25.11.2020
Bundesliga

Die Mär vom schweren zweiten Jahr

Die Neuzugänge haben sofort eingeschlagen und hieven das Niveau auf die nächste Stufe. Nicht nur offensiv sorgt Union Berlin in der Liga für Wirbel – auch die Abwehr wirkt sattelfest.

Situation: Bodenständiges Überraschungsteam

Mit 15 Zählern steht Union Berlin nach acht Spieltagen auf Platz fünf in der Tabelle und widerlegt das Klischee, wonach für Aufsteiger das zweite Jahr am schwersten sei, bisher eindrucksvoll. Nach der 1:3-Auftaktpleite gegen den FC Augsburg punkteten die Eisernen in jeder Partie, zuletzt ging der FCU gegen die TSG Hoffenheim (3:1), Arminia Bielefeld (5:0) und den 1. FC Köln (2:1) dreimal in Folge als Sieger vom Platz. 18 Tore der Köpenicker sind aktuell die drittmeisten der Liga und auch die acht Gegentreffer unterbieten nur zwei Teams. Die erste Saison im Oberhaus beendete Union auf Tabellenplatz elf, zu Beginn der aktuellen Spielzeit hat der Verein erneut den Klassenerhalt als Ziel ausgerufen. Und obwohl sich die Eisernen bislang so formstark präsentieren, möchte Trainer Urs Fischer nichts von Europapokal- oder ähnlichen Ambitionen hören: „Es ist doof und dumm, über Europa nachzudenken.“ Die Köpenicker sind ihrem ausgerufenen Ziel aktuell einiges voraus, während Hauptstadtrivale Hertha BSC sich aktuell im unteren Tabellendrittel wiederfindet. Am nächsten Spieltag steht das Berliner Derby auf dem Programm, gegen die Eintracht möchte der FCU seine Ausgangslage vor dem Stadtduell weiter verbessern.

Union Berlin 2020/21
Kompakt4 Siege, 3 Unentschieden, 1 Niederlage, 18:8 Tore, 15 Punkte, Tabellenplatz 5
FormkurveU-U-S-S-S
TorschützenKruse (4), Andrich (2), Friedrich (2), Pohjanpalo (2), Teuchert (2), Awoniyi (1), Becker (1), Bülter (1), Endo (1), Ingvartsen (1), Schlotterbeck (1)

Die erste Saison im Oberhaus beendete Union auf Tabellenplatz elf, zu Beginn der aktuellen Spielzeit hat der Verein erneut der Klassenerhalt als Ziel ausgerufen. Und obwohl sich die Eisernen bislang so formstark präsentieren, möchte Trainer Urs Fischer nichts von Europapokal- oder ähnlichen Ambitionen hören: „Es ist doof und dumm, über Europa nachzudenken.“ Die Köpenicker sind ihrem ausgerufenen Ziel aktuell einiges voraus, während Hauptstadtrivale Hertha BSC sich aktuell im unteren Tabellendrittel wiederfindet. Am nächsten Spieltag steht das Berliner Derby auf dem Programm – gegen die Eintracht möchte der FCU seine Ausgangslage vor dem Stadtduell weiter verbessern.

Trainer: Ruhiger Zeit- und Eidgenosse

Seine aktive Spielerkarriere verbrachte Urs Fischer von 1983 bis 2003 in der Schweizer Super League. Zwischen 1987 und 1995 stand der ehemalige Innenverteidiger acht Jahre beim FC St. Gallen unter Vertrag. Zuvor war er in der Jugend des FC Zürich groß geworden, hatte dort seine Profikarriere begonnen und später auch beendet. Im Anschluss fing der heute 54-Jährige direkt als Jugendtrainer beim FCZ an, stand in der Saison 2007/08 als Co-Trainer bei den Profis unter Vertrag und erhielt im April 2010 nach zwischenzeitlicher Leitung der U21 die Beförderung zum Cheftrainer.

Nach zwei Jahren zog es Fischer zum FC Thun und weitere drei Jahre später zum FC Basel, mit dem er zwei Mal die Schweizer Meisterschaft und ein Mal den Pokalsieg feiern konnte. Im Juni 2018 trat er seinen ersten Trainerjob im Ausland an und führte den damaligen Zweitligisten Union Berlin in seiner ersten Saison sofort ins Oberhaus. Das wurde 2019 mit der Auszeichnung zu Berlins Trainer des Jahres belohnt. Auch Geschäftsführer Oliver Ruhnert lobte den Schweizer nach dem Klassenerhalt in den höchsten Tönen: „Alle sind mit den Ergebnissen seiner Arbeit hochzufrieden.“ Fischers Gelassenheit und Ruhe, die sich auch bei Pressekonferenzen und Interviews zeigen, scheinen in Berlin genauso zum Erfolgskonzept geworden zu sein wie die große Konstanz auf dem Chefsessel. Nach Christian Streich und Florian Kohfeldt ist Fischer gemeinsam mit Adi Hütter und Lucien Favre der drittdienstälteste Trainer in der deutschen Beletage.

Kapitän Christopher Trimmel.

Taktik: Schwer gebeutelt, noch schwerer auszurechnen

Urs Fischer schickt seine Mannschaft zumeist in einem 4-2-3-1- oder 4-3-3-System auf den Platz, zeigt sich dem Gegner entsprechend aber immer wieder bereit für taktische Anpassungen. Im Tor ist Neuzugang Andreas Luthe nach starken Leistungen gesetzt, obwohl der FCU Ende September mit Loris Karius einen international erfahrenen Keeper vom Liverpool FC ausleihen konnte. In der Viererkette kamen zuletzt Christopher Lenz, Sommerneuzugang Robin Knoche, Marvin Friedrich und Kapitän Christopher Trimmel zum Einsatz. Im Mittelfeld führt aktuell kein Weg an Robert Andrich vorbei. Nebenmann Christian Gentner fehlt verletzungsbedingt, seine Vertretung Sebastian Griesbeck musste gegen den 1. FC Köln angeschlagen ausgewechselt werden. Falls Griesbeck am Samstag ausfallen sollte, könnte Grischa Prömel seinen Platz in der Startelf einnehmen. In der offensiven Dreierreihe fanden sich am vergangenen Spieltag Marcus Ingvartsen, Topscorer Max Kruse und Sheraldo Becker wieder. Der 23-jährige Taiwo Awoniyi stürmte als einzige Spitze. Den Eisernen stehen aktuell mit Keita Endo, Anthony Ujah und Joel Pohjanpalo gleich drei Offensivkräfte nicht zur Verfügung, zudem mussten die Köpenicker nach einem positiven COVID-19-Befund zuletzt auch auf Marius Bülter verzichten. Der 27-Jährige könnte gegen die Eintracht wieder zur Verfügung stehen, alternativ kann Coach Fischer auf Akaki Gogia und Cedric Teuchert setzen. Trotz der Verletzungssorgen stellt der FC Union mit elf unterschiedlichen Torschützen aktuell die meisten der Liga und zeigt sich somit sehr variabel.

Spieler im Fokus: Max Kruse

Der Sommerneuzugang hat sich sofort eingelebt und die von ihm erwartete Rolle übernommen. Mit vier Treffern und fünf Assists ist er als Topscorer der Eisernen maßgeblich am Erfolg seiner Mannschaft beteiligt, verzeichnet sogar die meisten Vorlagen der Liga. Erst Anfang November gegen Bielefeld stellte er den Bundesligarekord von 16 verwandelten Elfmetern in Folge ein. Der 14-malige ehemalige deutsche Nationalspieler kann auf zahlreiche Stationen zurückblicken. Auf sich aufmerksam machte er vor allem während seiner Zeit beim SC Freiburg, nach nur einer Saison im Breisgau zog es ihn zu Borussia Mönchengladbach. Im Anschluss stand er beim VfL Wolfsburg, Werder Bremen und zuletzt Fenerbahce Istanbul unter Vertrag. Nach knapp einem Jahr in der Türkei kehrte Kruse im Sommer zurück in die Bundesliga. „Für mich war es wichtig, zu einem Klub zu wechseln, der mich komplett überzeugt und fordert“, hatte der 32-Jährige nach Bekanntgabe seines Transfers erklärt. Kruse und Union – das passt! Der Meinung war auch Trainer Urs Fischer nach dem 5:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld am siebten Spieltag: „Man hat gut gesehen, dass beide voneinander profitieren, die Mannschaft von Max und Max auch von der Mannschaft.“ Wie sehr, belegt die Tatsache, dass Kruse in jeder der vier siegreichen Partien ein Treffer gelungen ist. Fortsetzung am liebsten aufgeschoben bis zum Derby gegen Hertha BSC.

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