02.10.2020
Historie

„Die tollste Phase meiner Karriere“

Er war Kapitän in Frankfurt und Hoffenheim, hat gegen beide Vereine getroffen und im Sommer seine Karriere beendet. Pirmin Schwegler blickt auf das Duell seiner Ex-Vereine und vieles mehr.

Pirmin, im Sommer hast du die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Was machst du aktuell?
Insgesamt waren die vergangenen Monate relativ turbulent, deshalb ich ganz froh, erstmal in Ruhe in der neuen Heimat anzukommen. Meine Frau und ich sind vor kurzem in den Taunus gezogen. Sie ist gebürtige Frankfurterin, deswegen war das schon länger geplant gewesen, sofern wir es uns aussuchen können, irgendwann in der Gegend zu bleiben.

2019 hatte es dich von Hannover nach Sydney verschlagen. Wie kam es dazu?
Ich hätte ehrlich gesagt vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass ich nach Australien wechseln würde. Ich war grundsätzlich für alles offen und wollte mich aufgrund der Schnelllebigkeit im Fußball auch nicht frühzeitig festlegen. Am Ende war es in jedem Fall die richtige Entscheidung.

Aus welchen Gründen?
Weil es definitiv ein Abenteuer mit extrem vielen schönen Momenten war. Am Ende vielleicht ein bisschen zu abenteuerlich: Erst hatten wir im Dezember bei uns ein Buschfeuer und dann kam bekanntlich Corona... Aber am Ende haben wir es, denke ich, alles ganz gut hinbiegen können. Ich konnte nach mehrmonatiger Unterbrechung meinen Abschied auf dem Rasen feiern, so wie ich es mir erhofft habe. Am Ende ist mir sogar ein Tor geglückt, das kam ja in meiner Karriere auch nicht oft vor (lacht). Letztendlich überwiegen die schönen Momente und in erster Linie die Begegnungen mit den Menschen. Überall wurden wir herzlich empfangen, wir haben schnell Freundschaften geschlossen, die uns den Anschluss erleichtert haben. Zudem hatten wir Zeit, vieles zu erkunden und extrem schöne Seiten der Welt kennenzulernen.

Kommen wir zu deinen Erfahrungen in Frankfurt. Du hast für die Eintracht immerhin 141 Spiele absolviert, so viele wie für keinen anderen Verein. Welche Erinnerung verbindest du mit dieser Zeit?
Einige! Vor allem, weil es eine intensive Zeit war, in der ich auch persönlich extrem viel investiert habe und emotional total mit dem Verein verbunden war. Es war eine wunderbare Zeit. Selbst nach dem Abstieg sind wir direkt wieder aufgestiegen und sofort in die Europa League durchmarschiert. Das war zweifellos die tollste Phase meiner Laufbahn. Die Fans waren in all den Jahren das i-Tüpfelchen. Persönlich bin ich dankbar, dass ich in Frankfurt die Chance erhalten habe, zu einem gestandenen Spieler zu reifen, in einer schwierigen Phase die Kapitänsbinde zu übernehmen und dabei zu helfen, den Verein dorthin zu führen, wo er hingehört.

Wie schätzt die Situation der Eintracht heute ein?
Ich habe die Eintracht über die Jahre natürlich verfolgt. Es hat sich seitdem einiges getan, alles hat sich fast ausschließlich in eine Richtung entwickelt: nach oben! Das hängt mit ganz vielen richtigen Entscheidungen zusammen, angefangen an der Spitze. Erst mit Wolfgang Steubing als Aufsichtsratsvorsitzendem, nun mit Philip Holzer. Spätestens mit der Verpflichtung von Fredi Bobic ist sportlich richtig Bewegung reingekommen.

Steven Zuber lebt sehr professionell und kann aufgrund seiner Physis viele Spiele am Stück bestreiten, was in dieser eng getakteten Saison umso wichtiger ist.

Pirmin Schwegler

In der Vereinsgeschichte trugen bisher zwölf Eidgenossen den Adler auf der Brust. Warum sind Schweizer in Frankfurt so angesagt?
Das war mir in etwa bewusst, aber diese Frage habe ich mir nie gestellt (lacht). Insgesamt kann man sagen, dass der Schweizer Fußball eine tolle Entwicklung genommen hat und dadurch viele Spieler das Interesse der Eintracht geweckt haben. Was durch den Erfolg des Klubs auch umgekehrt zutrifft. Der Verein schreibt viele positive Geschichten, vielleicht konnte ich damals auch etwas Werbung machen (lacht). Hinzu kommt, dass die Sprache immer auch die Integration erleichtert.

Der letzte Landsmann von dir, der nach Frankfurt wechselte, ist Steven Zuber, mit dem du noch in Hoffenheim zusammengespielt hast. Was dürfen wir von ihm erwarten?
Steven ist jemand, der nicht immer sofort aus dem Kollektiv heraussticht, aber für eine Mannschaft extrem wichtig ist und oft unterschätzt wird. Sein Vorteil ist, dass er auf vielen Positionen spielen kann, das ist für jede Mannschaft Gold wert. Ich habe Steven als sehr ehrgeizigen und fleißigen Kollegen kennengelernt, der sehr viel investiert, um sich zu verbessern. Er lebt sehr professionell und kann aufgrund seiner Physis viele Spiele am Stück bestreiten, was in dieser eng getakteten Saison umso wichtiger ist. Ich wünsche ihm, dass er gesund bleibt!

Bei meinen anderen Vereinen war die gigantische Stimmung in Frankfurt vor Auswärtsspielen oft genug ein Thema in der Kabine. Wir wussten, dass diese Unterstützung der Eintracht in entscheidenden Phasen einen extra Schub gibt. Davor hatten alle Respekt.

Pirmin Schwegler

Was hast du sonst aus deiner Zeit bei der TSG mitnehmen können?
Ich wollte damals nicht zwingend aus Frankfurt weg, aber im Nachhinein war es eine schöne Erfahrung, Hoffenheim kennenzulernen. Der Verein wird toll geführt, in meinem dritten Jahr sind wir Vierter geworden. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Dazu zähle ich auch die Zusammenarbeit mit Julian Nagelsmann.

Du hattest das Frankfurter Publikum oft genug im Rücken, aber als Gast auch von der Gegenseite erlebt. Auf wen haben die Fans den größeren Einfluss?
Definitiv auf die Heimmannschaft, das kann ich aus Spielersicht bestätigen. Bei meinen anderen Vereinen war die gigantische Stimmung in Frankfurt vor Auswärtsspielen oft genug ein Thema in der Kabine. Wir wussten, dass diese Unterstützung der Eintracht in entscheidenden Phasen einen extra Schub gibt. Davor hatten alle Respekt.

Gute Karten also für die Eintracht oder bestätigt Hoffenheim am Samstag sein Formhoch?
Knifflige Frage. Weil Zuschauer zugelassen sind, erwarte ich, dass das Pendel knapp für die Eintracht ausschlägt.

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