10.05.2021
Bundesliga

Mehr Hoffen als Bangen

Am Sonntag läuft es für Frankfurt gegen Mainz anders als gedacht. Sowohl in tabellarischer als auch in einer speziellen historischen Hinsicht.

Die besten Nachrichten vorweg: Sowohl Mentalität als auch Heimstärke hat sich Eintracht Frankfurt auf der Zielgeraden 2020/21 bewahrt. Die Adler blieben auch im 16. Auftritt im Deutsche Bank Park ungeschlagen, das 1:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 ging zugleich mit dem 21. Punkt nach Rückstand einher. Aber eben auch nicht mehr, sprich: in Form von drei Punkten.

Deshalb entbehrt es durchaus einer gewissen Ironie, dass die Hessen ausgerechnet nach jenem Spielgeschehen, welches sie gemessen an 74,6 Prozent Ballbesitz so deutlich bestimmten wie kein anderes in dieser Spielzeit, einen tabellarischen Kontrollverlust erfuhren. Erstmals seit dem 18. Spieltag zählt Frankfurt nicht zu den ersten Vier und hat entsprechend die Qualifikation für die UEFA Champions League nicht mehr komplett in den eigenen Händen. Einerseits.

Nicht gewonnen, wenig verloren

Andererseits würde der aktuelle fünfte Rang, der bei sechs Zählern Vorsprung auf Bayer 04 Leverkusen rechnerisch freilich noch nicht sicher ist, die beste Bundesligaplatzierung seit 1993/94 bedeuten. Weshalb Adi Hütter die Enttäuschung über den Ausgang des Rhein-Main-Duells zwar anzumerken war, aber gleichzeitig betonte: „Wir haben schon sehr viel gewonnen, sind nächstes Jahr wieder international dabei. Aber natürlich möchten wir nach den Sternen greifen.“ Anders gesagt: Vor dem 32. Spieltag war die Königsklasse genauso wenig gesichert wie sie bei einem beziehungsweise drei Punkten Rückstand auf Dortmund und Wolfsburg auf einmal außer Reichweite wäre.

Anders als gedacht verlief der Arbeitstag auch in anderer Hinsicht. Es hatte wenig Phantasie dazu gehört, dass André Silva mit seinem 26. Saisontreffer den Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein einstellen würde. Ist nicht geschehen und trotzdem waren die Torjäger der Gegenwart und Vergangenheit hinterher in indirektem Zusammenhang zu sehen.

Traf als dritter Australier im Trikot von Eintracht Frankfurt: Ajdin Hrustic.

Weil nämlich der Portugiese in der 85. Minute auf Umwegen die Vorarbeit zum Ausgleich beisteuerte und Ajdin Hrustic unorthodox sitzend das Leder über Freund und Feind hinweg in die Maschen hob, fühlten sich die Älteren unweigerlich an Holz‘ Sitzkopfballtreffer in Bukarest 1979 erinnert. Parallelen auf dem Weg zum ersten und einzigen UEFA-Pokal-Sieg vor 41 Jahren – ausgerechnet am offiziellen Europatag.

Derlei Zusammenhänge waren für den Sommerneuzugang im Moment des Jubels zunächst zweitrangig. „Ich bin auf der einen Seite glücklich wegen meines Treffers, aber natürlich hätte ich mir drei Punkte gewünscht. Ich habe gesehen, dass mein erster Schuss blockiert wurde, habe dann den Ball wieder vor meinem Körper gesehen und einfach mein Glück versucht“, schilderte der 24-Jährige sein erstes Bundesligator im Nachgang. Die Nummer sieben reihte sich mit seinem improvisierten Zauberstück übrigens in die kurze Reihe an Australiern ein, die vor ihm mit dem Adler auf der Brust aufgelaufen waren und getroffen hatten: Ned Zelic (17 Einsätze, ein Tor) und David Mitchell (37/7).

Sebastian Rode konnte nach einer halben Stunden wegen Adduktorenproblemen nicht mehr weiterspielen.

Dass der zentrale Mittelfeldakteur überhaupt erstmals länger als eine Halbzeit zum Zuge kam, hing damit zusammen, dass Sebastian Rode nach einer halben Stunde angeschlagen nicht mehr weitermachen konnte. „Als Sebastian Rode wegen Adduktorenproblemen raus musste, habe ich gleich an Ajdin gedacht“, erklärte Hütter auf der Pressekonferenz die Hintergründe des frühen Tauschs. „Ajdin trainiert seit Wochen sehr gut. Er ist ein kreativer Spieler, hat einen guten linken Fuß, tritt gute Standards. Er hat sich selbst belohnt mit diesem spektakulären Treffer. Mal sehen, wie wertvoll dieses Tor noch sein kann.“

Zumal die schlussendliche Punkteteilung zwar kurzfristig nicht im Sinne des Gastgebers war, aber zugleich im Kontext damit zu sehen ist, dass die Rheinhessen seit nun neun Partien nicht verloren haben, so lange wie kein anderer deutscher Erstligist. Nicht Borussia Dortmund und nicht der VfL Wolfsburg, die an den letzten beiden Spieltagen nacheinander auf die Nullfünfer treffen werden. Dessen ist sich Kevin Trapp nur zu gut bewusst: „Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand, aber immer noch ist alles möglich. Wir müssen weiter daran glauben, es noch zu schaffen.“

Eigene Erfolgserlebnisse auf Schalke und gegen Freiburg vorausgesetzt kann sich die Eintracht dem Sportsgeist des Regionalnachbarn sicher sein. „Wir treten nicht an, um irgendeinem Gegner ein Bein zu stellen. Es geht uns rein darum, dass wir versuchen, das Beste für den Verein zu erreichen“, betonte Gästetrainer Bo Svensson, der seine Truppe nebenbei zumindest vor dem direkten Abstieg bewahrt hat. Szenarien, die in Frankfurt erst fünf Jahre und dennoch gefühlt Lichtjahre zurückliegen. Auch deshalb gilt bis Mitte Mai: Hoffen ja, Bangen nein.

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