29.10.2020
Historie

Einmalig

Ein Schuss, ein Tor, kein Wiedersehen. Vor über 40 Jahren schreibt sich Christian Peukert beim 3:2-Sieg gegen Werder Bremen in die Frankfurter Geschichtsbücher.

Die Auswahl an Frankfurter Schnellzündern ist in den vergangenen Jahren reichlich: Erst vergangenes Jahr köpfte Bas Dost beim 2:1-Sieg über Fortuna Düsseldorf elf Minuten nach seiner Einwechslung den wichtigen Ausgleichstreffer, unvergessen ist auch das Debüt Martin Fenins, der mit seinem Dreierpack 2008 den 3:0-Sieg bei Hertha BSC im Alleingang sicherstellte. Und natürlich Vaclav Kadlec, der 2013 in Bremen mit einem Doppelpack zum 3:0-Auswärtserfolg beitrug sowie schließlich Aymen Barkok, der als U19-Spieler 2016 in der 90. Minute zum 2:1-Endstand traf – ebenfalls beim Gegner diesen Samstag.

Barkok wie Kadlec traten somit gewissermaßen in die Fußstapfen von Christian Peukert, der vor über 40 Jahren fast Einmaliges schaffte. Ähnlich wie Barkok kam der am 17. Mai 1980 20-Jährige aus dem Unterbau vom Riederwald, war hauptsächlich für die zweite Mannschaft aktiv und „durfte ein-, zweimal pro Woche bei den Profis mittrainieren“, wie sich Peukert erinnert. Groß war daher die Freude, als es der Amateurspieler am 32. Spieltag in das Spieltagsaufgebot der Profis schaffte. Erstmals! Und letztmals. Doch der eine Tag im deutschen Oberhaus mit dem Adler auf der Brust hatte es in sich. Genauer gesagt: Die eine Minute.

Dass nicht nur ich, sondern auch mein Kollege aus der zweiten Mannschaft Michael Künast zuvor zum Ausgleich getroffen hatte, war einfach sensationell!

Christian Peukert

Von einer „unverständlichen Auswechslung“ sprach der Rundfunkreporter zu Beginn der zweiminütigen Nachspielzeit, als Norbert Nachtweih beim Stand von 2:2 ein Wadenkrampf ereilte und runter musste. „Unser Co-Trainer hatte Herrn Rausch [Cheftrainer; Anm. d. Red.] signalisiert, dass Norbert Nachtweih nicht weiterspielen konnte“, schildert der gebürtige Frankfurter Peukert die Sequenzen jenes Samstagnachmittags. Weil die Eintracht seinerzeit im Niemandsland der Tabelle stand, der Fokus auf dem Rückspiel im Finale des UEFA-Pokals gegen Borussia Mönchengladbach lag und einige Adlerträger angeschlagen oder verletzt waren, „und ich gerade meine Abschlussprüfungen belegt habe, kam die Nominierung am Spieltag selbst sehr kurzfristig“, zeigt Peukert auf, von wie vielen Unwägbarkeiten seine persönliche Sternstunde begleitet war.

Aber dann: Nur wenige Augenblicke nach der Einwechslung für Nachtweih, der noch in der 56. Minute den 1:2-Anschlusstreffer erzielt hatte, landete die Kugel vor den Füßen Peukerts. „Ich wollte einfach nochmal an den Ball kommen, plötzlich lag der nach einem abgewehrten Standard vor mir. Ich habe mir die Kugel vorgelegt, für Dieter Burdenski war der verdeckte Schuss aus vielleicht 20 Metern schwer zu sehen – 3:2!“, sieht der Mittelstürmer die Szene auch über vier Jahrzehnte später vor seinem inneren Adlerauge. Der anschließende Anstoß ging fast nahtlos in den Abpfiff über. Peukert bezeichnet die anschließenden Eindrücke als „alles etwas unwirklich. Es saßen drei Amateure auf der Bank, damals durfte man zwei Mal wechseln, weshalb natürlich jeder auf ein paar Minuten spekuliert hat. Dass nicht nur ich, sondern auch mein Kollege aus der zweiten Mannschaft Michael Künast zuvor zum Ausgleich getroffen hatte, war einfach sensationell!“ Übertroffen nur vom Europapokalgewinn vier Tage später. „Ich durfte noch das Abschlusstraining mitmachen, im Kader stand ich aber leider nicht, weil einige Stammspieler rechtzeitig fit wurden.“ Überhaupt hatte Peukert auch in den Folgejahren keinen leichten Stand beim Bundesligisten. „Obwohl ich gerade 1982/83 eine überdurchschnittliche Saison gespielt und um die 35 Tore in der Oberliga [damals drittklassig; Anm. d. Red.] erzielt habe. Mit Grabowski, Hölzenbein und Nickel war die Konkurrenz auf meiner Position aber auch groß. Was bei denen im Training abging, war schon nochmal ein anderes Niveau.“

Offenbach, Börse, Aufstiegsrennen

Weshalb Peukert 1983 zu Kickers Offenbach weiterzog und zu zehn weiteren Bundesligabegegnungen kam, in denen er unter anderem mit dem gleichaltrigen Uwe Bein zusammenspielte. Nach zwei Jahren auf der anderen Mainseite widmete er sich wieder verstärkt seinem beruflichen Standbein als Aktienhändler an der Frankfurter Börse und kickte ab 1985 für Rot-Weiss Frankfurt. „Sieben tolle Jahre, am Ende haben wir den Aufstieg in die Zweite Liga nur knapp verpasst.“ Nach fast 30 Jahren am Frankfurter Finanzplatz ist Peukert mittlerweile für den Umweltservice in der Disposition tätig. Und seinem Heimatverein bis heute eng verbunden.

Regelmäßiger Kontakt habe unter anderem zu Armin Kraaz zu dessen Zeit als langjähriger Leiter des Nachwuchsleistungszentrum bestanden, auch den einen oder anderen Stammtisch etwa mit Norbert Nachtweih oder Wolfgang Trapp lässt er sich nicht entgehen. Die Heimspiele nach Möglichkeit ebenso wenig. „Im Stadion laufen sich ehemalige Weggefährten automatisch über den Weg, auch bei Einladungen der Eintracht wie zu den Pokalendspielen oder dem 30-jährigen Jubiläums des UEFA-Pokalsiegs.“

Für das 101. Aufeinandertreffen von Frankfurt und Bremen erwartet der im Taunus lebende Peukert derweil „ein offenes Spiel. Gerade ohne Zuschauer sieht man, dass sich Heim- und Auswärtssiege in etwa die Waage halten. Aber die Eintracht hatte bis auf die Niederlage in München einen guten Start.“ Und wer weiß, womöglich macht es einem bereits am Samstag der nächste Debütant gleich. Frag nach bei Kadlec, Barkok – und Christian Peukert.

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