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Mittelfeld
15
Daichi Kamada

Nationalität:
Japan
Geburtstag:
05.08.1996
Größe:
1.8m
Adlerträger seit:
30.06.2017

Statistik

  • Einsätze
    8
  • Startelf
    8
  • Einwechslungen
    0
  • Auswechslungen
    5
  • Gespielte Zeit
    657'
  • Scorer
    4
  • Tore
    1
  • Vorlagen
    3
  • Zweikämpfe
    83
  • gewonnen
    38
  • verloren
    45
  • Karten
    1
  • Gelb
    1
  • Gelb-Rot
    0
  • Rot
    0
  • Tore
    1
  • links
    0
  • rechts
    1
  • Kopf
    0
  • Torvorlagen
    3
  • Erfolgreiche Pässe
    262
  • kurz
    197
  • lang
    7
  • Ballkontakte
    418

Besser als Sushi aus Japan

Mit drei meldete ihn sein Vater zum ersten Fußballtraining an, 20 Jahre später ist Daichi Kamada Toptorjäger der Europa League. Muskeln und Mut dienen als Erklärung. Doch ein Rätsel bleibt.

 „Was ist besser aus Japan als Sushi?“, entfuhr es am 28. November spätabends Goncalo Paciencia aus dem Emirates Stadium in London via Twitter. Der vom 2:1-Erfolg beim Arsenal FC euphorisierte Portugiese besorgte die Antwort prompt selbst: „Daichi Kamadaaaa!!!“ Zuverlässig wie ein japanischer Lieferdienst hatte der 23-Jährige an jenem Donnerstag per Doppelpack den Pausenrückstand gegen die Gunners umgebogen, die Eintracht damit im Wettbewerb gehalten und seinen Anteil, dass der Bundesligist so spät wie nie in seiner Vereinsgeschichte auf drei Hochzeiten tanzt. Es ist in diesem Spieljahr eher die Regel denn die Ausnahme.

Nicht erst, seit Naohiro Takahara, Junichi Inamoto, Makoto Hasebe oder Takashi Inui die Herzen Europas erobern (konnten), gelten Importe aus dem Land der aufgehenden Sonne als sportliche Leckerbissen. Im Nachwuchsleistungszentrum sind regelmäßige Judoeinheiten sogar fester Bestandteil der Ausbildung und im Mai 2019 absolvierten die Lizenzspieler in Foshan einen Taijiquan-Kurs... Moment – eigentlich hat die Kunst des Schattenboxens ihre Wurzeln doch in China. Andererseits: Körperbeherrschung fördern die fernöstlichen Kampfsportarten gleichermaßen.

„Es ist wichtig, die Sprache zu lernen“

Makoto Hasebe

Zu kämpfen hatte auch Daichi Kamada nach seinem Wechsel im Sommer 2017 von Sagan Tosun zur Eintracht. „Ich war damals 20 Jahre und in meinem dritten Profijahr. Dass es bei mir zum Profifußballer reichen könnte, habe ich in meinem zweiten Jahr an der Oberschule gedacht, also mit 17“, bedenkt Kamada, dass sein Weg in den internationalen Spitzensport keineswegs vorgezeichnet war. 80 Profipartien in Japan waren für ein Talent seines Alters zwar nicht wenig, aber in einem Land mit vier Weltmeistertiteln und 57 zertifizierten Leistungszentren eben auch kein Alleinstellungsmerkmal. Ein Umstand, den Landsmann Hasebe aus eigener Erfahrung nachempfinden kann. „Das erste Jahr war auch für mich sehr schwierig, alles war ganz anders als in Japan.“ Trotz Asienpokal und Meisterschaft im Reisegepäck wartete im Januar 2008 beim VfL Wolfsburg nicht der rote Teppich – sondern Felix Magath. Doch Medizinbälle und der Hügel der Leiden blieben nicht die einzigen Grenzerfahrungen, wie Hasebe präzisiert: „Eine ganz andere Kultur und komplett andere Bedingungen. Ich habe Daichi deshalb geraten, dass es ganz wichtig ist, die Sprache zu lernen. Das erleichtert nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz sehr viel.“

Daichi hat sehr ästhetische und feine Bewegungen

Niko Kovac

Wenn auch nicht auf Knopfdruck. Denn auch wenn sich der Neuling gewissenhaft „viele Videos angeschaut und sich im Vorfeld bei japanischen Bundesligaspielern informiert“ habe, wie Hasebe verrät, blieben Theorie und Praxis zwei verschiedene Paar Fußballschuhe. Nach einem Vierteljahr unter den Fittichen von Niko Kovac urteilte der damalige Cheftrainer: „Daichi hat sehr ästhetische und feine Bewegungen, dreht sofort auf und ist balltechnisch sehr stark. Was ihm noch fehlt, ist das Durchsetzungsvermögen. Da hängt er mir zu sehr wie ein nasser Sack.“ Keine weiteren Fragen. Hinzu kam, dass die Hessen in verhältnismäßig ruhigen Fahrwassern verkehrten und der Junge aus Nippon im Transfersommer in der öffentlichen Wahrnehmung nur einer von vielen, genau genommen zwölf Neuen, war, von denen die Hälfte mittlerweile wieder weg oder verliehen ist. Offensichtlich wird das Dilemma am seinerzeitigen Last-Minute- wie Königstransfer Kevin-Prince Boateng. „Früher galt die Bundesliga als ideales Sprungbrett für junge Japaner, doch das Niveau ist gestiegen und der direkte Schritt nach Deutschland für die meisten zu groß. Kamada und Boateng sind dafür das beste Beispiel“, begründet Alexander Ostern, als in Frankfurt lebender Korrespondent für das japanische Fernsehen im Einsatz. Das Selbstverständnis des „Prince“ als Taktgeber, geschweige denn Anführer, konnte der eher introvertierte Kamada allein qua Erfahrung nicht mitbringen. Weshalb in der Premierensaison zwei Feierlichkeiten, seiner Hochzeit Ende 2017 sowie der DFB-Pokalsieg 2018 (dazu wurde er 2018 Vater), 145 Spielminuten in der Bundesliga sowie weitere 73 in der ersten Runde in Erndtebrück gegenüberstanden. Auch für einen Lehrling zu wenig. Viel zu wenig.

Kamadinho

Goncalo Paciencia

Was auch Adi Hütter nicht entgangen ist. „Er gefällt mir nicht nur mit Ball gut, sondern setzt seinen Körper auch gut ein. Natürlich ist die Bundesliga nochmal etwas anderes, aber er wird sich anpassen. Daichi wird in diesem Jahr eine sehr gute Entwicklung nehmen“, prophezeite der Chefcoach nach seinen Eindrücken in der Sommervorbereitung und Europa League-Qualifikation im August. Wie viel Symbolkraft dahintersteckt, dass der 23-Jährige im zweiten Anlauf nach der 40 wie in Belgien die ungleich wertigere Nummer 15 erhielt, sei dahingestellt. Die interne Wertschätzung war schnell greif- und verlautbar: „Wir haben durch Daichi Kamada eine Position geschaffen, die es bei uns in dieser Form zuvor nicht gegeben hat. Er kann hinter den Spitzen spielen und torgefährlich sein, auch wenn er vor dem Tor noch etwas unglücklich agiert. Aber er besitzt die Qualität, den letzten Pass zu spielen, ist laufstark und kann in die Tiefe gehen“, stärkte Hütter im September öffentlichkeitswirksam die Fähigkeiten seines Feingeistes, der so gesehen keinen direkten Konkurrenten verdrängen musste und doch über sich sagt: „Ich bin selbst mein härtester Gegenspieler.“

Gleichwohl sind Fortschritte unverkennbar. Der Techniker schreckt auf dem Platz nicht vor Kollisionen zurück. Dass ihn dennoch der Mut nicht mehr so leicht verlässt, beweist die in St. Truiden zurückerlangte Schussfreude. „Mir ist bewusst, dass ich einfach häufiger den Abschluss suchen sollte“, bekräftigt Kamada und lässt Taten folgen. Den Gerüchten zufolge soll Paciencia – wem auch sonst – sogar ein „Kamadinho“ über die Lippen gekommen sein.

Meine körperliche Entwicklung kann noch um einiges besser werden.

Daichi Kamada

Derlei Anerkennung machte sich nicht weniger in indirekter Form bemerkbar, als Kamada während eines Testspiels in Florida gegen Hertha BSC im Januar 2020 einen Bänderriss erlitt. Zwangsläufig bekundete Hütter sehenden Substanzverlustes: „Es wäre fahrlässig, nicht über neue Spieler nachzudenken.“ Bekanntlich ist der Patient wiederhergestellt, doch wie er auf dem Rasen hat auch die Spielzeit am Newcomer selbst Spuren hinterlassen: „Ich erlebe es auch zum ersten Mal in meiner Profikarriere, dass so viele Spiele stattgefunden haben. Dadurch konnte ich mich körperlich entwickeln, aber ich glaube, dass das noch um einiges besser werden kann.“ Da ist er wieder. „Als Daichi nach Frankfurt gekommen ist hatte er zu viel Respekt mir gegenüber. Das hat er immer noch, aber unser Verhältnis ist lockerer geworden“, plaudert Hasebe, der in der gemeinsamen Heimat den Status eines Volkshelden genießt, lachend aus dem Nähkästchen: „In der Mannschaft duzen wir uns alle, aber Daichi siezt mich noch heute – wie am ersten Tag.“ Es klingt wie aus einem vergangenen Zeitalter, als Sushi noch als japanischer Exportschlager galt...

  • Nationalität: Japan
  • Geburtsdatum: 05. August 1996
  • Größe: 1,80 Meter
  • Gewicht: 72 Kilogramm
  • Position: Mittelfeld
  • Im Verein seit: 01. Juli 2017
  • Bisherige Vereine: VVW St. Truiden, Eintracht Frankfurt, Sagan Tosu
  • Erfolge: 1 x DFB-Pokalsieger
  • Auszeichnungen: Bundeliga-Torschütze des Monats Juni 2020

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