24.02.2021
Bundesliga

Auf Wunde folgt Wende

Der SV Werder Bremen musste zuletzt eine 0:4-Niederlage hinnehmen, hat in dieser Saison aber mehrfach gezeigt, dass er sich schnell von Rückschlägen erholen kann.

Situation: Ausreißer zur Unzeit

„Wir müssen in dieser Phase, auch wenn wir im Soll sind, aufpassen. Wir brauchen noch Punkte“, warnte Bremens Chefcoach Florian Kohfeldt nach der 0:4-Auswärtspleite bei der TSG Hoffenheim zuletzt. Nach der schwierigen vergangenen Saison inklusive der gewonnenen Relegation ist der Klassenerhalt das Ziel in der laufenden Spielzeit. Momentan steht Werder trotz der jüngsten Niederlage auf Tabellenplatz zwölf, hat fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und noch eine Partie weniger absolviert. Das Gastspiel bei Arminia Bielefeld konnte am 20. Spieltag aufgrund eines Schneesturms nicht wie geplant stattfinden und wird am 10. März nachgeholt. Auch im DFB-Pokal sind die Werderaner noch vertreten und am kommenden Dienstag im Viertelfinale beim Zweitligisten SSV Jahn Regensburg zu Gast.

SV Werder Bremen 2020/21
Kompakt5 Siege, 8 Unentschieden, 8 Niederlagen, 24:31 Tore, 23 Punkte, Tabellenplatz 12
FormkurveN-S-U-U-N
TorschützenBittencourt (4), Füllkrug (4), Möhwald (3), Selke (3), M. Eggestein (2), Sargent (2), Toprak (2), Agu (1), Dinkci (1), Gebre Selassie (1)

In der Hinrunde blieben die Hanseaten in neun aufeinanderfolgenden Partien sieglos, spielten dabei zunächst fünfmal in Serie 1:1 und verloren die anschließenden vier Begegnungen. Zum Auftakt des neuen Jahres holte Werder neun Punkte aus sieben Spielen und kassierte in diesem Zeitraum nur sechs Gegentore und damit gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg die wenigsten der Liga. Dementsprechend waren auch die Spieler des zuvor defensiv so starken SVW nicht einverstanden mit der Leistung gegen Hoffenheim. Ömer Toprak äußerte: „Wir sind sauer und enttäuscht. Wir müssen das Spiel analysieren, die richtigen, auch harte, Worte finden. Am Freitag kommt die formstärkste Mannschaft der Liga nach Bremen. Da geht es darum, Zweikämpfe zu gewinnen, besser zu spielen und eine Reaktion zu zeigen.“

Trainer: Grün-weiße Identität

Florian Kohfeldt übernahm den Cheftrainerposten im Oktober 2017 von Vorgänger Alexander Nouri, als die Hanseaten auf Tabellenplatz 17 rangierten und sich in höchster Abstiegsnot befanden. Der 38-Jährige hielt mit seiner Mannschaft souverän die Klasse und führte sie in seiner ersten vollständigen Saison als Cheftrainer auf einen einstelligen achten Rang. Im selben Jahr erreichte Kohfeldt mit dem SVW das Halbfinale des DFB-Pokals, scheiterten aber mit 2:3 am späteren Pokalsieger FC Bayern München. In der darauffolgenden komplizierten Spielzeit steckte Werder lange im Tabellenkeller fest, auch weil viele wichtige Spieler über weite Strecken der Saison verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen. Der Verein hielt dabei an seinem Cheftrainer fest, der dieses Vertrauen über die Relegation mit dem Klassenerhalt zurückzahlte.

Kohfeldt ist ein Bremer Urgestein, hat seine Karriere als Spieler in der Bremenliga verbracht und war anschließend als Assistenz- und Cheftrainer für die zweite Mannschaft sowie die Jugend der Grün-Weißen verantwortlich. Zwischen 2014 und 2016 war Kohfeldt auch als Co-Trainer der ersten Mannschaft tätig. Mittlerweile hat der studierte Sport- und Gesundheitswissenschaftler das grün-weiße Cheftraineramt seit mehr als drei Jahren inne und ist damit nach Freiburgs Christian Streich der dienstälteste Übungsleiter der Bundesliga.

Taktiktafel: Hart und stabil

Kohfeldt zeigte sich zu Beginn der Saison taktisch variabel, setzte in den vergangenen Wochen aber auf ein 3-5-2- oder 3-4-1-2-System. In der Dreierkette vertraut der SVW-Chef auf Marco Friedl, Ömer Toprak und Milos Veljkovic, der gegen Hoffenheim zur Pause verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste, am Freitag wohl aber wieder zur Verfügung stehen wird. Im Mittelfeld kamen Felix Agu, Kevin Möhwald, Leonardo Bittencourt, Maximilian Eggestein und Theodor Gebre Selassie zum Einsatz. Die Doppelspitze besetzten zuletzt Joshua Sargent und Milot Rashica. Mit Niclas Füllkrug, Yuya Osako, Romano Schmid, Davie Selke und dem 19-jährigen Eren Dinkci stehen Coach Kohfeldt viele offensive Alternativen zur Verfügung.

In dieser Saison kassierten nur fünf Teams weniger Gegentore als die Hanseaten, allerdings trafen auch lediglich fünf Mannschaften seltener. Wenngleich 54 Prozent verwerteter Großchancen den drittbesten Wert der Bundesliga bedeuten, sind diese im Verhältnis zu insgesamt 26 herausgespielten Hochkarätern zu betrachten. Zum Vergleich: Die Eintracht kommt bisher auf 65 Großchancen, von denen 42 Prozent drin waren.

Vor der 0:4-Niederlage in Sinsheim musste Bremen nur gegen Hertha BSC (1:4) und beim VfL Wolfsburg (3:5) mehr als zwei Gegentore hinnehmen. Im Vergleich zur vergangenen Saison hat sich die Defensive der Werderaner extrem stabilisiert, 52 Prozent gewonnener Zweikämpfe sind die anteilsmäßig drittmeisten der deutschen Beletage. Mit Ömer Toprak (71 Prozent) und Ludwig Augustinsson (67,4) stellt Bremen zwei der fünf zweikampfstärksten Spieler.

Erst am zurückliegenden Spieltag schlichen sich allerdings einfache Fehler ein. „Wir waren individuell, aber auch als Mannschaft weit davon weg, was wir die letzten Wochen gezeigt haben. Die Gegentore waren viel zu einfach, vor allem die ersten drei. Wir waren nicht zielstrebig, haben immer wieder zurück und zu zögerlich gespielt. Es war ein kollektiver Ausfall und da nehme ich mich mit rein. Wir hatten als Gruppe einen richtig schlechten Tag“, resümierte Kohfeldt am Sonntag nach dem Abpfiff. Der 38-Jährige hatte zur zweiten Halbzeit auf Viererkette umgestellt und ließ seine Mannschaft im 4-4-2- respektive 4-3-1-2-System auflaufen. Möglich, dass der Chefcoach am Freitag als Reaktion auf das jüngste Resultat einige personelle oder taktische Änderungen vornimmt. „Angesichts ihres dichten Terminkalenders in den kommenden Wochen haben wir uns auf verschiedene personelle Varianten eingestellt“, ist SGE-Coach Adi Hütter auf alles gefasst.

Spieler im Fokus: Leonardo Bittencourt

Leonardo Bittencourt erzielte all seine vier Saisontore von innerhalb des Strafraums, davon eines per Strafstoß.

Leonardo Bittencourt spielt seit November 2019 für die Hanseaten und erzielte in seinen bisherigen 51 Pflichtspielen zehn Tore. In dieser Saison stand der 27-Jährige in 18 von 21 Partien auf dem Feld, darunter 14 in der Startelf, und führt die Bremer Torschützenliste mit vier Treffern gleichauf mit Niclas Füllkrug an. Bittencourt ist vorrangig im offensiven Mittelfeld beheimatet, hat aber auch als Rechts- oder Linksaußen seine Stärken, etwa im Dribbling. Der gebürtige Leipziger mit Wurzeln in Brasilien durchlief die Jugendabteilung von Energie Cottbus, ehe er im Juli 2012 zu Borussia Dortmund wechselte. Nach einem Jahr beim BVB zog es den Offensivallrounder zu Hannover 96, später stand er für den 1. FC Köln und die TSG Hoffenheim auf dem Rasen, bevor er 2019 erst leihweise nach Bremen wechselte und mit Beginn dieser Saison fest an der Weser anheuerte. Der Offensivakteur traf bislang in 13 Pflichtspielen auf die Eintracht: Fünf Partien konnte sein Team für sich entscheiden, sechs Mal siegten die Hessen, zwei Spiele endeten remis.

Fünf Jahre gemeinsam mit dem Bundesadler auf der Brust: Amin Younes und Leonardo Bittencourt.

Gewarnt sind die Adlerträger in jedem Fall, wenngleich sich die Hausherren ihrerseits mit einem vergleichbar quirligen und in dieser Spielzeit torgefährlichen Kreativgeist auseinandersetzen dürfen: Amin Younes, der gegen die Bayern seinen dritten Treffer in 2021 beisteuerte, nachdem er im vergangenen Kalenderjahr insgesamt auf eine Bude gekommen war. Darum der Vergleich zu Bittencourt: Beide, Jahrgang 1993, kennen sich bestens von den DFB-Junioren, haben von der U17 bis zur U21 während 25 Länderspielen zusammen auf dem Rasen gestanden und waren 35 Mal gemeinsam im Kader. Der Punkteschnitt von 2,06 ist mehr als beachtlich, auch wenn sich nach einem 0:5 gegen Portugal im Halbfinale der U21-EM 2015 die Wege trennten. Anmerkung am Rande: Bittencourt kam seinerzeit kurz nach der Pause in die Partie und sah in der 75. Minute Gelb-Rot. Es war für Bittencourt der bis heute letzte Auftritt mit einem Adler auf der Brust – im Gegensatz zu Younes, der den einträchtigen Höhenflug auch an der Weser fortsetzen möchte.

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