18.02.2021
Historie

„Freundschaften bestehen bis heute“

Markus Schupp spielte für Bayern wie die Eintracht und schuf in Frankfurt Beziehungen, die bis heute halten. Ein Gespräch über alte Zeiten, Netzwerke und europäische Nächte.

Hallo Markus, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Wo erreichen wir dich?
Sehr gerne! Gerade bin ich in meinem Büro in Graz. Hier lebe ich seit 1997 mit meiner Familie, nachdem ich noch einige Zeit bei Sturm Graz als Spieler und später als Akademieleiter tätig gewesen bin.

Während deiner Zeit in Frankfurt hast du unter anderem mit Spielern wie Andreas Köpke, Jay-Jay Okocha, oder Johnny Eckström zusammengespielt. Welche Erinnerungen verbindest du mit deiner Zeit unter dem Adlerdach?
Wir hatten damals viele gute Einzelspieler, einige Namen sind ja bereits gefallen. Leider haben wir es nie wirklich geschafft, eine Einheit zu werden. Es war Karl-Heinz Körbels erster Job als Cheftrainer, der Erwartungsdruck an ihn als Rekordspieler der Eintracht war enorm groß. Trotzdem konntest du immer zu ihm kommen, er war trotz der angespannten Gesamtsituation ein super Typ. Er hat damals in einer durchaus prekären Situation den Trainerposten übernommen, dafür gebührt ihm nach wie vor mein großer Respekt. Eigentlich hatte keiner damit gerechnet, dass wir mit so einer starken Truppe absteigen könnten. Aber wir sind leider im Laufe der Saison immer weiter in einen Abwärtsstrudel hineingeraten, an dessen Ende wir nicht mehr zu retten waren. Das war definitiv eine schmerzliche Erfahrung. Trotzdem bleiben mir aus meiner Zeit in Frankfurt vor allem die vielen Bekanntschaften und Freundschaften, die ich hier schließen konnte und die teilweise bis heute bestehen.

Du hast also nach wie vor Kontakte am Main?
Na klar, denn mit meinen Mitspielern habe ich mich auch privat gut verstanden. Andi Köpke und ich waren während meiner aktiven Zeit bei der Eintracht Nachbarn und haben in Hanau nebeneinander gewohnt. Rainer Falkenhain hat mir zuletzt zum Geburtstag Glückwünsche geschrieben, was mich wahnsinnig gefreut hat. Aus dem aktuellen Umfeld kenne ich auch ein paar, beispielsweise Trainer Adi Hütter und Co-Trainer Christian Peintinger. Peinti kommt sogar aus der Region Graz. Am Rande des Trainingslagers der Eintracht in Österreich konnte ich mit ihnen sprechen. Beide sind charakterlich top Typen. Ich freue mich für sie, dass es mit der Eintracht aktuell so gut läuft. Bruno Hübner durfte ich damals als junger Spieler während meiner Zeit in Kaiserslautern kennenlernen und stehe nach wie vor in Kontakt mit ihm. Insgesamt freut es mich einfach zu sehen, wie stark die Eintracht momentan aufspielt. Ich denke, so kann vieles möglich sein.

Die Eintracht ist ein ernstzunehmender Gegner und spielt aktuell mit sehr viel Selbstvertrauen.

Markus Schupp

Was traust du der Eintracht genau zu?
Gerade wenn man sieht, wie die Eintracht momentan aufspielt, liegt es auf der Hand, dass sie sich viel ausrechnen. Ich finde es nur schade, dass aufgrund der Coronapandemie nach wie vor keine Zuschauer die Spiele vor Ort sehen können. Die Fans hatten auch ihren Anteil an den tollen Reisen in der Europa League und haben diese europäischen Nächte zu besonderen gemacht. Diese Stimmung geht derzeit leider sehr verloren, weshalb es mir ehrlich gesagt gerade schwerfällt, Spiele anzuschauen. Die Stille in den Stadien ist einfach traurig. Ohne Fans fehlt das gewisse Extra, das den Fußball ausmacht. Aber in der momentanen Situation hat es natürlich Priorität, das Virus einzudämmen. Freuen wir uns also auf die Zeit, wenn wieder Zuschauer ins Stadion dürfen.

Am Samstag treffen deine beiden ehemaligen Vereine aufeinander und nicht wenige rechnen mit einer umkämpften Partie. Wie siehst du das?
Ich glaube ebenfalls, dass am Samstag ein spannendes Duell auf uns zukommt. Die Eintracht hat momentan einen Lauf, während die Bayern zuletzt etwas müde gewirkt haben. Das hat man auch beim Münchner 3:3 gegen Arminia Bielefeld am Montag gesehen. Die Eintracht ist ein ernstzunehmender Gegner und spielt aktuell mit sehr viel Selbstvertrauen. Für den Ausgang am Samstag wage ich daher keine Prognose.

Nach deiner Zeit als aktiver Spieler warst du unter anderem selbst als Cheftrainer und später als Sportdirektor tätig. Wäre eine leitende Position innerhalb eines Fußballvereins nach wie vor dein beruflicher Wunsch?
Ich konzentriere mich mittlerweile eher auf meine Firma, das bereitet mir genauso viel Freude. Als ich nach meiner Zeit in Graz meine Karriere beendet habe, habe ich gemerkt, welcher Stress mit dem Privileg Fußball einhergeht, das wollte ich so nicht mehr. Ich habe eine Familie mit zwei Töchtern und wollte es ihnen ermöglichen, ein normales Leben zu führen und einen Freundeskreis aufzubauen, ohne ständig auf dem Sprung zu sein. Als Sportdirektor oder Verantwortlicher in einem Verein bist du ständig unterwegs. Ich wollte es meinen Kindern nicht zumuten, dass sie aufgrund der Pendelei nichts von ihrem Vater haben. So habe ich entschieden, mich selbstständig zu machen und genieße meine Arbeit und die Erlebnisse, die ich Fans damit ermöglich kann und darf.

Wie sieht dein beruflicher Alltag aus?
Ich habe mich 2018 selbständig gemacht und biete mit meiner Firma VIP-Pakete mit Führungen während den Spielen des FC Bayern München an. Mein Ziel ist es, meinen Kunden einen der schönsten Tage zu ermöglichen und ihnen ein Erlebnis zu bieten, an das sie sich noch lange und gerne zurückerinnern. Sie können ein Spiel in einer der Logen des FCB verfolgen, was sonst eher schwierig ist, da die Allianz Arena fast durchgehend ausverkauft ist. Während einer solchen Führung können sie Spieler und andere Größen des Vereins treffen und ein Autogramm oder Foto bekommen. Ich stelle ihnen auch andere Legenden wie etwa Luca Toni oder Ivica Olic vor, die eventuell vor Ort sind. Dieses Angebot nehmen die Leute gerne an, weshalb es mir nach wie vor unheimlich Spaß macht, ihnen durch meinen Einsatz einen unvergesslichen Tag zu bereiten.

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