19.10.2020
Bundesliga

Hab-Acht-Stellung

Saisonübergreifend seit acht Spielen unbesiegt und acht Punkte nach vier Spieltagen. Vieles deutet darauf hin, dass die Achterbahnfahrt der Vorsaison der Vergangenheit angehört.

Verlustgefühle

Angst habe er grundsätzlich keine, hatte Adi Hütter auf der Pressekonferenz am Freitag versichert, als er die Möglichkeit eines Knicks nach der Länderspielpause bewerten sollte. Verlustängste also ebenso wenige. Und doch sprach der Cheftrainer nach dem 1:1 beim 1. FC Köln davon, „dass wir mit zwei verlorenen Punkten abreisen.“ „Wir hätten nach unserem Chancenplus insbesondere nach der Pause den Sieg verdient gehabt“, bekräftige im Nachgang auch Bruno Hübner. Die Eindrücke des Sportdirektors decken sich mit den nackten Zahlen: 17 Schüsse, davon zugegeben vier aufs Tor, 51 Prozent gewonnener Zweikämpfe, 75 Prozent Passquote, 59,9 Prozent Ballbesitz. Werte, die unterstreichen, dass die elf Nationalspieler die Reise- und Spielstrapazen bis zum Ende überwinden konnten. „Am Schluss hat es nach den Einsätzen für die Nationalmannschaft wehgetan, aber dafür trainieren und arbeiten wir“, sah es Stefan Ilsanker professionell.

Einstimmiger Tenor

Trotzdem scheint sich die Auffassung in der Medienlandschaft mit der der Fußballer zu decken. Die F.A.Z. schrieb von „Leise[r] Enttäuschung“, die Frankfurter Rundschau machte „Irgendwie ein schlechtes Gefühl“ aus und der kicker empfand die Frankfurter letztlich als „Zu wenig abgezockt“. Bezugnehmend auf letztere Einschätzung meinte auch Hütter: „In der zweiten Halbzeit müssen wir das 2:0 machen, das haben wir nicht geschafft.“ Auch Hübner war sich sicher: „Wenn du das 2:0 durch Kamada machst nach einer guten ersten Halbzeit, dann setzt du Köln den K.-o.“

Debüt in der Domstadt

Doch selbst nach dem überraschenden Ausgleich, „als wir die Räume nicht entscheidend geschlossen haben“, wie Hütter aufzeigte, boten sich mehrere Möglichkeiten auf den dritten Dreier dieser Spielzeit. Beispielsweise Amin Younes, der ab der 69. Minute sein Pflichtspieldebüt für die Hessen feierte. „Das, was Amin Younes in 20 Minuten gezeigt hat, lässt auf vieles hoffen. Es war natürlich zu sehen, dass ihm noch die Spielpraxis fehlt, aber er wird ein anderes Element in unsere Mannschaft bringen. Das hat er mit guten Dribblings und einem gefährlichen Torschuss bereits angedeutet. Mit seinem Auftritt bin ich grundsätzlich zufrieden, ich hätte ihm ein Tor gegönnt“, ordnete Hütter die ersten Eindrücke des gebürtigen Düsseldorfers ein. „Ich bin gerade erst ein paar Tage hier, sodass wir uns erst noch kennenlernen müssen und ich das Gefühl entwickeln muss, wo der Mitspieler hinläuft. Man sieht, dass wir gute Fußballer sind. Ich bin zuversichtlich, dass unser Zusammenspiel noch besser wird“, war auch der 442. Adlerträger der Vereinshistorie überzeugt.

Generell war es dem 27-Jährigen „wichtig ist, dass wir ohne Niederlage nach München fahren.“ Genau genommen ist die Eintracht vor der Herausforderung bei der für Younes „besten Mannschaft der Welt“ mit zwei Siegen und zwei Unentschieden so gut in die Spielzeit gestartet wie seit 2016/17 nicht mehr. Damals waren es sogar neun Zähler. Saisonübergreifend betrachtet warten die Rot-Schwarz-Weißen mit acht ungeschlagenen Begegnungen auf, das 2:1 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals bei 1860 München nicht mal mitgerechnet. Die letzte vergleichbare Erfolgssträhne datiert vom Frühjahr 2019, als die Hessen elfmal in Folge nicht zu bezwingen waren.

Aus Erfahrung gut

Auch weil die Besetzung im Sommer nahezu unverändert und eingespielt geblieben ist, macht sich derzeit Spieltag für Spieltag ein anderes Phänomen bemerkbar. Die in der Domstadt unveränderte Startaufstellung wies einen Altersschnitt von 29,6 Jahren auf, ein vergleichbarer Höchstwert liegt knapp 17 Jahre zurück. Zuvor gegen Hoffenheim waren es 29,5 Jahre, gegen Hertha BSC 29,4 und gegen den DSC Arminia Bielefeld 29,2 Jahre. Konstanz, die sich auf dem Platz widerspiegelt und die Schwankungen der Vorsaison allmählich vergessen lässt.

Und jetzt die Bayern

Aus Erfahrung spricht aus der 31-jährige Ilsanker, wenn er auf das Gastspiel bei den Bayern blickt: „Die Partie in München wird nicht leicht. Aber du kannst immer gewinnen und positiv überraschen. Nach dem harten Spiel müssen wir erstmal regenerieren.“ Weshalb nach dem Auslaufen am Montag am Dienstag trainingsfrei sein wird, ehe Chefcoach Hütter zur Vorbereitung auf den fünften Spieltag bittet. „Mit Blick auf das Spiel in München wären zehn Punkte natürlich super gewesen, aber mit acht Punkten sind wir trotzdem gut aus den Startlöchern gekommen.“ Derweil blicken die Bayern auf acht Heimsiege hintereinander. Einer, aber längst nicht der einzige Grund, weshalb die Eintracht mehr denn je in Hab-Acht-Stellung sein wird.

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