Sturm
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Goncalo Paciencia

Nationalität:
Portugal
Geburtstag:
01.08.1994
Größe:
1.84m
Bei Eintracht seit:
03.02.2020

Optimismus in Main-Kultur

Gonca, das Toreschießen hast du gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen. Dein Vater Domingos ist eine Porto-Legende und hat über 100 Tore für den Klub geschossen. Was hast du von ihm mitgegeben bekommen?
Mein Vater und ich haben fußballerisch nicht viel gemeinsam. Er ist ein wenig kleiner und auch schmächtiger als ich, daher unterscheidet sich unsere Spielweise. Trotzdem hat er mir natürlich viel geholfen. Er hat mir gezeigt, wie ich mich auf dem Platz zu bewegen habe und hat auch immer viel mit mir gesprochen.

Worin unterscheidet ihr euch?
Mein Vater ist verdammt schnell, wirklich verdammt schnell und er hat seine Stärken im Tempodribbling. Ich dagegen bin technisch stärker und bin durch meine Größe auch robuster als er.

Mit bereits acht Jahren hast du in Porto das Fußballspielen gelernt. Was macht den Klub in deinen Augen so besonders?
Porto ist einer der größten Klubs in Portugal, der auch auf europäischer Bühne schon einige Titel gewonnen hat. In meiner Kindheit habe ich jedes Spiel von Porto gesehen – natürlich auch, weil mein Vater dort gespielt hat. So habe ich auch die großen Spiele gesehen, als Porto mit José Mourinho und seinem starken Team die Champions League und den UEFA-Cup gewonnen hat. Es ist ein großer Club, der, ähnlich wie die Eintracht, verrückte Fans hinter sich weiß. Jetzt bin ich aber in Frankfurt und all meine Gedanken gelten der Eintracht.

Dieses Gefühl habe ich während meiner Verletzung nicht gespürt.

Goncalo Paciencia

Was hat dein Vater damals zu dir gesagt, als du ihm mitgeteilt hast: Ich gehe zu Eintracht Frankfurt?
Er sagte mir: „Geh! Geh dort hin!“ Zum damaligen Zeitpunkt kannte er den Club und auch die Bundesliga natürlich schon. Deshalb sagte er mir, dass ich nicht zögern solle, weil die Eintracht ein großer Club sei und ich bereit für diese Herausforderung sei.

Dein Anfang war alles andere als einfach: Neuer Club, neues Land und dann hast du dir auch noch den Meniskus gerissen. Wie sehr hat dich das mitgenommen?
Ich habe in meiner Karriere schon viele Verletzungen gehabt, doch ich habe immer versucht, meine Verletzungen zu akzeptieren und immer positiv zu denken. Das ist natürlich schwierig, wenn man seine Mannschaftskameraden sieht, wie sie Woche für Woche voller guter Laune ihre Siege feiern und man selbst aber aufgrund der Verletzung nicht dabei sein kann. Natürlich freut man sich auch als verletzter Spieler über jeden Sieg seines Teams, aber man möchte trotzdem das Gefühl haben, ein wichtiger Teil der Mannschaft und des Clubs zu sein – dieses Gefühl habe ich während meiner Verletzung nicht gespürt. Das war hart für mich, aber glücklicherweise hatte ich immer die richtigen Leute um mich herum: die Spieler, die Trainer, die Betreuer und die Ärzte. Das hat es mir ein wenig leichter gemacht mit der Verletzung umzugehen.

Du bist ja generell ein sehr optimistischer Mensch. Inwiefern hat dir das während deiner Verletzungen geholfen?
Man muss die Situation einfach akzeptieren. Wenn du das nicht tust, kann es Ewigkeiten dauern, bis du wieder auf dem Platz stehen kannst. Ich dachte mir deshalb, dass ich mich gut von meiner Verletzung erholen muss. Ich habe mir auch all unsere Spiele angeschaut, um Kraft zu tanken. Wenn die Mannschaft gut spielt und die Mehrheit ihrer Spiele gewinnt, gibt dir das für die Reha einen zusätzlichen Motivationsschub, weil du unbedingt ein Teil des Teams sein und endlich wieder auf dem Platz stehen möchtest.

Du und Timothy Chandler seid in dieser Zeit gute Freunde geworden. Wie ist diese Freundschaft entstanden?
Wir haben in der Reha viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein super Typ, der genauso positiv eingestellt ist wie ich. Seit meiner Ankunft hier in Frankfurt hat er mich immer super unterstützt. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und ist sehr hilfsbereit. Das ist mir sehr wichtig, aber auch ihm ist es wichtig, dass ich so ticke wie er. Wir lachen viel zusammen und machen ab und zu auch mal Blödsinn (lacht).

Du hast in einem Interview gesagt, du würdest dein Leben auf dem Platz lassen. Symbolisiert das auch ein wenig deinen Spielstil?
Ich bin zwar nicht für meine Grätschen bekannt, aber trotzdem glaube ich, dass man als Spieler alles geben sollte und genau das versuche ich in jeder Sekunde umzusetzen.

Das hören die Fans natürlich sehr gerne. Eine Frage zu den Fans – hast du zuvor einen Support wie hier in Frankfurt erlebt? 
Definitiv nicht! Das Heimspiel in der Europa League gegen Donetsk war der Wahnsinn. Die letzten Minuten des Spiels waren unglaublich. Ich erinnere mich noch daran, wie ich nach dem Spiel zu meiner Familie und meinen Freunden sagte: „Diese Fans sind der Hammer! Sie hören einfach nie auf zu singen. Sie sind verrückt.“ Wir Spieler auf dem Platz spüren diese Unterstützung, das ist enorm leistungsfördernd für uns.

Die Eintracht Fans sind der Hammer!

Goncalo Paciencia

Kommen wir vom Fußballerischen zum Privaten: Was macht Goncalo Paciencia, wenn er nicht auf dem Platz steht?
Ich bin ein Mann für das Sofa. Ich bin meistens zu Hause und schaue mir Filme oder Serien an. Ich lese auch gerne Bücher. Manchmal fahre ich auch in die Stadt, um ein bisschen spazieren zu gehen, aber ich bin keiner, der ständig unterwegs ist. Ich genieße meine Zeit zu Hause auf meiner Couch.

Du liest sehr gerne. Was liest du denn am liebsten? Und hast du eine Buchempfehlung?
Ich lese hauptsächlich portugiesische Bücher von preisgekrönten Autoren, wie zum Beispiel Fernando Pessoa.

Als du in Frankfurt angekommen bist, waren der Zopf und die langen Haare ein Merkmal. Warum hast du sie irgendwann abgeschnitten?
Das war ursprünglich gar nicht geplant. David Abraham hat mich ein wenig auf den Arm genommen. Als ich mit David beim Friseur war, sagte David mir, dass der Friseur mir bloß die Haare waschen wolle, doch in Wahrheit schnitt er mir einen Großteil meiner Haare ab. Danach sahen meine Haare schlimm aus und sie waren nicht mehr zu retten. Deswegen ließ ich sie mir kurz schneiden. Vielleicht werde ich sie mir in den nächsten Monaten aber nochmal länger als beim letzten Mal wachsen lassen (schmunzelt).

Welchen Eindruck hast du von der Stadt Frankfurt und wo gehst du gerne hin?
Ich finde, Frankfurt hat eine gewisse Ähnlichkeit zu meiner Heimatstadt in Portugal. Im Zentrum findet man alles was man braucht und es ist alles sehr einfach gehalten. Anders als während meiner Zeit in Griechenland bei Olympiakos Piräus ist der Verkehr in Frankfurt etwas ruhiger. Mir gefällt es sehr gut hier und ich genieße die Zeit in dieser großen Stadt.

Hast du schon Apfelwein oder Handkäs‘ mit Musik probiert?
Auf dem Weihnachtsmarkt hat Timmy mich Apfelwein probieren lassen. Er war ganz gut, aber ich glaube nicht, dass das mein Lieblingsgetränk wird. Eigentlich trinke ich keinen Alkohol, aber vielleicht greife ich zum Saisonende noch einmal zu (lacht).

  • Nationalität: Portugal
  • Geburtsdatum: 01. August 1994
  • Größe: 1,84 Meter
  • Gewicht: 81 Kilogramm
  • Position: Sturm
  • Im Verein seit: 12.07.2018
  • Bisherige Vereine: Vitória Setúbal, Rio Ave FC, Olympiakos Piräus, Académica de Coimbra, FC Porto, FC Porto B
  • Erfolge:1 x Portugiesischer Meister, 1 x Griechischer Meister
  • Auszeichnungen: Torschützenkönig portugiesischen Ligapokals 2018