08.01.2021
Historie

„Habe den Sport mit jeder Faser gelebt“

Er war für Frankfurt und Mainz am Ball, ist der Eintracht bis heute erhalten geblieben, lief mit einer Niere den Marathon und schlug eine zweite Laufbahn im Football ein: Thomas Zampach.

Thomas, du bist ein echter Frankfurter Bub´, wurdest dennoch in Mainz zum Profi und kamst 1997 zur Eintracht. Wie begann deine fußballerische Laufbahn?
Ich musste als kleiner Bub‘ immer vom Frankfurter Berg aus an den Riederwald, was für mich eine echte Weltreise war. Da ging es einmal komplett durch die Stadt, mit Bus und S-Bahn, bis ich am Trainingsgelände war. Aber ich habe das gerne gemacht, weil ich das Ziel hatte, Profi bei der Eintracht zu werden und irgendwann auf dem Rasen im Waldstadion zu stehen. Das hat mich immer angetrieben und letztendlich auch über den Umweg Mainz und Wehen geklappt.

Welche Erinnerungen verbindest du mit deiner Zeit bei der Eintracht und in Mainz?
Die Zeit bei der Eintracht war sehr turbulent, gerade in 1990er und 2000er Jahren. Wir sind vier Mal auf- und abgestiegen, was nicht besonders schön war. Ich denke, hier hat uns auch die Kontinuität gefehlt. Aber gerade der Aufstieg 1998 war ein absolut tolles Ereignis, um das ich froh bin, dabei gewesen zu sein. Wir haben damals mit einer komplett neu zusammengestellten Mannschaft vieles erreicht. Dadurch haben wir uns, glaube ich, viele Sympathien zurückgeholt. Zu Mainz kann ich sagen, dass der Verein immer eine sehr gute Nachwuchsarbeit hatte und nach wie vor hat. Dahingehend zieht die Eintracht langsam mit ehemaligen Profis wie Ervin Skela und Alex Meier nach. Mainz hat sich über die vergangenen 30 Jahre betrachtet enorm entwickelt. Als ich 1991 nach dem Aufstieg dorthin gekommen bin, waren sie im Vergleich zu Frankfurt in der öffentlichen Wahrnehmung noch weniger attraktiv als ihre adlertragenden Nachbarn. Während die Eintracht rund um die Nullerjahre um die Deutsche Meisterschaft mitspielte, hat es in Mainz gerade im kalten Winter nur wenige Zuschauer zu den Spielen verschlagen.

Mittlerweile ist die Eintracht ein Klub, auf den auch viele Fans anderer Klubs voller Anerkennung blicken und dessen Leistungen würdigen können.

Thomas Zampach

Und heute?
Durch die aktuellsten sportlichen Neuerungen bei Mainz, die einen neuen Trainer haben und mit Christian Heidel sowie Martin Schmidt weitere altbekannte Gesichter zurückgeholt haben, sehe ich den FSV wieder auf einem guten Weg. Natürlich ist die sportliche Lage mit dem momentanen Abstiegsplatz 17 prekär. Aber ich halte es für einen guten und wichtigen Schritt, dass man Leute zurückgeholt hat, die die DNA des Vereins in sich tragen. Wenn man Verantwortliche hat, die hinter einem Verein und dessen Idee stehen, lässt sich vieles erreichen. Ich bin gespannt, wie sie sich im Laufe der nächsten Jahre noch entwickeln werden. Gleichzeitig finde ich es schön, was die Eintracht aus sich gemacht hat. Sie ist ein Verein, der seinen Platz auf der deutschen Fußballlandkarte hat und in aller Munde ist. Gerade auch der DFB-Pokalsieg 2018 und die tollen Leistungen in der Europa League haben gezeigt, dass die Eintracht eine attraktive und starke Mannschaft hat. Wir sind sehr weit weg von dem Punkt, an dem wir manchmal zu meiner Zeit waren, als ein paar Störgeräusche rund um den Verein gab. Mittlerweile ist die Eintracht ein Klub, auf den auch viele Fans anderer Klubs voller Anerkennung blicken und dessen Leistungen würdigen können.

Was für ein Spiel erwartest du am Samstag?
Es wird auf jeden Fall eine schwierige Aufgabe, in Mainz zu punkten – ungeachtet ihres momentanen Tabellenstandes. Die Eintracht hat zuletzt zweimal in Folge gewonnen, ist gut drauf, möchte ihre Serie ausbauen und die klubinterne Bilanz gegen Mainz endlich aufbessern. Aber der Abstiegskampf setzt immer eine eigene Dynamik und Motivation bei den Spielern frei. Deswegen erwarte ich ein umkämpftes Spiel, bei dem es hoch hergehen wird.

Zwei Fußballgötter bei der Fußballschule: Alex Meier und Thomas Zampach.

Nach deiner aktiven Karriere warst du 2001 einer der ersten Trainer in der Fußballschule, in der du nach wie vor tätig bist. Was hat es damit auf sich, dass du der Eintracht und dem Sport weiterhin so eng verbunden bist?
Den Sport im Allgemeinen habe ich ohnehin schon immer mit jeder Faser meines Körpers gelebt. Da war es auch egal, um welche Sportart es sich handelt, ich habe fast alles geguckt. Ich weiß noch, wie ich in meiner Mainzer Zeit während den Trainingslagern auf meinem Zimmer mit meinen Mitspielern die Formel 1 oder die Olympischen Sommer- und Winterspiele geschaut habe. Ich war immer wissenshungrig und habe überlegt, was ich von anderen Sportarten mitnehmen kann. Mit dem American Football bin ich später auch in einer weiteren Sportart am Ball geblieben.

Du sprichst es an: Nach deiner Fußballkarriere hast du im Team der Frankfurt Universe als Kicker gespielt. Wie kam es dazu?
Ich habe bereits als 15-Jähriger mit meinem Bruder und dessen amerikanischem Freund den Super Bowl im Fernsehen gesehen. Schon damals hat mich das Spiel in seinen Bann gezogen. Später war ich als Botschafter der „Respekt! Kein Platz für Rassismus“-Kampagne einmal mit deren Initiator Lothar Rudolf bei einem Spiel der Frankfurt Universe im Stadion, weil die Kampagne auch auf deren Trikots warb. Nach der Partie haben wir uns noch ein wenig mit den Spielern unterhalten und Lothar, der großer Footballfan war, hat mich dann ein bisschen bearbeitet, dass ich doch einen guten Kicker abgeben würde. Die Jungs aus dem Team wollten mich dann mal kicken sehen, aber ich hatte gute Schuhe an und wollte nicht, dass sie dreckig werden. So habe ich dann letztendlich barfuß ein paar Field Goals geschossen und offenbar überzeugt (lacht). Die Zeit als Kicker war eine schöne, aus der ich viel mitnehmen konnte und an die ich mich immer gerne zurückerinnere. Bis heute verfolge ich die Spiele in der NFL, auch wenn es gut und gerne mal bis in die Nacht geht (lacht). Patrick Mahomes und die Kansas City Chiefs spielen aktuell einen tollen Football.

Warum übt Football einen solchen Reiz auf dich aus?
Der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl untereinander sind im Football enorm groß – trotz des Umstands, dass es eigentlich ein Spiel ist, bei dem nie eine komplette Mannschaft auf dem Feld steht. Es spielen immer nur Teile gegeneinander, etwa nur eine Offensive gegen die gegnerische Defensive, nicht wie im Fußball alles in einem. Als ich Kicker bei den Universe war, hat es mich sehr beeindruckt, dass wir beispielsweise vor den Spielen gemeinsam gebetet haben. Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie jeder Spieler, egal ob er 60 oder 130 Kilo wog, auf mich zugerannt kam und sich mit mir gefreut hat, wenn ich das entscheidende Fiel Goal zum Sieg verwandelt habe. Dann spielt es keine Rolle, in welchem Mannschaftsteil du spielst. Solange du alles für dein Team gibst, wirst du deine Mitspieler immer geschlossen an deiner Seite haben.

Wenn du kicken willst, muss es dir egal sein, ob du mit einem oder mit fünf Leuten auf den Bolzplatz gehst.

Thomas Zampach

Als Spieler wie als Mensch giltst du als leidenschaftliche Kämpfernatur, hast immer alles gegeben und bist unter anderem nach einer Nierentransplantation einen Marathon gelaufen. Inwiefern vermittelst du derlei Tugenden in deiner Trainingsarbeit?
Definitiv möchte ich meine Erfahrungen an jüngere Generationen weitergeben. Die anfängliche Leidenschaft, mit der du etwas angehst, ist der Schlüssel, den es braucht, um sich am Ende dauerhaft durchzusetzen. Ein Beispiel: Mein Traum war es immer, im Waldstadion als Profi auf dem Platz zu stehen und nicht nur im Stehblock zuzuschauen. Also habe ich jeden Tag dafür trainiert, dieses Ziel zu erreichen und das dann auch geschafft. Wenn du kicken willst, muss es dir egal sein, ob du mit einem oder fünf Leuten auf den Bolzplatz gehst. Alles, was du brauchst, sind die Motivation und Leidenschaft, dein Ziel zu erreichen. Der Rest kommt dann oft von alleine. Heutzutage fragen die jungen Spieler, wenn es zu einer Übungseinheit auf den Trainingsplatz am Deutsche Bank Park oder am Riederwald geht, oft nur, welcher Spieler aus der Profimannschaft vielleicht zuschauen wird, oder welche Zeitung darüber berichtet. Aber am Ende bringt dich das nicht weiter, denn du musst Fußball in erster Linie dafür spielen, dir deinen Traum zu erfüllen. Ich möchte den jungen Spielern helfen, diese Träume zu verwirklichen.

Außerdem betreust du das Projekt „Fußballfans im Training“ – Corona-bedingt aktuell digital. Wie nehmen die Teilnehmer das an?
Sehr gut. Es ist toll zu sehen, dass unser Online-Training nach wie vor großen Anklang findet. Hier machen Nina Goldstein und Julian Schneider [Mitarbeiter der Fanabteilung und Fanbetreuung; Anm. d. Red.] einen tollen Job. Wir haben nach wie vor trotz der pandemiebedingten Schwierigkeiten fast 100 Teilnehmer in verschiedenen Gruppen. Es gibt mir sehr viel Energie und freut mich unheimlich, zu sehen, dass wir die Leute immer noch mental abholen und sie gerne mit uns trainieren. Allerdings hoffe ich, dass die Pandemie bald endet und die Bestimmungen es wieder zulassen, dass man sich persönlich trifft und von Angesicht zu Angesicht gemeinsam Sport macht, statt über den Computer. Es ist doch nochmal etwas anderes, wenn ich jemandem persönlich sagen kann, wie er etwas macht, als wenn ich ihn nur virtuell sehe. Aber wir machen das Beste aus der Situation und freuen uns, dass es so gut funktioniert.

Thomas Zampach hieß in Frankfurt schon Fußballgott, da schlief Alex Meier noch in HSV-Bettwäsche. Der Frankfurter Bub erarbeitete sich zwischen 1997 und 2001 als zäher Kämpfer mit dem Herz am rechten Fleck Kultstatus im damaligen Waldstadion und war am Wiederaufstieg 1998 sowie dem „Wunder vom Main“ 1999 direkt beteiligt. 63 Erst- und Zweitligaspiele bestritt „Zampe“ für die Eintracht. Insgesamt stehen 193 Einsätze in beiden Spielklassen zu Buche.

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