22.04.2021
Bundesliga

Zwei Gesichter

Leverkusen ist optimal in die Saison gestartet. Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase möchte Bayer wieder an die alte Stärke anknüpfen.

Situation: Abwärtstrend gestoppt

Bayer 04 Leverkusen zeigt in dieser Saison zwei verschiedene Gesichter. Nach einem starken ersten Saisondrittel inklusive zwischenzeitlicher Tabellenführung ereilte die Werkself eine Ergebniskrise. Angefangen mit der ersten Saisonniederlagen im letzten Spiel 2020, als Bayer sich nach einem Gegentor in der Nachspielzeit Bayern München 1:2 geschlagen geben musste. Zum Jahresauftakt 2021 verlor Leverkusen in Frankfurt (1:2), von den anschließenden zwölf Ligapartien gewannen die Rheinländer drei: 2:1 gegen Borussia Dortmund, 5:2 gegen den VfB Stuttgart und 1:0 bei Borussia Mönchengladbach. Danach folgten wiederum Niederlagen gegen Arminia Bielefeld (1:2) und bei Hertha BSC (0:3).

Zudem schied Bayer sowohl im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Regionalligist Rot-Weiss Essen (1:2 nach Verlängerung) als auch in der Zwischenrunde der UEFA Europa League gegen den BSC Young Boys (3:4; 0:2) aus. Die Verantwortlichen trennten sich daraufhin von Chefcoach Peter Bosz und bestimmten mit Hannes Wolf einen Interimstrainer für die verbleibenden acht Runden. Mit einem 2:1 gegen Schalke 04, einem torlosen Remis bei der TSG Hoffenheim und einem 3:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln blieb Wolf in den ersten drei Partien ungeschlagen, ehe seine Mannschaft am Dienstagabend in München die erste Niederlage hinnehmen musste (0:2).

Bayer Leverkusen 2020/21
Kompakt13 Siege, 8 Unentschieden, 9 Niederlagen, 48:34 Tore, 47 Punkte, Tabellenplatz 6
FormkurveN-S-U-S-N
TorschützenAlario (10), Schick (9) Bailey (8), Diaby (4), Wirtz (4), Demirbay (3), Amiri (2), Baumgartlinger (2), Dragovic (1), Gray (1), Tah (1), Tapsoba (1), Weiser (1)

Leverkusen rangiert derzeit auf Platz sechs, hat fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenfünften Borussia Dortmund und vier Punkte Vorsprung auf Platz sieben, den aktuell Borussia Mönchengladbach innehat. Auch wenn mit 47 Punkten nach 30 Spieltagen die geringste Ausbeute seit 2016/17 zu diesem Zeipunkt zu Buche steht, hat die Werkself die erneute Teilnahme am europäischen Wettbewerb weiter in der eigenen Hand.

Trainer: Klopps Schützling

Hannes Wolf übernahm den Cheftrainerposten in Leverkusen Ende März von Vorgänger Peter Bosz. Dem ehemaligen Stürmer blieb die große Profikarriere verwehrt, seine Trainerlaufbahn nahm dagegen im Ruhrgebiet schnell Fahrt auf. Als Spielertrainer des ASC 09 Dortmund wurde der gebürtige Bochumer 2009 beim Dortmunder Sportlerball als „Amateur-Trainer des Jahres“ geehrt. Damals anwesend: Jürgen Klopp, seinerzeit BVB-Cheftrainer, der sich „schockverliebt“ zeigte und Wolf kurz darauf als Co-Trainer der zweiten Mannschaft engagierte. Zwischen 2010 und 2016 war der heute 40-Jährige als Chefcoach sowohl für die U17, die U19 als auch die U23 tätig.

Hannes Wolf trainiert die Werkself interimsweise bis Saisonende.

Anschließend heuerte Wolf, der ein abgeschlossenes Sportstudium in der Tasche hat, beim aus der Bundesliga abgestiegenen VfB Stuttgart an, mit dem ihm auf Anhieb der angestrebte Wiederaufstieg gelang. Aufgrund ausgebliebener Ergebnisse im zweiten Jahr trennte sich der VfB im Januar 2018 von Wolf, der neun Monate später beim Hamburger SV seine nächste Aufgabe antrat. Trotz einer starken Hinrunde inklusive Herbstmeisterschaft gelang ihm mit dem HSV nicht der erneute Aufstieg.

Nach fünfmonativer Vereinslosigkeit zog es den gebürtigen Bochumer erstmals ins Ausland. Die Station beim belgischen Erstligisten KRC Genk war allerdings von überschaubarem Erfolg geprägt. Im Oktober 2020 wurde Wolf zum Cheftrainer der deutschen U18-Nationalmannschaft ernannt. Da die Nachwuchsteams aktuell nicht spielen, konnte er jüngst den Interimsposten bei Bayer 04 übernehmen. „Leverkusen gehört seit vielen Jahren zu den reizvollsten Adressen im deutschen Fußball. Hier gibt es ein höchst ambitioniertes Umfeld und eine sehr talentierte, spannende Mannschaft. Wir haben alle Möglichkeiten, ins internationale Geschäft zu kommen“, verströmte Wolf bei Amtsantritt Zuversicht.

Taktiktafel: Konter und Ecken als Erfolgsrezept

Während Bayer unter Bosz vorwiegend im 4-3-3 unterwegs war und teilweise mit einer Dreierkette variierte, setzt Coach Wolf fest auf ein 3-4-2-1-System. Zwischen den Pfosten ist der ehemalige Adlerträger Lukas Hradecky gesetzt, der zwischen Februar und März aufgrund von Achillessehnenproblemen einige Wochen ausfiel. Die Abwehrreihe bildeten zuletzt Edmond Tapsoba, Sven Bender und Jonathan Tah, alternativ kam in den Spielen zuvor Tin Jedvaj zum Einsatz. Am Dienstagabend liefen Daley Sinkgraven und Jeremie Frimpong auf den Außenpositionen auf, im zentralen Mittelfeld waren unter Wolf bislang der 22-jährige Exequiel Palacios und Charles Aranguiz gesetzt. Gut möglich, dass der B04-Kapitän am Samstag eine Pause erhält, ihn könnte Kerim Demirbay ersetzen.

Jonathan Tah, hier im DFB-Pokalspiel gegen die Eintracht, kommt unter Hannes Wolf in der neuen Dreierabwehrkette zum Zug.

Im Angriff bieten sich dem Chefcoach reichlich Optionen. Als einzige Spitze stürmt entweder Lucas Alario oder Patrik Schick. Die zwei weiteren Offensivposten besetzten zuletzt Leon Bailey und Moussa Diaby, mit Youngster Florian Wirtz, Karim Bellarabi und Nadiem Amiri stehen weitere Alternativen bereit. Leverkusen definiert sich vordergründig über sein Umschaltspiel, das die Mannschaft dank ihrer zahlreichen pfeilschnellen Spieler mit extrem viel Tempo auf den Platz bekommt. Das belegen auch die Zahlen: Sieben Kontertore sind geteilt mit dem VfB Stuttgart der Topwert der Liga, 22.575 intensive Läufe sind die drittmeisten. Und mit Bailey, Diaby und Frimpong stellt Leverkusen gleich drei der sieben schnellsten Akteure der Bundesliga.

Zudem erzielte die Werkself bereits neun Treffer nach einem Eckball, so viele wie kein anderes Team im deutschen Oberhaus. Aber: 48 Tore sind mit Abstand die wenigsten aller Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Dafür stellt Bayer die drittbeste Defensive der Liga und zeigt sich neben der eigenen Standardstärke unbeeindruckt von gegnerischen ruhenden Bällen. Mit lediglich drei Gegentoren nach einer Standardsituation kassierten die Leverkusener die ligaweit wenigsten, nach einem Eckball trafen die Gegner in dieser Saison sogar noch gar nicht.

Spieler im Fokus: Moussa Diaby

Moussa Diaby durchlief sämtliche Jugendabteilungen von Paris Saint-Germain. 2018 reifte er beim französischen Abonnementmeister zum Profi. Im darauffolgenden Jahr zog es den Flügelflitzer zu Bayer Leverkusen in die Bundesliga. Für die Werkself bestritt der Franzose bislang 78 Pflichtspiele.

Moussa Diaby wird aufgrund seiner Schnelligkeit auch am Samstag die Eintracht-Abwehr vor einige Herausforderungen stellen.

Der offensive Außenbahnspieler überzeugt mit seiner enormen Schnelligkeit, sein Saisontopwert von 35,57 Kilometern pro Stunde ist der sechstbeste der Liga. Zudem brilliert der 21-Jährige, der sowohl auf Links- als auch auf Rechtsaußen einsetzbar ist, mit seinen leichtfüßigen Dribblings und zahlreichen Torbeteiligungen. Mit acht Assists ist Diaby Leverkusens Topvorlagengeber, seine insgesamt zwölf Scorerpunkte übertrifft teamintern einzig Leon Bailey (15). In der vergangenen Saison erzielte der elfmalige französische U21-Nationalspieler acht Treffer und bereitete acht weitere vor. In seinem zweiten Jahr unterm Bayer-Kreuz bringt es der Allrounder wettbewerbsübergreifend auf zehn Tore und elf Assists. Dabei verpasste er in der aktuellen Spielzeit lediglich zwei Partien.

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