04.06.2020
Bundesliga

Hessiatische Doppelspitze

Während die Eintracht zur Klettertour ansetzt, erklimmt Makoto Hasebe den nächsten persönlichen Gipfel – und bleibt auch als Rekordasiate neben Cha Bum-kun gewohnt bescheiden.

Makoto Hasebe ist seit Mittwoch Rekordasiate der Bundesliga.

Vor zwei Wochen erst besiegelten Eintracht Frankfurt und Makoto Hasebe die Ausweitung ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit bis 2021, eine Funktion als internationaler Botschafter nach dem Ende der Laufbahn ist beschlossene Sache. Doch bis es irgendwann soweit ist, schreibt der Japaner dieser Tage einmal mehr Geschichte. Mit dem Anstoß im Weserstadion kommt der Japaner nämlich am Mittwochabend im zarten Alter von 36 Jahren, vier Monaten und 16 Tagen auf 308 Bundesligaspiele und damit exakt so viele wie Cha Bum-kun. Kein Asiate hat in der Bundesliga jemals mehr Spiele bestritten. „Ich habe davon gehört, das macht mich natürlich Stolz. Cha Bum-kun war ein großer Spieler und ich habe großen Respekt vor ihm“, äußert sich Hasebe, auf den persönlichen Meilenstein angesprochen, in einer Hochachtung, wie sie ihm selbst eher von Landsmännern wie Daichi Kamada entgegenschlägt.

In Nippon genießt Hasebe nämlich nicht erst der Auszeichnung zu Asiens internationalem Fußballer des Jahres 2018 Heldenstatus. Umgekehrt hängt es gewissermaßen auch mit der japanischen Nationalmannschaft zusammen, dass der älteste aktuelle Frankfurter bereits wieder auf wettbewerbsübergreifend 35 Saisonspiele kommt. Darunter zuletzt drei in Folge über 90 Minuten, in denen sieben Punkte heraussprangen. Keine Statistik, die auf altes Eisen, sondern eher auf einen jungen Hüpfer schließen ließe. Als der ehemalige Kapitän der Samurai Blue nämlich 2018 nach 114 Länderspielen seine internationale Karriere für beendet erklärte, geschah dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dem Verein alles unterordnen zu wollen.

Dass Hasebe schon über ein Jahr vor dem Ende seines neuen Vertrags kurz davor steht, Cha sogar hinter sich zu lassen, verdiente sich der moderne Libero indirekt 2016, als er mit Frankfurt die Relegation meisterte und ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein 1. FC Nürnberg, mit dem er 2014 abgestiegen war und daraufhin den Weg an den Main gefunden hatte, offiziell sogar zwei zusätzliche Bundesliga-relevante Begegnungen auf seiner Visitenkarte stehen hat. Genauso übrigens wie die Deutsche Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg 2009 und natürlich den DFB-Pokal 2018.

Für Hasebe gleichwohl kein Grund, abzuheben: „Ich denke, ich werde auf weitere Spiele kommen, werde aber sicher nicht mehr Tore als Cha erzielen können...“, setzt er sich selbst im Verhältnis zu Cha, der während 122 Einsätzen zwischen 1979 und 1983 für die SGE den UEFA-Pokal 1980 sowie den DFB-Pokal 1981 gewann. Den europäischen Triumph konnte er daraufhin 1988 in seinem letzten von fünf Jahren im Trikot von Bayer 04 Leverkusen wiederholen. Cha avancierte damit zum ersten Bundesligaspieler, der mit zwei verschiedenen Vereinen den UEFA-Pokal erringen konnte.

Und nun gemeinsam mit Hasebe nicht nur eine hessiatische Doppelspitze bildet, sondern auch unter allen internationalen Bundesligaakteuren auf Platz 16 liegt – nur zwei Spiele entfernt von Pablo Thiam. Unter sämtlichen noch aktiven Fußballern befindet sich Hasebe gar unter den Top Ten. Steigerung nicht ausgeschlossen.

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