06.01.2021
Bundesliga

Vormarsch mit Hintergedanken

Eintracht im Aufwind: Leichtigkeit, Selbstvertrauen und Spielglück sind zurück und alle körperlich in Schuss. In Mainz geht es nicht nur um drei Punkte, sondern auch gegen das Unterbewusstsein.

Pokal kann die Eintracht einfach. Auch wenn das Nachholspiel bei Bayer 04 Leverkusen erst nächste Woche ins Bewusstsein rückt, wird im Zusammenhang mit dem 15. Spieltag am Samstag beim 1. FSV Mainz 05 einmal mehr deutlich, dass der DFB-Pokal auch für die Hessen manchmal seine eigenen Gesetzte hat. Während die Adlerträger bei den Nullfünfern im ligaübergreifend im 17. Anlauf ihren ersten Auswärtssieg anpeilen, gelang ein solcher gleich während der ersten und einzigen gewinnbringenden Reise zu den Rheinhessen: In der Zweiten Runde am 24. Oktober 1986, ein gewisser Reinhold Jessl traf seinerzeit in der Verlängerung zum Tor des Tages gegen den damaligen Oberligisten. Aus dem aktuellen Aufgebot waren einzig David Abraham und Makoto Hasebe damals überhaupt geboren.

Ruhepol in und vor der Abwehr: Makoto Hasebe.

„Ich bin bald 37 Jahre alt, also nicht mehr der Jüngste“, ist sich älteste derzeitige Bundesligaspieler genauso bewusst wie überzeugt davon, „dass ich auf dem Platz meine Qualitäten gezeigt habe“, ließ der Japaner nach dem mit 2:1 gegen Leverkusen überzeugenden Jahresauftakt wissen. Woran auch Djibril Sow keinen Zweifel lässt: „Mit Makoto zu spielen ist sehr einfach, er hat gefühlt schon 1000 Bundesligaspiele gemacht“, schwärmte der Schweizer nach dem Erfolg über die Werkself, als die beiden erstmals nebeneinander auf der Doppelsechs zu Werke gingen. Die Überlegung der neuen Variante ergab sich nicht zuletzt aus der Gelbsperre von Sebastian Rode, der nun wieder zur Verfügung steht und bereits vor wenigen Wochen bemerkte hatte: „Wir haben insgesamt vier sehr gute Mittelfeldspieler, aus denen der Trainer für jedes Spiel neu wählen kann.“ Er würde sich vermutlich mittlerweile selbst auf fünf korrigieren. In jedem Fall gilt: Für Cheftrainer Adi Hütter ist personell fast alles möglich. Und angesichts von sieben Spielen innerhalb von 27 Tagen auch nötig. „Keiner kann im Januar sieben Spiele am Stück bestreiten“, bedachte der Fußballlehrer am Samstagabend, wenn auch mit Bezug auf seine offensiven Mittelfeldakteure.

Unwägbare Vorbereitung

Fest steht zumindest, dass sich die nächste Ausrichtung etwas schwerer am Gegner orientieren lässt. Mit dem am Montag vorgestellten Bo Svensson wird in der OPEL ARENA der vierte verschiedene Übungsleiter in dieser Saison an der Seite der Nullfünfer stehen. Der 41-Jährige soll nach Achim Beierlorzer und Jan-Moritz Lichte sowie interimistisch Jan Siewert den Tabellen-17. wieder auf Kurs bringen. Am liebsten kurzfristig, im Zweifel aber auch mittelfristig, wie er neben dem heimgekehrten neuen Vorstand Christian Heidel bei Amtsantritt betonte. Der vom FC Liefering verpflichtete frühere Mainzer Profi und Nachwuchscoach ließ zumindest durchblicken, auf welche Art von Fußball sich die Kontrahenten gefasst machen dürfen: „Ich stehe für die Mainzer Tugenden: Das fängt an mit dem Spiel gegen Ball, es geht darum, als Mannschaft aufzutreten, enge Abstände zu haben, den Gegner aus der Kompaktheit unter Druck zu setzen und nach vorne zu verteidigen. Ich möchte, dass wir nach Ballgewinnen schnell umschalten. Und vollkommen klar ist auch, dass wir intensiv und dynamisch spielen wollen.“

Inwieweit das Danish Dynamite bereits am Wochenende zündet, weiß freilich keiner. Zur Vorbereitung bleiben den Hausherren wie den Gästen seit Dienstag fünf Trainingseinheiten. Allein die Zahlen lassen darauf schließen, wo in dieser Spielzeit der Schuh drückt: 206 zugelassene Torschüsse überbietet in der Bundesliga einzig Schalke 04 (236). Wenig überraschend wehrte der bei der 2:5-Niederlage in München verletzte Torwart Robin Zentner in dieser Spielzeit die meisten Schüsse ab (51). Vertreter Finn Dahmen kam gegen die Bayern selbst trotz der fünf Gegentreffer auf sieben Paraden. Zudem kassierte der selbsternannte Karnevalsverein zehn Treffer in der Schlussviertelstunde, so viele wie kein anderer Klub. Überhaupt der Seitenwechsel: 21 Gegentore in der zweiten Halbzeit decken sich mit Rang 17. Insofern dürfen sich die Fernsehzuschauer zumindest auf spektakuläre zweite 45 Minuten gefasst machen, denn die Eintracht ließ nach der Pause ihrerseits 14 Einschüsse zu. Der feine Unterschied: Während Mainz in diesem Zeitraum drei Mal jubeln durfte, netzten die Adlerträger ein Dutzend Mal ein.

Alle Hände voll zu tun: Robin Zentner.

Fast zwangsläufig haben beide Seiten je 13 Zähler nach Führung aus den Händen gegeben, nur Borussia Mönchengladbach mehr (16). Doch auch hier wissen die Hessen einen Trumpf für sich: Während Mainz nach Rückstand bislang punktlos lieb, ergatterte Frankfurt derer elf. Derlei Daten sind für Evan Ndicka eher zweitrangig. Der Verteidiger konzentriert vordergründig auf die eigenen Geschicke: „Es war und ist immer schwer, gegen Mainz zu spielen. Nichtsdestotrotz versuchen wir immer, unser Bestes zu geben und zu gewinnen, egal gegen wen es geht“, kündigte er am Dienstag bei EintrachtTV an. „Wenn wir so spielen wie zuletzt und als Team auftreten, stehen die Chancen meiner Meinung nach gut, dass damit ein Sieg am Wochenende einhergeht.“

Das Silva-Paradoxum

Wie gut bei den Adlern dieser Wochen ein Rädchen ins andere greift, lässt sich an einer kleinen Randnotiz festmachen: André Silva, mit neun Toren drittbester Stürmer der deutschen Beletage und in Frankfurt seit 2019 acht Mal für das 1:0 verantwortlich, ging in den vergangenen beiden Begegnungen zwar leer aus, dennoch sprangen sechs Punkte heraus. Zuvor stand nach sieben Partien, in denen der Portugiese traf, ein einziger Dreier. Mag wahrscheinlich ein Zufall des Momentums sein, auf jeden Fall sprangen neben zwei Eigentorschützen dafür mit Stefan Ilsanker und Amin Younes zwei Akteure in die Bresche, die zuvor jeweils nur in einem Bundesliga-Match geknipst hatten.

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte: Erik Durm.

Die Akteure, die derzeit am längsten auf einen Treffer warten, heißen übrigens Erik Durm (38) und Makoto Hasebe (90) – beide trafen letztmals gegen Darmstadt, ebenfalls einen regionalen Nachbarn – sowie Dominik Kohr (76). Zuletzt erfolgreich am 9. September 2017: in Mainz... Davon wie dem Silva-Paradoxon eine Regel abzuleiten, wäre sicher zu viel des Guten. Doch ein Grundgesetzt bleibt unumstößlich: Ein Tor mehr als der Gegner gehen seit 1994 mit drei Punkten einher. Es soll ein vertrauter Begleiter bleiben. Ganz ohne Hintergedanken.

Zum Spiel

Anstoß: Samstag, 9. Januar, 15.30 Uhr, 15. Spieltag, Bundesliga, 2020/21.
Stadion: OPEL ARENA, Mainz.
Hörtipp: EintrachtFM sendet ab 15.20 Uhr live.
TV-Hinweis: Sky Sport Bundesliga HD 4 überträgt ab 15.15 Uhr live.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel – präsentiert von Krombacher

Die letzten Informationen vor dem Bundesligaspiel erhaltet ihr auf der Pressekonferenz am Donnerstag, 13 Uhr, mit Cheftrainer Adi Hütter. Live zu sehen auf EintrachtTV und Facebook – präsentiert von Krombacher.

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