10.05.2020
Historie

Vom Waldstadion zum Deutsche Bank Park – Teil 1

Für die Entwicklung des Sportparks im Stadtwald bedarf es mehr als einer Geschichte. Der erste von drei Teilen widmet sich der Planung und Ausgestaltung bis zum Zweiten Weltkrieg.

Die Frankfurter Arena heißt ab 1. Juli Deutsche Bank Park, wie Eintracht Frankfurt am 1. April dieses Jahres verkündet hat. Vorstandsmitglied Axel Hellmann wertete dies als „starkes Zeichen“ in einer Zeit, in der die Coronapandemie als massiver wirtschaftlicher Bremsklotz wirkt. Mindestens sieben Jahre lang wird die Kooperation andauern, die beiden Partner sind bestrebt, das Areal im Stadtwald zu einer der modernsten und besucherfreundlichsten Sport-, Freizeit- und Begegnungsstätten in Europa zu entwickeln. Am liebsten mit möglichst vielen Eintracht-Siegen. Vor rund 95 Jahren, am 21. Mai 1925, wurde der erste Frankfurter Sportpark an dieser Stelle eröffnet, vor etwa 15 Jahren, am 15. Juni 2005, fand das erste Spiel nach der bis heute vorerst letzten Renovierung statt. Sport, hauptsächlich Fußball, satt über ein knappes Jahrhundert. Grund genug, in einer dreiteiligen Serie auf großen Sport zurückzublicken. Teil eins widmet sich der Planung und der Ausgestaltung bis zum Zweiten Weltkrieg.

Rund 100 Jahre ist es her, als in Frankfurt die Idee aufkam, in der Nähe des Oberforsthauses auf dem Gelände einer ehemaligen Militärschießanlage einen Sportpark zu errichten. Ursächlich dafür waren die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, die 1896 in Athen stattgefunden hatten. Ein Ereignis, das die Sportwelt begeisterte und in vielen Ländern den Wunsch weckte, solche Spiele einmal selbst austragen zu können. In Frankfurt wurde bereits 1897 darüber diskutiert. Daraus wurde zwar nichts, aber der Sport hatte sich trotzdem mehr in den gesellschaftlichen Vordergrund gedrängt. Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 beendete allerdings erst einmal alle Gedankenspiele wohlhabender Frankfurter Bürger abrupt. Elend, Not und Tod regierten die Welt.

Mitgliederboom und Arbeiterolympiade

Dem Krieg folgte ein Sportboom, der die Mitgliederzahlen aller Vereine nach oben katapultierte. Die Stadt Frankfurt reagierte 1920 mit der Bildung eines „Stadtamtes für Leibesübungen“, welches sich um den neuen Trend kümmern sollte. Dort entstanden auch erste konkrete Planungen für einen neuen Sportpark, für den nach längerer Suche schließlich der Platz im Stadtwald auserkoren wurde. Am 25. August 1921 beschloss die Stadtverordnetenversammlung im Römer dessen Bau. Geplant wurden zunächst auf dem 42 Hektar großen Gelände das eigentliche Stadion mit 37.000 Zuschauerplätzen, ein Turn- und Festplatz, ein Radstadion sowie ein Schwimmbad. Doch Finanzkrisen, Inflation und Währungsreform brachten die Arbeiten zunächst ins Stocken. Die Bauarbeiten bekamen erst neuen Schwung, als beschlossen wurde, dass die erste internationale Arbeiterolympiade 1925 in der Mainmetropole stattfinden sollte.

Die Entwürfe stammten von Gartenbaudirektor Max Bromme für die Gesamtanlage und von Stadtbaurat Gustav Schaumann für das Tribünengebäude. Die Gesamtkosten betrugen 3,7 Millionen Mark, heute wären das gut 14 Millionen Euro. Die Tribünen bestanden überwiegend aus Erdaufschüttungen unter Miteinbeziehung des ehemaligen Kugelfangs für die Südtribüne. Lediglich die Haupttribüne an der Nordseite bestand aus Stahlbeton und hatte eine einem antiken griechischen Theater nachempfundene Fassade.

Fußball, Fahrrad, Feste, Schwimmen

Am 21. Mai 1925 wurde das Stadion, bestehend aus einem 120 Meter langen Tribünen- und Verwaltungsgebäude sowie dem von einer 500 Meter langen Laufbahn umgebenen Rasenplatz, offiziell eröffnet. Davor, wo sich heute die Trainingsplätze befinden, war eine riesige Fest- und Spielwiese entstanden, an dem sich das Stadionhotel anschloss. Das Schwimmbad mit einem 100 Meter langem Schwimm- und einem 18 Meter langem Sprungbecken öffnete am 5. Juli, zum Wahrzeichen des Bades wurde der Zehnmeterturm. Das für rund 20.000 Zuschauer ausgelegte Radstadion wurde im September 1925 eingeweiht. Das erste große Fußballspiel bestritt übrigens nicht die Frankfurter Eintracht, sondern der FSV Frankfurt. Die „Bernemer“ verloren am 7. Juni 1925 das Finale um die Deutsche Meisterschaft nach Verlängerung mit 0:1 gegen den Titelverteidiger 1. FC Nürnberg. Ludwig Wieder zerstörte in der 108. Minute alle Frankfurter Träume. So nah sollte der FSV, noch bis zum Zweiten Weltkrieg sportlich zumeist die Nummer eins in Frankfurt, bis heute der Deutschen Meisterschaft nicht mehr kommen. 

Kurz darauf nahmen vom 24. bis 28. Juli 3000 Sportler aus elf Ländern an der Arbeiterolympiade teil. Neben den Wettkämpfen in Fußball, Wassersport oder Turnen gehörte ein „Tag der Massen“, bei dem sich Vertreter der verschiedenen Gruppen des Arbeitersports präsentierten, dazu. Die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege (ZK) zeigte in ihrer Zeitung „Olympiade“ sehr gut auf, um was es bei dieser Veranstaltung gehen sollte – den bürgerlichen Olympischen Spielen Coubertins ein sozialistisches Olympiamodell gegenüber zu stellen: „Unsere Olympiade ist von einem anderen Gedanken getragen, dem Gedanken der Völkerverständigung und -versöhnung. Bei uns ringen nicht Nationen gegeneinander, sondern Sportgenossen aller Länder miteinander. Wir sind alle eines Geistes, eines Wollens und eines Blutes. Wir haben alle denselben Feind: den Kapitalismus, der den Nationalismus erzeugt hat und an seinen Brüsten nährt.“

Zwei Jahre später boxte Max Schmeling gegen den Dänen Robert Larsen. Das Stadion sollte jedoch nicht nur der körperlichen Ertüchtigung dienen. Für Künstler standen in der Haupttribüne Ateliers zur Verfügung. 1928 wurde nordwestlich der Festwiese das Waldtheater eröffnet – eine Freilichtbühne, die 1200 Zuschauern Platz bot.

Triumph und Tragik um Rudolf Harbig

Der Sportpark wurde derweil weiter ausgebaut. Beispielsweise kamen in der südwestlichsten Ecke des Areals auf dem ehemaligen Reitplatz die Wintersporthalle (1927/seinerzeit die größte Turnhalle Deutschlands) mit angrenzender 400-Meter-Laufbahn sowie eine Tennisanlage mit zwölf Hart-, zwei Rasen- und einem zentralen Turnierplatz (1928/zwischen 1989 und 1991 wurde der Center-Court neu gestaltet und mit einem Schaukampf zwischen Steffi Graf und Jana Novotna eingeweiht) hinzu. Auf die erhoffte Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele 1936 musste Frankfurt zugunsten der Hauptstadt Berlin verzichten. Trotzdem wurde 1937 die Zuschauerkapazität durch Ausbau der Gegengeraden auf 55.000 erhöht. Unter den Nazis wurde das jetzt als „Sportfeld“ benannte Waldstadion – der griechische Ursprung des Wortes Stadion war ihnen zu undeutsch – in den 1930er-Jahren für politische Veranstaltungen, vor allem Aufmärsche und Versammlungen mit bis zu 150.000 Teilnehmern genutzt. Einer der letzten sportlichen Höhepunkte vor dem Zweiten Weltkrieg war eine Leichtathletikveranstaltung mit dem schönen Namen „Eintracht“, bei der Rudolf Harbig am 12. August 1939 ein neuer Weltrekord über 400 Meter gelang. Es war ein heißer Tag, auch um 18.30 Uhr schwitzten die 10.000 Zuschauer noch sehr ordentlich. Sie sahen, wie Harbig, nach dem heute zahlreiche Stadien, unter anderem in Bruchköbel und Dresden, benannt sind, wieder einmal zu einem fulminanten Endspurt ansetzte und die Uhren bei 46,0 Sekunden stehen blieben. Knapp drei Wochen später begann der Krieg, dem auch Feldwebel Harbig 1944 an der Ostfront zum Opfer fiel.

Auf dem Frankfurter Sportfeld war jahrelang sportlich Stille. Doch bis 1940 hatte der Betreiber, die 1925 gegründete Stadion GmbH, rund 890.000 Zuschauer gezählt. Eine stolze Zahl, zumal die beiden großen Frankfurter Fußballvereine nur ganz große Spiele im Stadtwald austrugen. Ansonsten spielte die Eintracht weiter am Riederwald, der FSV am Bornheimer Hang.

Was nach Kriegsende bis zum Umbau zur WM-Arena 2006 alles los war, erfahrt ihr im zweiten Teil der Serie.

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