23.04.2021
Historie

„Bei dieser Hymne fängst du sofort Feuer“

Er erlebte Abstiegskampf mit der Eintracht und Champions League mit Leverkusen. Thomas Reichenberger über das Duell seiner Ex-Klubs, seine Karriere nach der Karriere und einen Videogruß an Bruno Hübner.

Thomas, die Eintracht spielt am Samstag in Leverkusen. Wie geht’s aus?
Leverkusen war tatsächlich mein Lieblingsverein in der Kindheit. Heute habe ich aber keinen mehr. Wie immer hoffe ich bei meinen Ex-Vereinen, dass alle erfolgreich sind. Denn ein bisschen was bleibt immer. Also am besten kommen beide ins internationale Geschäft, Cottbus steigt wieder auf und Osnabrück nicht ab (lacht). Als Zuschauer würde ich natürlich am Samstag gerne ein schönes Fußballspiel sehen.

Wie beobachtest du die Eintracht heute?
Ich war 2018 beim Pokalfinale, durfte hinter den Kulissen bei einem Partner dabei sein. Es hat sehr viel Spaß gemacht, für die Eintracht hat’s mich natürlich sehr gefreut. Aktuell spielt sie auf hohem Niveau und kann nach dem DFB-Pokalsieg den nächsten ganz großen Wurf schaffen. Das Selbstvertrauen ist da, die Eintracht steht nicht umsonst vor dem 31. Spieltag in der Tabelle vor Leverkusen.

Pokalsiegertrainer Niko Kovac war einst dein Teamkollege in Leverkusen. Wie siehst du die Situation bei Bayer heute?
Sie hatten eine Phase, in der sie kein Bein auf den Boden bekommen und viele Punkte liegengelassen haben. Jetzt haben sie sich stabilisiert, unabhängig von Bayern-Spiel. Ich erwarte ein offenes Spiel, beide können gewinnen. Es kommt darauf an, wer besser ins Spiel findet.

Aktuell spielt die Eintracht auf hohem Niveau und kann nach dem DFB-Pokalsieg den nächsten großen Wurf schaffen.

Thomas Reichenberger

Welche Veränderungen siehst du in Leverkusen nach dem Trainerwechsel?
Für die Spieler geht es von null los. Sie haben die Qualität, Tempo und als Mannschaft das Potential für mehr als das, was die Tabelle aktuell aussagt. Wenn Hannes Wolf die Jungs im Kopf erreicht, können sie viel erreichen. Jetzt geht es aber nur noch darum, den Platz auf den internationalen Rängen zu sichern.

Gehen wir mal deine Karriere durch, bis du über Leverkusen zur Eintracht gekommen bist. Nahe der hessischen Grenze bist du geboren, in Bad Kreuznach. Dort hast du auch gespielt und bist über Bingen zu Wehen Wiesbaden gekommen. Bruno Hübner war zu deiner Zeit auch dort.
Ich hatte dort zwei erfolgreiche Jahre, wir sind aufgestiegen. Danach sind wir beide weiter nach oben auf der Ligenleiter geklettert. Bruno zunächst mit Wehen und ich mit meinem Wechsel nach Leverkusen. Ich habe ihm kürzlich zum 60. Geburtstag gratuliert. Moppes Petz hat Videobotschaften eingesammelt und mich angesprochen. Da habe ich natürlich gerne mitgemacht.

Wie du schon angesprochen hast, bist du 1997 nach Leverkusen gewechselt. Wie war deine Zeit unter dem Bayer-Kreuz?
Leverkusen war meine erste größere Station. Ich habe zunächst ein Jahr bei den Amateuren gespielt. Insgesamt war es eine spannende Zeit für mich als junger Spieler. Bei den Profis kam ich zwar nicht so zum Zuge, aber das hatte seine Gründe. Wir haben meistens mit einem Stoßstürmer gespielt, und ich hatte Ulf Kirsten vor mit. Da muss man die Kirche mal im Dorf lassen und froh sein, dass ich die Nummer zwei war. Dennoch wollte ich irgendwann mehr und bin daher gewechselt.

Das Selbstvertrauen ist da, die Eintracht nicht chancenlos. Sie stehen nicht umsonst am 31. Spieltag in der Tabelle vor Leverkusen.

Thomas Reichenberger

In Leverkusen durftest du allerdings etwas hören, nach dem sich alle Adlerträger aktuell sehnen: Die Hymne der Champions League!
Ich erinnere mich, als ich noch bei den Amateuren war und beim ersten Mal überraschend von Christoph Daum nachnominiert wurde. Das war gegen Monaco. Ich habe mich in der zweiten Halbzeit neben Thierry Henry warmgemacht. Das ist ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Und zur Hymne: Eigentlich bin ich kein Nostalgiker, aber diese Hymne bleibt immer hängen. Da fängst du sofort Feuer. Später durfte ich auch zwei Mal von Beginn an ran, das sind die großen Tage im Fußballerleben. 

Das war in der berühmten Saison mit drei zweiten Plätzen für Bayer, in der du aber im Winter zur Eintracht gewechselt bist. Ziemlich genau zwei Jahre warst du bei uns. Wie war die Zeit am Riederwald?
Felix Magath hat einen schnellen und großen Stoßstürmer gesucht – und mich gefunden (lacht). Ich kam im Paket mit Dirk Heinen. Die Zeit war genauso wechselhaft wie die Ergebnisse zu dieser Zeit. Abstiegskampf gewonnen, bei den Bayern gewonnen, Abstiegskampf verloren und dann ein durchschnittliches erstes Halbjahr in der zweiten Liga. Im ersten halben Jahr war ich nicht der große Torjäger, aber ein Kämpfer und wir hatten ein cooles Team. Mit diesem haben wir gegen Ulm am letzten Spieltag die Klasse gehalten. Im ersten Halbjahr der Folgesaison habe ich vernünftig getroffen und hatte das Gefühl, das Schwung bei mir reinkommt. Eine Verletzung am letzten Spieltag der Hinrunde in Stuttgart hat mich ausgebremst. Ich war einige Wochen verletzt, es gab intern ein paar Wechsel und ich war nach meiner Rückkehr vielleicht nicht mehr gut genug. Wir sind abgestiegen, in der zweiten Liga habe ich dann kaum gespielt.

Die Folge war erneut ein Winterwechsel.
Es ging nach Cottbus. Eine spannende und menschlich geile Zeit. Jede Station war wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung.

Felix Magath hat einen schnellen und großen Stoßstürmer gesucht – und mich gefunden.

Thomas Reichenberger

Den zwei kurzen Intermezzi in Cottbus und Uerdingen folgte das Engagement beim VfL Osnabrück, bei dem du letztlich nach vielen Jahren deine Karriere beendet hast.
Hier bin ich sesshaft geworden. Zunächst hatte ich einen Anschlussvertrag und habe sowohl auf der Geschäftsstelle als auch im Lizenzspielerbereich reingeschnuppert. Danach habe ich eine Agentur gegründet. Es war immer mein Traum, mein Netzwerk irgendwann für mich zu nutzen. Wir organisieren Events rund um den Fußball und mittlerweile auch andere Sportarten, bei denen wir auch Netzwerke bedienen und Menschen zusammenführen. Außerdem bieten wir unter anderem Fußballcamps an. Aktuell liegt viel auf Eis, wir planen aber für den Sommer die üblichen Events.

Wie hat sich die Pandemie sonst noch ausgewirkt?
Wir haben beispielsweise Darts für uns entdeckt und planen Events für Amateure, das macht richtig Laune. Aktuell spielen wir mit 32 Mann ein Turnier aus. Natürlich Corona-konform, maximal zwei Spieler gegeneinander.

Spielst du auch mit?
Ja. Ich bin manchmal sogar nervöser als auf dem Fußballplatz früher (lacht).

Was machst du ansonsten, um dich fit zu halten?
Kicken macht mir natürlich weiterhin Spaß und die Knochen machen es noch mit. Ich bin in mehreren Verteilern drin, zum Beispiel bei den Traditionsmannschaften von Bayer 04 oder des VfL Osnabrück. In unserem Dorfverein spiele ich in der Ü40, manchmal auch in der Ü32. Aktuell ist das natürlich nicht möglich. Die Reibung, der Wettkampf, das fehlt mir. Ich gehe dafür joggen, fahre Fahrrad, mache Übungen für mich. Man muss was tun, sonst rostet man ein. Aber natürlich vermisse ich das Kicken. Warmmachen war schließlich früher schon doof, also ist Joggen eigentlich nicht mein Favorit (lacht).

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