und Jugendlichen mit dir? Schauen sie zu dir auf oder findet der Kontakt auf Augenhöhe statt?
Natürlich ist es für die Jugendlichen ein absolutes Highlight, wenn sie ein Fußballprofi besucht. Dadurch erzielt man natürlich auch eine große Reichweite. Aber es entwickeln sich super Gespräche – was teilweise für Lebensgeschichten dabei hervorkommen, wie manche dann auf die schiefe Bahn geraten sind. Dadurch merkt man selbst erstmal, wie viel Glück man im Leben hatte.

Was gibst du den Kindern hauptsächlich mit?
Der Hauptansatz ist der, dass ich durch meine Verletzungen auch schon einige Rückschläge in meiner Karriere hatte. Es ist sehr wichtig, Respekt vor anderen Menschen zu habe. Fußballprofi wird man nicht nur, weil man Talent hat. Man braucht Disziplin, das ist für alle Lebensbereiche sehr wichtig. Das versuche ich zu vermitteln. Dahingehend hat sich auch die Eintracht in den vergangenen Jahren sehr weiterentwickelt. Werte, Diversität, Respekt und Homophobie – alles wird einbezogen. Das ist wirklich schön.

Dieses Interview basiert auf Sebastian Rodes Aussagen in der neuen Episode der „Eintracht vom Main“. Im ersten Teil spricht der Mittelfelspieler erfrischend offen über das Thema Freundschaft und lässt seinen Werdegang von der Jugend bis in die Herzen der Eintracht-Fans Revue passieren. An dieser Stelle sei euch auch das komplette Podcast-Paket ans Herz gelegt.

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