24.01.2021
Bundesliga

Die Zwei muss stehen

Die Eintracht trifft im siebten Ligaspiel hintereinander mindestens doppelt, André Silva zum insgesamt fünften Mal für Frankfurt. Keine Frage: Die Adler sind längst im Angriffsmodus angelangt.

Nein, abzuheben droht bei der Eintracht nach wie vor niemand, von einer Flugstunde von Martin Hinteregger abgesehen, der unter der Woche seine Abwehrkollegen Evan Ndicka und Lucas Silva Melo im Rahmen seiner Pilotenausbildung in Egelsbach auf einen Rundflug mitgenommen hatte. Im Höhenflug befinden sich die Frankfurter Fußballer dennoch, gelten sie nach dem 5:1-Erfolg beim DSC Arminia Bielefeld immerhin als formstärkste Mannschaft in diesem Jahr. 13 Punkte sehen 2021 nun zu Buche, daran reicht in der Bundesliga allein Borussia Mönchengladbach heran. Die Elf vom Niederrhein weist in diesem Zeitraum jedoch ein um vier Tore schlechteres Torverhältnis aus. Sieben Bundesligaspiele ohne Niederlage am Stück sind ihrerseits Bestwert. Vergleichbar gefestigt hatten sich zuletzt auch die Hausherren präsentiert, was den höchsten Frankfurter Bundesligaauswärtssieg seit dem 1. September 2012 bei der TSG Hoffenheim (4:0) umso mehr aufwertet. Oder wie es Makoto Hasebe auf den Punkt brachte: „Bielefeld hatte zuletzt sehr wenige Gegentore bekommen, aber wir haben trotzdem fünf Tore geschossen.“ Und dem zuvor seit 327 Minuten gegentorlosen Aufsteiger somit dessen höchste Heimniederlage seit dem 8. September 1984, ein 2:7 gegen den VfB Stuttgart, zugefügt. Oder wie der kicker titelte: „Silva, Kostic & Co. holen Bielefeld zurück auf den Boden der Tatsachen.“

An über der Hälfte aller Abschlüsse beteiligt: Filip Kostic.

Damit wären zwei Protagonisten des bisher deutlichsten Resultats des Rückrundenstarts auch schon genannt. Es waren beileibe nicht die einzigen und doch die nächstliegenden. Immerhin war Filip Kostic am Ende an acht der 15 Torschüsse direkt beteiligt, je vier Abschlüsse wie Ablagen sind beide top. Insbesondere die 30-Meter-Wumme zum zwischenzeitlichen 2:0 nur 114 Sekunden nach der Führung durch André Silva hatte es in sich. Nicht nur, dass, wie Berechnungen der Bundesligastatistiker ergaben, es mit einem sogenannten Expected Goal-Wert von 0,0195, also rund zwei Prozent, das bisher unwahrscheinlichste Tor dieses Spieltags war. Viel bedeutsamer für den Serben: Es war dessen erster Ligatreffer seit 26 Partien, was nicht nur Adi Hütter in Hochstimmung versetzte: „Es freut mich, dass Filip nach fast einem Jahr ohne Torerfolg getroffen hat. Er hat wieder seinen guten linken Fuß entdeckt. Auch seine Torvorlagen waren sehr gut.“ Vor zwei weiteren Treffern verzeichnete der Linksaußen nämlich den vorletzten Kontakt, wenngleich das Eigentor zum 1:4 offiziell nicht als Assist gilt. Einerlei.

Aus Lehrstunde wird Lerneffekt

In jedem Fall hatten die Hessen damit nach nicht mal einer halben Stunde erneut mindestens zwei eigene Buden verzeichnet, so wie in jedem Punktspiel seit der 1:2-Niederlage in Wolfsburg am 11. Dezember. Auffällig seit längerem, dass es selten dabei bleibt. Oder wie der auf der Alm weitgehend beschäftigungslose Kevin Trapp erklärt: „Wenn man sieht, wie die Jungs selbst beim Stand von 5:1 noch vorne draufgehen, macht das einfach Spaß. Das gehört zu unserer Mentalität.“ Möglicherweise eine Lehre aus dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach vier Tage nach der bis heute letzten Ligapleite in der Autostadt, wie der Torwart durchblicken lässt: „Uns war wichtig, unseren Stil bis zum Schluss durchzuziehen und uns nicht auf das 3:1 zu verlassen.“

Tempo ist sein zweiter Vorname: Erik Durm.

Dem besagten 3:1 vorausgegangen war das 3:0, das nebenbei für den Zahlendreher des Wochenendes sorgte: Erzielt von der Nummer 33 Silva in der 33. Spielminute und gleichbedeutend mit dem 33. Saisontor von Eintracht Frankfurt. Dass Makoto Hasebe derweil mit 33,3 Kilometern pro Stunde den stärksten Sprintwert während den 90 Minuten erreichte – passt ins Bild. In diesem Zusammenhang soll nicht vernachlässigt bleiben, dass neben all den direkt Torbeteiligten, neben Silva und Kostic auch der eingewechselte Luka Jovic sowie Daichi Kamada und Amin Younes, Erik Durm mit Abstand die meisten Sprints anzog: 36. Ein untrüglicher Beleg, dass dem Weltmeister die Verschnaufpause am Mittwoch in Freiburg zumindest nicht geschadet hat, zumal der rechte Flügelflitzer mit seinem beherzten Vorstoß vor dem 3:0 dieses entscheidend auf den Weg brachte.

Was Silva Hölzenbein, Meier und Jovic voraus hat

Umgekehrt war es bemerkenswert, wie selten der Frankfurter Verbund den Hausherren gestattete, zur Grundlinie durchzubrechen, festzumachen nicht allein, aber auch an null (!) Eckstößen zugunsten der Ostwestfalen. Dass den Hessen indessen sieben Schüsse aufs Tor zum höchsten Saisonsieg gereichten: Schlicht Formsache. Hatte Cheftrainer Hütter vor der Partie tatsächlich mit dem Gedanken geliebäugelt, Silva eine Pause zu gönnen, so darf er sich in der gegenteiligen Entscheidung jedenfalls bestätigt sehen. Nach den Saisontreffern 13 und 14, dem vierten Doppelpack 2020/21, ist der Nationalspieler schon jetzt der erfolgreichste Portugiese innerhalb eine Bundesligaspielzeit. Letztmals nach 18 Spieltagen überhaupt so erfolgreich war mit dem Adler auf der Brust Theofanis Gekas. Mit 13 Einschüssen in diesem Zeitraum folgen übrigens Bernd Hölzenbein (1976/77), Alexander Meier (2014/15) – und Luka Jovic (2018/19).

Dass der Rückkehrer nach seiner dritten Einwechslung bereits jetzt mit drei Treffern in dieser Hinsicht einzig Nils Petersen und Krzysztof Piatek vor sich hat, verzückte indirekt auch Hinteregger: „Es ist traumhaft, wenn wir Leute wie Luka Jovic und Sebastian Rode noch einwechseln können. Großes Kompliment an Fredi Bobic, der diesen Kader zusammengestellt hat, das Trainerteam, das uns entsprechend einstellt und die Kollegen, die das letztlich umsetzen.“

Weshalb unterm Strich mit Rang sechs die beste Platzierung seit dem vierten Spieltag, im Oktober grüßte die Eintracht an vierter Stelle, zu Buche steht und Younes euphorisch konstatierte: „Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.“ Hinteregger gibt sich nicht weniger ambitioniert, ist sich aber bewusst: „Wo es hinführt, müssen wir schauen. Es ist alles extrem eng. Qualität haben wir, das haben wir gesehen. Jetzt gilt es, das nächste Spiel gegen die Hertha zu gewinnen, um weiter oben dranzubleiben.“ Jene Hertha, gegen die bis Samstag neben dem 3:1 gegen Schalke der höchste Saisonsieg gelungen war. Dann nach zwei Auswärtsreisen innerhalb von vier Tagen wieder im heimischen Deutsche Bank Park. Nur unweit des im Neubau befindlichen ProfiCamps, das nach der Zustimmung des Ortsbeirat 5 der Stadt Frankfurt voraussichtlich „Im Herzen von Europa 1“ adressiert sein wird. Ansonsten darf das Motto auch weiter lauten: Die Zwei muss stehen.

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