02.07.2020
Team

Alles, nur kein Zufall

Losgelöst vom sportlichen Abschneiden liest sich das Saisonende wie folgt: Die meisten Spiele, die wenigsten Verletzten.

Hätte sich Makoto Hasebe nicht in der Woche vor dem 34. Spieltag absprachegemäß in Japan am Knie operieren lassen, um zum Trainingsauftakt wieder zur Verfügung zu stehen, Eintracht Frankfurt hätte zum Saisonfinale „Verletzungsfrei“ gemeldet. 100-prozentige Spielerauswahl, ohne Wenn und Aber. Selbst das Team hinter dem Team ist mittlerweile wieder komplett, nachdem Markus Murrer seinen im vergangenen Herbst erlittenen Achillessehnenriss ausgeheilt hat. Der Athletiktrainer war pünktlich zur Laktattestreihe vor der zweiwöchigen Quarantänephase im März zurück im Training. Oder besser: Heimtraining. „Natürlich hätte jeder gerne auf die Coronapandemie verzichtet. Mit Blick auf die vielen Spiele in den vergangen zwei Jahre war die Zwangspause aber nicht unbedingt ein Nachteil, um Kräfte zu sammeln und verstärkt im körperlichen Bereich zu arbeiten“, meint Murrer rückblickend.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Martin Spohrer und Andreas Biritz entwickelte das Trio „extrem auf Mobilität und Kraftzirkel ausgelegte individuelle Trainingspläne“ für die Heimarbeiter. „Uns ging es darum, im Prinzip alle Muskelgruppen zu beanspruchen und gleichzeitig zu lockern, speziell im Beckenbereich. Ich denke, das haben wir im Zusammenspiel mit unseren Physiotherapeuten ganz gut hinbekommen.“

Aus Erfahrung fit

So viel steht außer Frage. Die seit der Winterpause sich kontinuierlich entspannende Personalsituation hat indirekt aber auch mit der Vergangenheit und den gesammelten Erfahrungswerten zu tun. Zum einen im Verbund. „Das Trainerteam weiß, gut mit den Englischen Wochen umzugehen und hat ein Gefühl dafür entwickelt, die Belastung zu steuern“, betont Murrer, der wie Adi Hütter die Salzburger Schule kennt, „weshalb wir uns blind verstehen. Das trifft ebenso auf die meisten anderen Trainerkollegen zu, die nun mindestens zwei Jahre zusammenarbeiten.“ Und genauso auf die Spieler. Zweiter Punkt: „Wenn wir uns regelmäßig nach deren Befinden erkundigen, können gerade erfahrenen Spieler am besten ihre körperliche Verfassung beurteilen. Das erleichtert es uns, individuell auf jeden Einzelnen einzugehen und beispielsweise ein Mannschafstraining auszusetzen und dafür Stabilisationsübungen anzusetzen.“

Dazu zähle unter anderem Bas Dost, der wie viele andere beispielhaft gestärkt aus der Ligaunterbrechung herausgekommen ist. „Lange wusste keiner so wirklich über die Ursache seiner Verletzung Bescheid. Als das Problem gelöst war, konnte Bas dann allen zeigen, zu was er in der Lage ist“, freut sich Murrer für den Niederländer, der es am Ende auf acht Saisontore brachte. So wie insgesamt 14 Adlerträger die 59 Ligatreffer beisteuerten und somit nur einen weniger als in der vermeintlich offensivgewaltigeren Vorsaison. An der Spitze des gefährlichen Kollektivs steht letztlich André Silva mit zwölf Treffern, davon alleine acht nach dem Restart, mehr gelangen in diesem Zeitraum nur Robert Lewandowski. Auch der Portugiese hatte vor dem Jahreswechsel öfters mit körperlichen Defiziten zu kämpfen und präsentierte sich seit Mai in Topform.

Mentalität und Motivation

Dass 43 Tore, also knapp zwei Drittel, nach dem Seitenwechsel fielen, untermauert die körperliche und mentale Hartnäckigkeit der Frankfurter Jungs zusätzlich. „Es ist überragend, wie wir immer wieder zurückkommen und gegen Ende nachlegen können“, frohlockte Dost unlängst, auch wenn Chefcoach Hütter gleichwohl bemerkte, sich solche Hochphasen auch in der ersten Halbzeit zu wünschen. Dass an der Einstellung der Profis kein Zweifel besteht, untermauerten diese erst mit den Leistungstests vergangene Woche, deren Werte Hütter als „sensationell“ bezeichnete. Auch Murrer lobt: „Die komplette Mannschaft bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Die Eigenmotivation innerhalb des Teams ist sehr hoch.“

Die nach außen protokollierte Anerkennung nicht weniger. „Ich sehe uns im medizinischen Bereich so aufgestellt, wie ich es mir immer vorgestellt habe“, erklärte Sportvorstand Fredi Bobic erst am vergangenen Mittwoch, verkündete zugleich die angedachte Vertragsverlängerung mit Mannschaftsarzt Prof. Dr med. Florian Pfab MBA und freut sich über den von Borussia Dortmund verpflichteten neuen Leiter im Bereich Athletik, Prävention und Rehabilitation: „Er ist ein Topexperte in seinem Bereich, kommt aus Frankfurt.“ Und hat seinerseits große Erfahrung in puncto Doppelbelastung.

Bis es soweit ist, hat Hütter aber erstmal vier Wochen Urlaub versprochen: „Das haben sich alle nach 104 Spielen in zwei Jahren verdient.“ Was eine ausgiebige Pause bewirken kann, haben die Eintrachtler mehrfach unter Beweis gestellt.

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