01.04.2021
Bundesliga

Rasselbande mit Routine

Vorne toben sich die Hochtalentierten aus, hinten sorgen die Etablierten für Stabilität. Ein Plan, der dem Praxistest nicht immer standhält. Borussia Dortmund im Check.

Situation: Noch (fast) alle Möglichkeiten

Mit 43 Punkten nach 26 Spieltagen rangiert Borussia Dortmund aktuell auf Tabellenplatz fünf, der Rückstand auf die Eintracht beträgt vier Punkte. Die Schwarz-Gelben waren mit vier Punkten aus den ersten vier Partien holprig in die Rückrunde gestartet, auf zwei Siege beim FC Schalke (4:0) und gegen Arminia Bielefeld (3:0) folgte eine 2:4-Pleite gegen den FC Bayern München. Nach Siegen gegen Borussia Mönchengladbach im Viertelfinale des DFB-Pokals (1:0) und Hertha BSC in der Liga (2:0) schien der BVB zuletzt wieder in die Spur gefunden zu haben, doch mit dem glücklichen Last-Minute-2:2 in Köln vor der Länderspielpause war die Borussia alles andere als zufrieden. „Schlussendlich waren es zu viele Fehler. Wir haben falsche Entscheidungen getroffen; das darf uns nicht passieren, gerade auch wenn man die vergangenen Wochen gesehen hat. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen“, erklärte Torhüter Marwin Hitz nach dem Abpfiff.

Borussia Dortmund 2020/21
Kompakt13 Siege, 4 Unentschieden, 9 Niederlagen, 54:37 Tore, 43 Punkte, Tabellenplatz 5
FormkurveS-S-N-S-U
TorschützenHaaland (21), Sancho (6), Guerreiro (3), Hummels (3), Moukoko (3), Reus (3), Reyna (3), Akanji (2), Brandt (2), Can (1), Dahoud (1), Delaney (1), Hazard (1), Meunier (1), Passlack (1), Reinier (1)

Während die Westfalen ihren Ambitionen im deutschen Oberhaus noch hinterherhinken – 43 Punkte nach 26 Runden sind elf weniger als zum Vergleichszeitpunkt der Vorsaison – läuft es in den Pokalwettbewerben bisher wunschgemäß. Im DFB-Pokalhalbfinale trifft der BVB auf Holstein Kiel, im Viertelfinale der UEFA Champions League hat die Borussia mit Manchester City als Gegner ein ordentliches Brett vor der Brust. Bereits bis Ende März war in Dortmund wie allen Bundesligastandorten international das große Stichwort. Während in Frankfurt insgesamt 13 Einladungen zu den Nationalmannschaften ins Haus geflattert kamen, verzeichnete Dortmund zehn Nominierungen: Manuel Akanji (Schweiz), Jude Bellingham (England), Thomas Delaney (Dänemark), Raphael Guerreiro (Portugal), Erling Haaland (Norwegen), Thorgan Hazard, Thomas Meunier (Belgien), Giovanni Reyna (Vereinigte Staaten) Emre Can (Deutschland) und Youssoufa Moukoko (Deutschland U 21). Die beiden Letztgenannten sind angeschlagen beziehungsweise verletzt zurückgekehrt.

Trainer: Erstmals Chef

Edin Terzic übernahm den Cheftrainerposten in Dortmund am 13. Dezember 2020 von Vorgänger Lucien Favre, nachdem der BVB im eigenen Stadion mit 1:5 gegen den VfB Stuttgart verloren hatte. Als Fußballprofi spielte der 38-Jährige in der Ober- und Regionalliga, seine Trainerkarriere nimmt mit seiner ersten Station als Chefcoach aktuell Form an. Bereits während seiner aktiven Laufbahn als Spieler war Terzic Scout sowie Jugendtrainer bei Borussia Dortmund tätig. In seiner Zeit als Spielerbeobachter fanden unter anderem Robert Lewandowski, Shinji Kagawa, Lukasz Piszczek, Ilkay Gündogan, Marco Reus und Nuri Sahin den Weg ins Ruhrgebiet.

Edin Terzic darf in dieser Spielzeit erstmals das Zepter schwingen und dann gleich in der Bundesliga.

Zwischen 2010 und 2013 war der Deutsch-Kroate sowohl für die U16, U17 und U19 als auch die zweite Mannschaft der Dortmunder als Co-Trainer tätig. Im Juli 2013 heuerte Terzic als Assistent von Slaven Bilic bei Besiktas Istanbul an, zwei Jahre später folgte er seinem Kollegen zu West Ham United in die Premier League. Im November 2017 trennten sich die Wege des Gespanns und des englischen Erstligisten aufgrund von ausgebliebenen Ergebnissen und des Abrutschens auf einen Abstiegsplatz. Nach mehrmonatiger Vereinslosigkeit kehrte der Fußballlehrer zu Borussia Dortmund zurück und stand in 110 Partien als Assistenzcoach von Lucien Favre an der Seitenlinie. Seit Dezember 2020 ist Terzic nun erstmals als Chefcoach im Einsatz, in seinen ersten 20 Pflichtspielen holte die Borussia im Schnitt 1,85 Punkte. Mitte Februar 2021 gab der BVB die Verpflichtung von Marco Rose von Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach als Cheftrainer für die neue Saison bekannt, woraufhin sich Terzic bereiterklärte, ab Sommer auf den Co-Trainer-Posten zurückzukehren.

Taktiktafel: Talentiert, temporeich, treffsicher

Seit dem Trainerwechsel im Dezember 2020 agiert Dortmund vorzugsweise im 4-2-3-1-System. In der Viererkette kamen zuletzt mit Nico Schulz, Mats Hummels, Emre Can und Thomas Meunier überaus erfahrene Kräfte zum Einsatz. Raphael Guerreiro befindet sich wieder im Mannschaftstraining und könnte Schulz auf der linken Seite verdrängen. Beim 2:2 in Köln startete der BVB am vergangenen Spieltag mit drei seiner Youngster. Hinter Stürmer Erling Haaland (20) spielten auch Giovanni Reyna (18) und Jude Bellingham (17) von Beginn an. Im Mittelfeld glänzt momentan Ballverteiler Mo Dahoud, die übrigen zwei Offensivplätze wurden vor der Länderspielpause Thorgan Hazard und Julian Brandt zuteil. Darüber hinaus steht Kapitän Marco Reus wieder zur Verfügung, er könnte am Ostersamstag in die Startelf zurückkehren.

Dortmunds Topscorer: Erling Haaland.

Auch unter Coach Edin Terzic sind die Dortmunder extrem spielstark, versuchen die meisten Situationen aus der eigenen Hälfte heraus flach zu lösen und weisen mit 85 Prozent die beste Passquote der Liga auf – bei insgesamt 16.585 Zuspielen, ebenfalls spitze. Die Stärken des BVB liegen vor allem im schnellen Umschaltspiel, der Sturm um Zielspieler und Topscorer Haaland ist prädestiniert für temporeiche Gegenstöße. Der Shootingstar ist brandgefährlich und macht auch aus wenig viel, in 21 Saisonspielen netzte der Norweger bereits 21 Mal. Nach Ballgewinn zögern die Schwarz-Gelben nicht lange und suchen direkt den nächsten freien Mann in der Offensive. Und davon finden sich in der laufenden Spielzeit einige: 16 verschiedene Torschützen kann kein anderer Klub von sich beanspruchen.

Zwei Probleme hat Dortmund trotzdem noch: 14 Gegentore nach Standards überbieten nur drei weitere Teams, sechs nach Eckbällen sind der zweithöchste Wert der Bundesliga. Nichtsdestotrotz müssen sich die Gäste auf reichlich Gegenwehr gefasst machen, denn: Bei 53 Prozent gewonnenen Zweikämpfen kann den Schwarz-Gelben kein anderer Kontrahent das Wasser reichen.

Spieler im Fokus: Mahmoud Dahoud

Er ist einer der BVB-Akteure, die am meisten vom Dortmunder Trainerwechsel profitiert haben. Mahmoud „Mo“ Dahoud blüht unter Terzic auf der Sechserposition auf, ist Ideengeber beim Spielaufbau und arbeitet aggressiv gegen den Ball. Der 25-Jährige wechselte im Sommer 2010 von der Düsseldorfer in die Mönchengladbacher Jugend. Bei der Elf vom Niederrhein spielte sich der zentrale Mittelfeldakteur schnell in den Fokus, 2013 rückte er zu den Profis auf. Für die Gladbacher Borussia kam Dahoud in 86 Pflichtspielen zum Einsatz, erzielte acht Tore und bereitete 16 Treffer vor.

Mahmoud Dahoud hat seinen Platz im BVB-Ensemble gefunden.

Im Juli 2017 folgte als frischgebackener U21-Europameister der Schritt in die einstige Industriemetropole, gegen den 1. FC Köln lief er unlängst zum 90. Mal im BVB-Dress auf. Obwohl der zweimalige deutsche A-Nationalspieler beim BVB unter seinem ehemaligen Gladbach-Trainer Lucien Favre zum Zuge kam, ließ der endgültige Durchbruch zum Leistungsträger auf sich warten. In seiner ersten Spielzeit kam der 1,78-Meter-Mann noch auf 23 Ligaeinsätze, in den beiden darauffolgenden Spielzeiten waren es nur 14 und zwölf. Auch die aktuelle Saison verlief zunächst schwankend, in den ersten sieben Ligapartien unter Terzic spielte Dahoud nicht eine Minute. Seit dem 19. Spieltag stand der Halbsyrer jedoch in jeder Begegnung auf dem Feld, zuletzt spielte er fünfmal in Folge von Beginn an. Dabei glänzte er nicht allein als Taktgeber, sondern nicht weniger als Arbeitsbiene: 12,46 gelaufene Kilometer pro Partie zählen in der Beletage zur höchsten Kategorie, zudem bringt er 88 Prozent seiner Pässe an den Mann. Gegen Arminia Bielefeld gelang Dahoud Ende Februar auch sein erstes Saisontor.

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