02.04.2021
Historie

Guter Rat, die besten Wünsche

Der letzte Sieg in Dortmund liegt über elf Jahre zurück. Sechs Adlerträger von damals erklären, wie es 2010 zum 3:2 kam und wie es am Samstag wieder klappen kann.

47 Bundesligaspiele, sieben Siege, neun Niederlagen in Folge. Gemessen an der historischen Auswärtsbilanz bei Borussia Dortmund läge der Schluss nahe, die Eintracht könne die Punkte gleich per Post ins Ruhrgebiet senden. Doch wie die Vorzeichen am 7. Februar 2010 vermeintlich ungünstig standen, sind die Kräfteverhältnisse über elf Jahre später kaum mehr zu vergleichen. Seinerzeit waren die Adlerträger nämlich mit einer überraschenden 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln zum Favoriten gereist.

Nachdem Benjamin Köhler die Gäste nach einer Vorlage von Patrick Ochs früh in Führung geköpft hatte (8.), lagen die Hessen nach einer Stunde nach Gegentreffern durch Mats Hummels (17.) und Lucas Barrios (57.) im Hintertreffen. Doch statt Einbruch erfolgte der Aufbruch. Sebastian Jung besorgte den Ausgleich (65.), Alexander Meier den 3:2-Endstand (74.). Der erste Dreier auf dem Terrain der Schwarz-Gelben seit 1991 war perfekt... „Geil, einfach nur geil. Überragend, ein geniales Gefühl“, kannte Maik Franz nach dem Schlusspfiff kein Halten. Damit es nicht wieder zwei Jahrzehnte dauert, hat die Eintracht-Redaktion bei einigen aus der 2010er Elf ein paar Tipps eingeholt.

Die Ausgangslage 2010

Marco Russ: Es war ein typisches Spiel für den damaligen Saisonverlauf. Wir hatten Höhen und Tiefen in dieser Saison, waren immer oben dran, konnten uns aber am Ende nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren. Gefühlt waren wir während meiner Zeit gelegentlich nah dran, in Dortmund zu gewinnen. Besonders erinnere ich mich an ein 1:1 2006, als Cha Du-ri aus 30 Metern eine Fackel abgezogen hat und wir bis in die Schlussphase hinein vor ausverkaufter Kulisse geführt haben.

Oka Nikolov: Es war ein Abendspiel, das Flutlicht war an, es war kalt, der Platz war schlecht. Der BVB hatte zu dieser Zeit nicht seine beste Phase, in der Vorwoche gab’s ein 1:4 in Stuttgart.

Geschlossenheit war am 7. Februar 2010 Trumpf, wie sich in den folgenden 90 Minuten beweisen sollte.

Benjamin Köhler: Dass wir zuvor 19 Jahre nicht in Dortmund gewonnen haben, war mir gar nicht bewusst. Vor dieser Kulisse zu spielen, war immer ein besonderes Erlebnis.

Patrick Ochs: Bei mir persönlich lief es immer so, dass ich das vorangegangene Spiel schnell vergessen habe, um den Kopf für die nächste Aufgabe freizuhaben. Wir hatten eine gute Mannschaft, die Gas gegeben hat und sich wegen einer Niederlage nicht den Kopf zerbrochen hat. Das hat uns ausgezeichnet.

Maik Franz: Das Schöne am Fußball ist, dass alles sehr schnelllebig ist. Vom Heroe zum Deppen fehlt oft nicht viel. Unabhängig von den Umständen fährt man als Spieler gerne nach Dortmund. Wenn du mit dem Bus ankommst, die imposante Kulisse siehst, die Massen hineinströmen, sich die Zuschauer erheben – darauf hat jeder Spieler Bock.

Der Spielverlauf

Marco Russ: Der BVB war dominant, aber wir haben gut verteidigt und gefühlt aus einer Chance drei Tore gemacht.

Benjamin Köhler: An die Situation vor dem 1:0 kann mich noch gut erinnern. Flanke von Patrick Ochs, ich komme nach innen, lasse den Ball abrutschen, der geht ins lange Eck. Ein Wahnsinnsgefühl! Am Ende zu gewinnen, ist überragend.

Das 1:0 in der achten Minute: Halil Altintop gesellt sich zu Vorlagengeber Patrick Ochs und Vollstrecker Benjamin Köhler (v. l.).

Patrick Ochs: Ich kann mich noch an ein sehr intensives Spiel erinnern, in dem wir sehr gut mitgehalten und Moral bewiesen haben. In der 92. Minute hatte ich sogar die Chance auf das 4:2. Doch während ich aufs Tor zugelaufen bin, habe ich mir einen Krampf zugezogen und konnte nicht richtig abschließen. Es war natürlich genial, das 1:0 ausgerechnet vor der Gelben Wand vorzubereiten.

Maik Franz: Es war ein harter Fight, das Spiel stand auf des Messers Schneide. Ich wurde mal wieder zum Feindbild und bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Das war mega geil und für alle ein zusätzlicher Push. Am Ende war es eine geschlossene Mannschaftsleistung. Gewissermaßen hatten wir zwei Gegner: Die individuell stärkeren Dortmunder und die Gelbe Wand, die wir in der zweiten Halbzeit hinter unserem Rücken hatten. Der Spielverlauf kam uns immer mehr entgegen und wir haben ein immer größeres Selbstvertrauen bekommen. Nach dem Spiel sind wir in Dortmund in ein Restaurant, als Michael Skibbe und Edwin Boekamp [Chef- und Co-Trainer; Anm. d. Red.] Essen und Getränke spendiert haben.

Nach dem gelungenen Kraftakt zeigte sich der damalige Cheftrainer Michael Skibbe in einem Dortmunder Restaurant spendabel.

Oka Nikolov: Ich erinnere mich insbesondere an das 3:2 von Alex. Es war ein super Pass von Selim Teber von rechts auf die linke Seite, wo sich Alex durchgesetzt und eingenetzt hat.

Alexander Meier: Bei meinem Tor hat mir Selim Teber einen weiten Seitenwechsel direkt in den Lauf gespielt. Der Verteidiger hat sich leicht verschätzt. Eigentlich habe ich den Ball nicht gut mitgenommen, aber im Fallen noch in der langen Ecke untergebracht.

Die Aussichten der neuen Generation

Marco Russ: Heute haben wir eine ganz andere Mannschaft, die offensiv ganz andere Qualitäten hat. Die Teams lassen sich nicht miteinander vergleichen. Wir haben einen Lauf und können befreit aufspielen.

Alexander Meier: Die Mannschaft ist super drauf und hat eine enorme Qualität. Es treffen zwei Topteams aufeinander. Für beide Mannschaften ist es ein wichtiges Spiel.

Patrick Ochs: Wenn man die Entwicklung sieht, muss die Mannschaft keine Angst haben – im Gegenteil! Die Eintracht spielt aktuell mit den Bayern den schönsten Fußball. Die Eintracht muss einfach daran anknüpfen, was sie zuletzt starkgemacht hat: Vorne draufgehen, attackieren und ihre technischen Qualitäten ausspielen. Ich glaube, selbst wenn 80.000 Zuschauer im Stadion wären, wäre das für Frankfurt in der aktuellen Verfassung kein Nachteil.

Es wird mal wieder Zeit für einen Sieg! So wie die Mannschaft aktuell spielt, traue ich ihr überall etwas zu.

Oka Nikolov

Maik Franz: Wie wir damals während des Spiels hat auch die aktuelle Mannschaft großes Selbstvertrauen. Dem BVB fehlen sicher die Zuschauer, Frankfurt ist im Flow. Dortmund hat mehr zu verlieren und hat den Druck. Daher kann die Eintracht auch erstmal abwarten und gucken, was passiert. Die Vorzeichen auf einen Sieg stehen gut. Die Sturmreihe ist stark, das Trainerteam wird die Mannschaft wieder sehr gut einstellen.

Benjamin Köhler: Ich bin optimistisch, weil Frankfurt eine sehr gute Saison spielt. Dortmund zwar auch, aber keine überragende. Sie lassen Punkte liegen. Ich sehe es als Bonus, dass keine Zuschauer da sind. Deswegen erwarte ich ein ausgeglichenes Spiel mit guten Chancen für die Eintracht, weil sie seit Wochen unter Beweis stellt, ihre Leistung abrufen zu können.

Oka Nikolov: Es wird mal wieder Zeit für einen Sieg! So wie die Mannschaft aktuell spielt, traue ich ihr überall etwas zu. Sie stehen stabil und spielen gut nach vorne. Seit der Relegation 2016 hat sich viel getan, es ging nur bergauf. Es macht Spaß zuzuschauen. Das ist beeindruckend. Alle Leute vom Sportvorstand bis zum Staff machen eine super Arbeit. Die Qualifikation für die Champions League wäre ein Riesending. Das Spiel am Samstag ist wichtig. Aber auch wenn die Partie verloren gehen sollte, ist noch alles drin. Ich werde das Spiel anschauen, so wie alle Eintracht-Partien – sofern es die Zeit zulässt. Das klassische 15.30-Uhr-Spiel steigt bei mir um 9.30 Uhr [Nikolov lebt in den USA; Anm. d. Red].

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